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Gebrauchtes E-Auto kaufen: Warum viele Kilometer kein Nachteil sind

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Gebrauchtes E-Auto kaufen: Warum viele Kilometer kein Nachteil sind

Von: Hannes Koch

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Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos ist der Batteriezustand entscheidend – ein Zertifikat sollte Pflicht sein. Worauf Käufer außerdem bei Bremsen und Unterboden achten müssen, erklärt ein Experte.

Die hohen Benzinpreise hinterlassen Spuren, auch wenn die Regierung noch einmal einen Tankrabatt spendiert. Weil eine grundsätzliche Linderung wegen des andauernden Iran-Konflikts nicht abzusehen ist, denken manche Autofahrerinnen und Autofahrer daran, die Antriebstechnik zu wechseln. Neben neuen E-Autos fällt der Blick dabei auch auf gebrauchte Strom-Fahrzeuge.

Wo sind die gebrauchten Elektroautos zu finden?

Internet-Marktplätze wie Autoscout24 oder mobile.de verzeichnen inzwischen zahlreiche Angebote elektrischer Wagen aus zweiter oder dritter Hand. „Die großen Portale haben sich mittlerweile angepasst und stellen auch für Elektroautos entscheidende Informationen zur Verfügung, etwa zu den Batteriezertifikaten“, sagt Martin Guss, der für die Stiftung Warentest ein Buch über den „Umstieg aufs Elektroauto“ verfasst hat. Mit firstev.de existiert zusätzlich eine Seite, die sich ausschließlich der E-Mobilität widmet. Hinzu kommen Firmen wie Ayvens oder Volkswagen, die unter anderem gebrauchte Leasing-Wagen anbieten. Stationäre Autohändler sind eine weitere Option.

Ist jetzt eine gute Gelegenheit?

Für den Gebraucht-E-Kauf spricht die Großwetterlage: Die Kosten für die Elektrizität liegen in vielen Fällen deutlich unter denen für Benzin und Diesel. Hinzu kommt die Kfz-Steuer-Befreiung für Stromer. „Und das Angebot ist nun groß genug, unter anderem weil viele Fahrzeuge aus beendeten Leasing-Verträgen auf den Markt kommen“, erklärt Elektroingenieur Guss.

Contra-Argumente gibt es aber auch. So schrieb der „Spiegel“ kürzlich: „Auf dem Portal Autoscout24 stiegen die aufgerufenen Werte pro Fahrzeug von durchschnittlich 33.100 Euro im Februar auf nun rund 38.900 Euro.“ Dieser Preisanstieg dürfte eine Folge der höheren Nachfrage nach solchen Pkw sein – schließlich leiden viele Leute unter den Benzinpreisen und überlegen sich Alternativen. So gilt es, die Angebote und ihre Werthaltigkeit genau zu überprüfen. Dabei finden sich aber auch deutlich günstigere elektrische Kleinwagen wie der Fiat 500e oder der Opel Corsa.

Das Alter

Wobei man unbedingt auf das Baujahr achten sollte. Denn die mittlerweile über zehn Jahre alten Fahrzeuge der ersten und zweiten E-Auto-Generation wie etwa die damals gebauten Renault Zoe oder BMW i3 sind oft nicht mehr empfehlenswert. Ihre Batterien können so erschöpft sein, dass sie nur noch eine geringe Reichweite hergeben. Martin Guss rät: „Etwa fünf Jahre alte E-Fahrzeuge können ein gutes Geschäft darstellen, weil vom Neupreis 50 Prozent Wertverlust abzuziehen sind, der Zustand oft gut ist, und sie noch zehn Jahre halten.“ Auch hohe Laufleistungen von mehreren hunderttausend bereits absolvierten Kilometern sollten dabei nicht abschreckend wirken, besonders wenn die bei Leasing-Verträgen erforderlichen verpflichtenden Wartungen im Serviceheft ausgewiesen sind.

