Gefahr im Baumarkt: Wer hier nicht richtig aufpasst, holt sich ein Problem nach Hause
In deutschen Baumärkten und Gartencentern wird immer wieder eine invasive Ameisenart entdeckt. Ihre Ausbreitung kann fatale Folgen haben. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern. Abgesehen von ihrer wichtigen Rolle im heimischen Ökosystem, können Ameisen auch für Gartenbesitzer:innen vorteilhaft sein: Sie lockern den Boden auf, helfen beim Abbau organischer Materialien und fressen den ein oder anderen Schädling. Ärgerlich wird es allerdings dann, wenn sie große Nester unter Terrassen oder gepflasterten Wegen anlegen oder Blattläuse schützen und deren Vermehrung fördern. Doch selbst das ist wohl noch verkraftbar im Vergleich zu dem, was Tapinoma magnum in menschlichen Siedlungen anrichten kann. Die aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Ameisenart ist unter anderem dafür bekannt, sich auf der Suche nach Nahrung und Wärme durch Stromkabel zu fressen und Internetverbindungen lahmzulegen. Dem SWR zufolge breitet sich die große Drüsenameise rasant aus und bildet Superkolonien, die aus Millionen Tieren bestehen. Allein in Baden-Württemberg sei das Tier bereits in rund 50 Städten und Gemeinden entdeckt worden. Tapinoma magnum: Warum ein Befall so folgenreich ist Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollte man zum einen seinen Garten regelmäßig kontrollieren. Zum anderen empfiehlt es sich aber auch dringend neue Pflanzen, Blumenerde und Gartenzubehör auf Insektenbefall zu prüfen. Das gilt insbesondere für Produkte aus dem Baumarkt. Erst im Juni sei die Ameisenart bei einem Stuttgarter Baumarkt entdeckt worden, heißt es beim SWR. Konkret betroffen waren demnach der Parkplatz und ein Grünstreifen. Ein professioneller Schädlingsbekämpfer sei "kontinuierlich im Einsatz", versicherte ein Sprecher des Baumarkts. Gleichzeitig betonte er: "Grundsätzlich ist zu beachten, dass Pflanzen oder Erde nur ein möglicher Eintragsweg unter mehreren sind – ebenso kommen Urlaubsreisen oder allgemeine Handelsströme aus Südeuropa in Betracht". Der Insekten-Experte Bernhard Seifert von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung empfiehlt dennoch, bei Einkäufen in Baumärkten und Gartencentern vorsichtig zu sein. Am ehesten betroffen seien mediterrane Pflanzen wie Olivenbäume. Auch das Umweltbundesamt warnt vor Großgehölzen aus dem Mittelmeerraum, zum Beispiel Feigenbäume oder Palmen. Wie kann man die Ausbreitung der invasiven Ameisen verhindern? Damit man sich die invasive Ameisenart nicht in den Garten holt, sollte man jede Pflanze vor dem Kauf genau begutachten. "Man muss schauen, was in dem Pflanztopf krabbelt", betont Seifert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Pflanzen auch einige Tage in "Quarantäne" stecken und beobachten, ob in dieser Zeit Ameisen aus dem Topf krabbeln. Generell empfehlen Expert:innen Lebensmittelreste oder offenen Biomüll im Garten zu vermeiden sowie Wege und Gebäude auf dem Grundstück instand zu halten, damit keine größeren Fugen oder Hohlräume entstehen, die die Ameisen als Nistplätze nutzen könnten. Wenn man dann tatsächlich die großen Drüsenameisen entdeckt, ist schnelles Handeln gefragt. Denn wenn sich erst mal eine Superkolonie etabliert hat, dann sei die Sache aussichtslos, meint Insekten-Experte Seifert. Das Umweltbundesamt rät, sowohl bei Verdachtsfällen als auch bestätigten Vorkommen umgehend die Stadt oder Gemeinde zu informieren. Anschließend ginge es darum, gemeinsam das Ausmaß des Befalls zu ermitteln sowie die Bekämpfung zu planen. Möglich ist etwa der Einsatz von Insektiziden oder Heißwasser beziehungsweise Heißschaum. Eine sichere Bestimmung von Tapinoma magnum ist in der Regel nur durch Fachleute möglich. Hinweise auf einen Befall können jedoch breite, mehrspurige Ameisenstraßen und ein zitronig-ranziger Geruch sein, wenn die Tiere gereizt oder zerquetscht werden. Die große Drüsenameise ist zudem komplett schwarz gefärbt und variiert anders als die heimische Schwarze Wegameise in ihrer Größe (zwei bis fünf Millimeter).