GeForce Now geknackt: Nvidias Cloud-Gaming-Rig führt plötzlich Windows aus
GeForce Now soll eigentlich nur unterstützte Spiele aus der Cloud streamen. Moddern ist es nun jedoch gelungen, die dafür vorgesehene Umgebung zu verlassen und auf den vollständigen Windows-Desktop der Instanz zuzugreifen. Dort konnten sie anschließend auch andere Programme und sogar lokale KI-Modelle starten. Vom Spiel zum Windows-Desktop GeForce Now stellt Spielern keine frei verwendbare virtuelle Maschine bereit. Stattdessen startet Nvidia auf seinen Cloud-Systemen eine abgeschottete Sitzung, über die lediglich die unterstützten Spiele und die dafür notwendigen Clients wie Steam erreichbar sein sollen. Der eigentliche Windows-Unterbau bleibt für Nutzer normalerweise verborgen. Den Entwicklern Zortos und dpadGuy gelang es jedoch, aus dieser vorgesehenen Umgebung auszubrechen. Zortos demonstrierte den vollständigen Windows-Desktop bereits Ende Juli. Ausgangspunkt für den Umweg war das über GeForce Now verfügbare Spiel Trove in Verbindung mit Steam. Der Ansatz nutzt Möglichkeiten innerhalb der laufenden Steam-Sitzung, um anstelle einer eigentlich vorgesehenen ausführbaren Datei eine andere Anwendung zu starten. Auf diese Weise landet der Nutzer schließlich nicht wieder im Spiel, sondern auf einem regulären Windows-Desktop mit Taskleiste und Desktop-Symbolen. Eine detaillierte Anleitung soll an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden. Das Ergebnis kommt einem temporären Cloud-PC gleich. Zortos zeigte unter anderem einen angepassten Desktop mit Wallpaper Engine. Mit dem von dpadGuy entwickelten Open-Source-Projekt SalsaNOW existiert darüber hinaus Software, die Anwendungen innerhalb einer GeForce-Now-Sitzung verfügbar machen soll. Auf der Gaming-Cloud läuft sogar Gemma 4 Bei einer funktionierenden Windows-Oberfläche blieb es nicht. Am 7. August demonstrierte Zortos, dass sich auf einer GeForce-Now-Instanz auch LM Studio und damit lokale KI-Modelle ausführen lassen. Als Beispiel kam Googles Gemma 4 31B zum Einsatz. Auf einer Instanz des Ultimate-Tarifs erreichte das Modell laut Zortos rund 41 Token pro Sekunde. Ausgerechnet Nvidias eigentlich ausschließlich zum Spielen vermietete GPU-Ressourcen lassen sich damit zumindest theoretisch auch zur lokalen KI-Inferenz zweckentfremden. Einen vollwertigen und dauerhaft nutzbaren Cloud-PC erhalten Nutzer dadurch allerdings nicht. GeForce Now begrenzt Sitzungen zeitlich und setzt die Umgebung anschließend zurück. Programme und Daten müssen bei einer neuen Sitzung daher erneut bereitgestellt werden. Auch weitere Schutzmechanismen bleiben aktiv und können beispielsweise Downloads oder den Zugriff auf Teile des Betriebssystems einschränken. Nvidia dürfte die Lücke bereits schließen Unklar ist derzeit, wie lange sich der gezeigte Weg überhaupt noch nutzen lässt. Mehrere Nutzer berichten inzwischen, Trove sei in GeForce Now nicht mehr verfügbar oder die Methode funktioniere nicht mehr. Eine offizielle Bestätigung von Nvidia, dass der konkrete Einstieg geschlossen wurde, gibt es bislang nicht. Dass Nvidia einen solchen Zugriff unterbinden will, überrascht nicht. GeForce Now wird vom Hersteller ausdrücklich als Cloud-Gaming-Dienst angeboten, über den Nutzer ihre PC-Spiele auf entfernten GeForce-Systemen ausführen. Einen allgemeinen Windows-Cloud-PC stellt Nvidia damit nicht bereit. Die Nutzungsbedingungen untersagen zudem unter anderem nicht autorisierte Zugriffe auf Bereiche und Software des Dienstes sowie Manipulationen an GeForce Now. Wer den beschriebenen Weg selbst ausprobiert, riskiert entsprechend auch Maßnahmen gegen den eigenen Account. Der Vorfall zeigt zugleich, wie dünn die Trennlinie technisch sein kann: Hinter dem stark eingeschränkten Spiele-Frontend steckt letztlich weiterhin nur ein leistungsfähiges Windows-System.