Die Batterie

Sie ist das entscheidende Teil des Fahrzeugs. Wenn es gut läuft, kann sie auch nach 300.000 gefahrenen Kilometern noch 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität bieten. Das schränkt die Reichweite zwar ein, aber nicht dramatisch. Umgekehrt gilt: Die E-Auto-Batterie will benutzt werden, um ihre Leistung erhalten. Wurde der Wagen wenig bewegt, hat sich möglicherweise die Ladekapazität stärker reduziert als mit hoher Kilometerzahl.

Der ADAC rät: „Vor jedem Kauf eines gebrauchten Elektroautos sollte der State of Health (SOH) der Batterie erhoben werden.“ Dieser Wert gibt an, wie groß die entnehmbare Energiemenge im Vergleich zum Neubauzustand ist. Allerdings sind die Herstellerangaben und Berechnungen noch nicht standardisiert. Nach 50.000 Kilometern (km) Laufleistung sollte die Akkukapazität mindestens 92 Prozent betragen, nach 100.000 km mindestens 88 Prozent, bei 150.000 km mindestens 84 Prozent und bei 200.000 km mindestens 80 Prozent, empfiehlt der ADAC.

Verkäufer und Händler sollten das Batterie-Zertifikat einer seriösen Firma vorlegen. Prüfzentren des ADAC erstellen es ebenfalls. Im Zweifel lieber auf den Kauf verzichten, sagt der Autoclub. Eine alternative Variante besteht darin, den Zustand der Batterie beim Probefahren und -laden selbst zu ermitteln. Berechnungsmethoden dafür erläutert Experte Martin Guss in seinem Buch.

Das Ladesystem

Wichtig ist, dass beide Varianten funktionieren, sowohl das langsame Laden mit Wechselstrom als auch der schnelle Anschluss mit Gleichstrom.

Weil die Klimaanlage nicht nur für angenehme Temperaturen im Wageninnern sorgt, sondern auch die Batterie kühlt, muss sie ebenfalls richtig arbeiten.

Die Bremsen

Zeigen die Bremsscheiben Rost? Dann droht der schnelle Austausch, was erhebliche Kosten verursacht. Das ist ein spezieller Punkt bei Elektroautos. Denn die Bremsen werden weniger benutzt als bei fossil betriebenen Fahrzeugen. Die Ursache liegt in der sogenannten Rekuperation von Energie beim Fahren. Wird das Beschleunigungspedal nicht gedrückt, nutzt das Fahrzeug einen Teil der Bewegungsenergie, um die Batterie wieder aufzuladen. Damit verbunden ist eine leichte Bremswirkung, die das Bremsen mittels Pedal oft unnötig macht. Ein schädlicher Rostansatz der Bremsen kann die Folge sein.

Reifen und Felgen

Elektrische Fahrzeuge weisen oft ein beträchtliches Gewicht auf, das auf die große Batterie zurückzuführen ist. Dadurch werden die Reifen und Felgen stärker belastet. Sind die Reifen teilweise oder ganz abgefahren, weisen die Felgen Schäden auf? Dann entstehen bald zusätzliche Kosten, die sich zumindest mindernd auf den Kaufpreis auswirken sollten.

Achtung beim Unterboden

Ein weiterer spezieller Faktor: Die Batterien sitzen in der Regel an der Unterseite des Fahrzeugs, weshalb sie in Berührung mit Bordsteinkanten und anderen Hindernissen gekommen sein können. Weist der Boden also Dellen auf, ist der Batteriekasten gar eingedrückt, kann das auf Schäden am Akku hindeuten, die die Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Dann lieber Abstand vom Kauf nehmen, denn der Austausch der Batterie ist eine sehr teure Angelegenheit.

Die Standard-Kriterien

Von diesen besonderen E-Auto-Fragen abgesehen, gilt es, die üblichen Aspekte zu beachten, die bei jedem Autokauf eine Rolle spielen. Hatte das Fahrzeug Unfälle, ist es gepflegt und gut gewartet, liegt das Serviceheft vor? Bevor man den Kaufvertrag unterschreibt, erscheint es in jedem Fall nützlich, eine Probefahrt zu unternehmen und den Wagen von vertrauenswürdigen Experten kontrollieren zu lassen.

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