Gefühl und Sozialkritik: "Sinn und Sinnlichkeit" neu verfilmt
Stand: 13.10.2026 14:00 Uhr
Die letzte Verfilmung von Jane Austens Klassiker ist 30 Jahre her - damals mit Kate Winslet und Emma Thompson in den Hauptrollen. Höchste Zeit also für eine Neuverfilmung der zeitlosen Liebesgeschichte.
von Walli Müller
Wo nur einen Ehemann hernehmen, ohne winkende Mitgift? Vor dieser Herausforderung stehen - Austen-typisch - die Schwestern Elinor und Marianne Dashwood zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod des Vaters sind sie mittellos. Das Haus erbt der Sohn aus erster Ehe, nebst herzloser Gattin. Um nicht auf der Straße zu landen, müssen Mutter und Töchter das Angebot einer entfernten Verwandten annehmen und beziehen ein leer stehendes Cottage.
Vor dem anstehenden Umzug scheint Elinor das Ticket ins ökonomisch gesicherte Eheleben schon gebucht zu haben, als der hübsche Bruder der Schwägerin vor der Tür steht. Das Liebesglück der beiden aber endet jäh, als Edward ohne Antrag von der Bildfläche verschwindet...
Warum Jane Austens Stoffe bis heute funktionieren
"Sense and Sensibility", der Original-Romantitel, heißt ins Deutsche übersetzt eigentlich: "Verstand und Gefühl". Für den Verstand steht die überlegte Elinor, fürs Gefühl ihre stürmische jüngere Schwester Marianne.
Heldinnen, die über Umwege ihr Glück finden; Paare, die sich anfangs nicht ausstehen können, um dann doch der Liebe zu verfallen - damit hat Jane Austen schon vor über 200 Jahren die Blaupause für die klassische Romantikkomödie geliefert. Und sie funktioniert bis heute, weil ihre schlagfertigen Heldinnen so ungeheuer modern sind, meint Kevin Wolf von der Anglistik-Fakultät der Uni Bremen: "Was bei Austen hervorsticht, ist, dass die Frauen einen eigenen Willen haben und auch klare Vorstellungen davon, wie ihr Mann aussehen muss - auch wenn es die gesellschaftlichen Grenzen dazu gibt. Dann ist es auch mal so, dass ein Heiratsantrag abgelehnt wird."
Der Literaturwissenschaftler kann auch erklären, warum Austen der Filmbranche bis heute sogar die interessanteren Love Storys liefert: "Einfach weil Jane Austen noch diese tiefere Schicht der Sozialkritik subtil einfließen lässt. Es ist zwar sehr leicht verdaulich durch die Ironie, durch den Witz, durch die peinlichen Momente - trotzdem zeigt sie auf, dass so eine Ehe am Ende die Probleme zwar löst, aber nicht auslöscht."
Starke Bilder und pointierte Dialoge
Die ökonomisch prekäre Lage der Frauen geht auch in dieser "Sinn und Sinnlichkeit"-Verfilmung zu Herzen; die pointierten Dialoge sind ein Genuss. Darüber hinaus gibt die Britin Esmé Creed-Miles eine ganz wunderbar romantische Marianne ab. Die Haare offen und wild zerzaust, liegt sie im hellen Leinenkleid am liebsten in der Wiese - umschwirrt von Käfern, Vögeln und Schmetterlingen, die die Kamera in einer sehr sinnlichen Bildsprache einfängt - während die Filmmusik den perlenden Regen nachempfindet. Von einem ihrer wilden Naturausflüge bringt sie dann auch den Traummann mit nach Hause: Willoughby heißt der edle Retter, den Marianne bald vergöttert, während sie den stillen Colonel Brandon verkennt.
Es bleibt dabei: Austens Romantikkomödien machen großen Spaß! Auch in der x-ten Film-Variante, wenn Besetzung, Bilder und Musik so stimmig sind wie hier.