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Gebotswerte bei Windenergie stürzen ab

Wirtschaft

Trotz rückläufiger Gebotsmenge war auch die Ausschreibung für die Windenergie an Land vom 1. August 2026 wieder deutlich überzeichnet. Damit sanken die Zuschlagswerte erneut, was die Windenergiebranche weiter unter Druck setzt.

Die ausgeschriebene Menge betrug in dieser Runde 2.520 Megawatt (MW). Von den 461 eingereichten Geboten mit einem Volumen von 5.250 MW konnte die Bundesnetzagentur 237 Geboten mit einem Umfang von 2.523 MW einen Zuschlag erteilen. 17 Gebote mussten vom Verfahren ausgeschlossen werden.

Der starke Wettbewerb setzt die Branche unter erheblichen Kostendruck. Die Zahl der Projekte, die sich bereits im Genehmigungsverfahren befinden, ist weiterhin hoch. „Hier zeigt sich eine gewisse Torschlusspanik der Branche“, kommentiert Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE) die Ergebnisse.

Viele Unternehmen würden versuchen, ihre Projekte noch zum Zuschlag zu bringen, bevor die anstehende EEG-Novelle neue Unsicherheit bringe. Gleichzeitig zeigten die niedrigen Gebote, dass Projektierer bereit sind, auf Marktchancen zu setzen.

Die Ausschreibungen kommen fast zeitgleich mit den für diese Woche erwarteten parlamentarischen Beratungen zum EEG 2027 und zum Netzanschlusspaket. Der BWE interpretiert sie als Signal für die Ausgestaltung des neuen Förderrahmens, der stabile Rahmenbedingungen und Raum für Investitionsentfaltungen bieten muss. Ein Marktwertkorridor, der den Anlagen innerhalb bestimmter Grenzen an steigenden Markterlösen teilhaben lässt, schaffe einen Anreiz, mit niedrigeren Absicherungswerten in die Ausschreibung zu gehen. Das könne die Förderkosten stärker begrenzen als ein System, das von vornherein auf einen fixen Erlös zielt.

Zwar schaffe das zusätzliche Ausschreibungsvolumen ab 2027 Perspektiven für weiteren Zubau, kurzfristig ändere es aber nichts am hohen Wettbewerbsdruck. Dieser schlägt sich laut BWE zunehmend auf die Wirtschaftlichkeit der Projekte nieder und zeigt sich unter anderem bei den deutlich sinkenden Pachten.

Die aktuellen Zuschlagszahlen zeigen auch, in welchen Bereichen der Rechtsrahmen nachgeschärft werden muss. Von den 237 bezuschlagten Geboten entfielen lediglich 22 auf Projekte in der Südregion. „Im Süden muss das vorhandene Potenzial jetzt genutzt werden. Dort gibt es inzwischen eine solide Genehmigungsgrundlage, während der Zubau in den vergangenen Jahren deutlich hinter dem Bedarf zurückgeblieben ist“, moniert die Präsidentin. Der BWE schlägt deshalb vor, 2027 und 2028 jeweils 3.000 Megawatt Windenergie für die Südregion auszuschreiben. Ein solches Sondervolumen sei europarechtlich zulässig, wie ein aktuelles Rechtsgutachten im Auftrag des LEE Bayern und der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg zeige.

Damit Windenergie an Land seine zentrale Rolle im künftigen Energiesystem einnehmen könne, müsse die Politik jetzt den nächsten Schritt gehen. Neben einem verlässlichen Rechtsrahmen und ausreichenden Ausschreibungsvolumina brauche es bessere Möglichkeiten, den erzeugten Strom systemdienlich zu nutzen. „Dazu gehören grünes Licht für Speicher und Sektorenkopplung, die Nutzung von Strom, der am Netzverknüpfungspunkt nicht aufgenommen werden kann, sowie bessere Rahmenbedingungen für Direktbelieferung und PPA“, fordert Heidebroek.

Die Ergebnisse der Ausschreibung sind aus Sicht der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) Bayern alarmierend. Obwohl Baden-Württemberg und Bayern mehr als ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs auf sich vereinen und für das Gelingen der Energiewende eine Schlüsselrolle spielen, entfielen auf beide Länder zusammen erneut nur knapp 5 % der bezuschlagten Leistung. Mit lediglich rund 100 Megawatt bleibt der Windenergieausbau im Süden Deutschlands dramatisch hinter dem Bedarf zurück, kritisieren die Verbände. Zum Vergleich: Auf das restliche Deutschland entfielen 2.420 Megawatt – fast 25-mal so viel. Die beiden Verbände fordern daher eine Südquote im Rahmen der EEG-Novelle.

Der anhaltend unzureichende Ausbau der Windenergie in Süddeutschland hat weitreichende Folgen. Während der Stromverbrauch insbesondere in den industriestarken Ländern Bayern und Baden-Württemberg hoch bleibt und weiter steigt, entstehen neue Windkraftkapazitäten überwiegend im Norden Deutschlands. Die Folge seien immer größere Stromtransporte über weite Entfernungen, eine zunehmende Belastung der Stromnetze und steigende Kosten für Eingriffe in den Netzbetrieb.

