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Gebrauchte Elektroautos: Warum die Restwerte plötzlich steigen

Wirtschaft

Tesla-Fahrzeuge auf einem Parkplatz in Parsdorf bei München: Vor allem gebrauchte Fahrzeuge der US-Marke sind besonders gefragt. Foto: IMAGO/Sven Simon

Elektroautos: Dank Spritpreis-Effekt sind gebrauchte E-Autos plötzlich gefragt

Jahrelang galten gebrauchte Elektroautos als Ladenhüter. Seit Jahresbeginn steigen die Preise plötzlich. Bei den einzelnen Marken und Modellen gibt es große Unterschiede.

Die Preise für gebrauchte Elektroautos steigen seit Anfang 2026 deutlich aufgrund hoher Spritkosten und wachsender Nachfrage

Der EV Resale Index von Aampere zeigt im September einen Anstieg um neun Prozent gegenüber Jahresanfang. Die Deutsche Automobil Treuhand bestätigt steigende Restwerte für dreijährige E-Autos, während Benziner und Diesel im Wert fallen

Tesla-Modelle behalten nach drei Jahren etwa 56 bis 58 Prozent ihres Neupreises und profitieren von einem geschlossenen System und stabilen Preisen. Chinesische E-Autos erzielen nur rund 41 Prozent

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

EsEs gibt viele Gründe, sich noch kein E-Auto zu kaufen, die meisten davon fallen inzwischen in die Kategorie Mythos. Einer nicht: Weil E‑Autos fast so schnell technisch veralteten wie iPhones oder Laptops, erlebten ihre Besitzer oft eine böse Überraschung, wenn sie ihr Auto nach einigen Jahren auf dem Gebrauchtmarkt verkaufen wollten.

Nicht selten gab es dort nur noch knapp ein Drittel des Neupreises. Abrupte Preissenkungen bei Neuwagen, mit denen besonders Tesla-Chef Elon Musk gerne seine Bestandskunden verärgerte, sowie die ebenso abrupte Einführung und Beendigung staatlicher Kaufprämien durch die Politik drückten die Gebrauchtwagenpreise meist weiter.

Erstmals seit Jahren zeichnet sich nun aber eine Trendwende auf dem Markt für gebrauchte Elektroautos ab. Das zeigt der erste EV‑Resale-Index der Münchner Handelsplattform Aampere. Grundlage sind die Höchstgebote aus rund 4900 Händlerauktionen, bei denen Händler aus zehn europäischen Ländern auf gebrauchte E-Autos bieten. Im September lag der Index bei 109,3 Punkten, also gut neun Prozent über dem Wert von Anfang des Jahres.

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Wie belastbar sind die Zahlen? Aampere verdient zwar am Verkauf gebrauchter E-Autos und hat ein Interesse an guten Nachrichten über deren Wert. Die Daten sind dennoch aussagekräftig, weil sie echte Händlergebote abbilden statt nur Angebots- und Wunschpreise in Inseraten, wie die meisten anderen Auswertungen.

Hohe Spritpreise treiben die Nachfrage nach Stromern

Bemerkenswert ist auch das Timing. Denn normalerweise sinken die Restwerte von E-Autos im Lauf eines Jahres. 2026 aber steigen sie, und zwar recht deutlich, etwa seit März. Den Grund liefert der Ölmarkt. Seit Beginn des Iran-Kriegs im Frühjahr sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen. Der September war mit rund 2,27 Euro je Liter Super und 2,38 Euro je Liter Diesel der teuerste Tankmonat überhaupt. „Damit kippt die Gesamtkostenrechnung bei vielen Haltern nun zugunsten des E-Autos“, beobachtet Florian Reister, CEO und Co-Gründer von Aampere.

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sieht den gleichen Trend. Von Mai bis August stiegen die Restwerte dreijähriger Stromer um 1,4 Prozentpunkte, während Benziner und Diesel verloren. Der Abstand zum Verbrenner schrumpft: Ein dreijähriges E-Auto erzielt laut DAT im Schnitt 51,5 Prozent seines Listenpreises, ein Diesel 58 Prozent und ein Benziner 59,4 Prozent. Im November 2025 lag der Abstand zum Benziner noch bei fast 15 Prozentpunkten.

Hinzu kommt ein Angebotsproblem. Gebrauchte E-Autos kommen meist nach drei bis vier Jahren erstmals auf den Markt. Sie stammen also aus Jahrgängen mit noch geringen Zulassungszahlen. Heute ist jeder dritte Neuwagen in Deutschland ein reiner Stromer, bei den Besitzumschreibungen lag der Anteil im August bei gerade 5,3 Prozent. Die Nachfrage wächst also schneller als das Angebot.