Derweil zeigt eine Studie im Auftrag der beiden Verbände vom März 2026, dass ein stärkerer Windausbau im Süden diese sogenannten Redispatchkosten jedes Jahr um bis zu 1,8 Mrd. € senken könnte. Diese Kosten würden von Unternehmen und Verbrauchern getragen. Gerade steigende Endkundenpreise möchte die Bundesregierung tunlichst verhindern; ein ambitionierter Ausbau der Windkraft würde hier gezielt entgegensteuern. Gleichzeitig wächst nach Ansicht der Verbände die Gefahr, dass der Süden Deutschlands auch künftig stärker von Stromimporten abhängig bleibt und die Versorgung der energieintensiven Wirtschaft unnötig verteuert wird.

„Wer den Ausbau der Windenergie im Süden weiter ausbremst, gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Energiewende, sondern verursacht auch vermeidbare Kosten in Milliardenhöhe“, betont Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg. „Deutschland kann es sich weder energiewirtschaftlich noch volkswirtschaftlich leisten, die Stromerzeugung dauerhaft von den Verbrauchsschwerpunkten im Süden abzukoppeln.“

Die beiden Verbände fordern deshalb den Deutschen Bundestag auf, die Empfehlungen des Bundesrates aufzugreifen und im Rahmen des EEG 2027 eine wirksame Südquote einzuführen sowie die Rahmenbedingungen des Referenzertragsmodells zu verbessern. Nur so könne der Windenergieausbau endlich dort stattfinden, wo der Strom benötigt wird.

Trotz aktuell hoher Auslastung erwarten die Betriebsräte der Windindustrie einen deutlichen Einbruch bei Aufträgen und Beschäftigung. Das zeigt die aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall Küste in 34 Betrieben mit rund 27.700 Beschäftigten. „Die Ergebnisse sind eine Warnung an die Bundesregierung. Während die Betriebe aktuell gut ausgelastet sind, drohen Auftragseinbrüche und Stellenabbau. Nach der Altmaier-Delle droht jetzt der Reiche-Absturz“, sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Besonders kritisch bewerten die Betriebsräte die Perspektiven für den Standort Deutschland. Während die Entwicklung der Windindustrie in Asien mehrheitlich positiv eingeschätzt wird, überwiegen für Deutschland die negativen Erwartungen deutlich. Für die Onshore-Windindustrie erwarten 55 % der Befragten eine negative Entwicklung, für die deutsche Windindustrie insgesamt sind es 54 % (Vorjahr: 23 %). Nur 21 % schätzen die Perspektive positiv ein (Vorjahr: 59 %).

Als Ursachen für die pessimistische Einschätzung nennen die Betriebsräte vor allem den wachsenden Wettbewerbsdruck durch China, politische Unsicherheit, fehlende Netzanschlüsse sowie mangelnde industriepolitische Unterstützung. Entsprechend eindeutig fällt die Forderung nach politischem Handeln aus: 100 % der befragten Betriebsräte sagen, die Windindustrie brauche mehr industriepolitische Aufmerksamkeit. 92 % halten soziale Kriterien bei der Auftragsvergabe für ein geeignetes Instrument zur Stärkung der Branche in Deutschland.

Die geplanten Änderungen beim EEG, beim Netzanschluss, aber auch bei den Netzentgelten können die Planungs- und Finanzierungssicherheit erheblich beeinträchtigen. Das zeigt ein Brief, den die im BWE organisierten Banken an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) sowie die Bundesnetzagentur geschrieben haben. Darin fordern sie verlässliche Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Durch Einpreisung von Risiken drohten die Anforderungen an Eigenkapital und die Kosten für Fremdkapital deutlich zu steigen, was die Energiewende insgesamt verteuere. Die kumulative Wirkung aus Änderungen am Referenzertragsmodell, Redispatch-Vorbehalt und Wirkleistungsbegrenzung sowie zusätzlichen Kostenrisiken könne einen Abbruch bei Zubau herbeiführen, weil sich Projekte verteuern, verzögern, verkleinern oder gar nicht mehr umgesetzt werden.

Besonders kritisch bewerten die Finanzinstitute rückwirkende Eingriffe in bereits genehmigte, bezuschlagte und finanzierte Projekte. Sie fordern deshalb ausreichend lange Übergangsfristen, wirksamen Vertrauensschutz sowie kalkulierbare Kostenobergrenzen. Der BWE unterstützt diese Forderungen und appelliert an das Bundeswirtschaftsministerium und den Gesetzgeber, die verschiedenen Instrumente im weiteren Verfahren aufeinander abzustimmen, um die Finanzierungssicherheit für den Ausbau der Windenergie zu gewährleisten.

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