Teslas am wertstabilsten, Chinesen nicht so sehr

Nach 36 Monaten ist das Tesla Model 3 laut Aampere-Auktionsdaten im Schnitt noch 58 Prozent seines Neupreises wert, das Model Y 56 Prozent. Der Marktschnitt liegt bei 48 Prozent. Bei 50.000 Euro Neupreis bedeutet das rund 4.600 Euro mehr Restwert nach drei Jahren. Mit Abstand folgen BMW iX3 und Škoda Enyaq.

Aampere nennt die Marke selbst als Grund: Tesla steht wie kaum ein anderer Hersteller für das Elektroauto. Dazu kommt das geschlossene System aus Fahrzeug, Software und Supercharger-Netz, das Käufern wie Händlern Sicherheit gibt. „Gerade das dichte Ladenetz und die relativ transparente Preisgestaltung dort haben Tesla in den vergangenen Jahren viele Image-Punkte verschafft, gerade bei Menschen, die dem Thema E-Auto gegenüber generell noch eher zurückhaltend gegenüberstanden“, meint Robin Engelhardt von Aampere, „das sind Faktoren, an denen chinesische Hersteller noch arbeiten müssen.“

Zwei weitere Faktoren dürften ebenso eine Rolle spielen, wenn auch nur eine statistische: Tesla verkauft direkt, zu festen Preisen und ohne Zwischenhändler. Rabatte gibt es so gut wie nie. Listenpreis und tatsächlicher Kaufpreis liegen eng beieinander. Wer dagegen beim klassischen deutschen Autohändler einen Rabatt herausgehandelt hat, hat einen künstlich hohen Listenpreis als Basis, und der Restwert in Prozent sieht schlechter aus. Zweitens hat Tesla seine Preise 2023 kräftig gesenkt. Die Autos, die jetzt nach drei Jahren zurückkommen, wurden schon zum niedrigeren Neupreis verkauft. Der Absturz, den frühere Model-3-Besitzer erlebt haben, ist damit bereits verdaut. Die hohe Quote ist also auch ein Effekt der niedrigen Ausgangsbasis.

Warum chinesische Marken schnell Wert verlieren

Chinesische E-Autos hingegen erzielen nach drei Jahren im Schnitt nur 41 Prozent ihres Neupreises. Je älter die Autos, desto größer der Abstand. Nach vier Jahren sind es 34,9 Prozent, der Gesamtmarkt der Stromer liegt im Schnitt bei 42,1 Prozent. Zudem bieten bei den von Aampere ausgewerteten internationalen Auktionen auf ein China-Auto im Schnitt 30 Prozent weniger Händler als auf westliche oder koreanische E-Autos. Das Problem ist also doppelt: niedrigere Preise und weniger Interessenten.

Die Ursachen sind vielfältig. Viele Marken sind neu, Händler- und Werkstattnetze noch dünner als bei etablierten Herstellern. Ersatzteile müssen teils aus China kommen, was Reparaturen um Wochen verzögern kann. Schwer wiegt auch die Unsicherheit, ob einzelne Marken in einigen Jahren überhaupt noch in Europa vertreten sind. Und: Viele China-Stromer wurden mit hohen Rabatten verkauft. Gemessen am Listenpreis fällt der Wertverlust dadurch höher aus, als ihn der Erstbesitzer tatsächlich erlebt.

Laut mobile.de waren gebrauchte China-Stromer im August rund 24 Prozent günstiger als vergleichbare europäische Modelle. Für Schnäppchenjäger ist das aber zugleich eine Chance: Denn technisch sind die chinesischen Modelle nach den meisten Tests und Analysen keineswegs schlechter als ihre westlichen Wettbewerber.

Für ein endgültiges Urteil ist es ohnehin zu früh. Die chinesische Gruppe im Index von Aampere wird von MG und Aiways dominiert; die teils deutlich höher im gehobenen Mittelklasse-Segment angesiedelten Autos von BYD oder Xpeng etwa sind noch kaum auf Gebrauchtwagenauktionen vertreten. Nennenswerte Zulassungswellen hier begannen 2025 und erreichen den Gebrauchtmarkt frühestens 2028. Erst dann wird sich zeigen, ob BYD und andere, technisch anspruchsvollere China-Marken ihr Restwert-Problem in den Griff bekommen.

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