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Gegner-Check SVW: Wer als Erster zurückzieht, verliert

Sport

19.08.2026, 11:34 Uhr - Autor: Eric Scherer In der Liga trafen die Waldhöfer gut, kassierten aber auch einiges, die Lautrer punkteten mit Nullnummern. Und nun? Droht ein Spiel Kaninchen gegen Schlange? Kaum. It's Derby time. Da gilt für beide Seiten: Druff unn ewerre. Foto: Imago Images Anspruch und Wirklichkeit: In den vergangenen beiden Jahren verschliss Waldhof Mannheim fünf Trainer. Für den aktuellen Neuen Rui Mota ist der SVW die ungefähr zwölfte Station als Chef oder "Co" in ungefähr ebenso vielen europäischen Ländern. Klingt das, als bahne sich hier eine dauerhafte Beziehung an? Sport-Geschäftsführer Gerhard Zuber jedenfalls ist zuversichtlich. Mota "bringt eine klare Spielidee, eine ausgeprägte Sieger-Mentalität und internationale Erfahrung mit", und auf solche Skills würde er gerne auch länger setzen. Das Saisonziel des Drittligisten ist im Sonderheft von "11 Freunde" so formuliert: "Endlich dauerhaft um die oberen Plätze mitspielen - am liebsten beginnend mit einem Derbysieg." Nun ja, der ist ja schon geglückt: Im Finale um den Badischen Pokal schlug der Waldhof den VfR Mannheim 3:0. Einen weiteren Derbysieg braucht's ja dann wohl nicht mehr, oder? Wie bei vielen Zwei- und Drittligisten musste der Kader im Sommer wieder einmal umgebaut werden. Zehn Spieler gingen, darunter Stammkräfte wie Torjäger Felix Lohkemper, Offensivkraft Arianit Ferati, Defensiv-Stabilisator Janne Sietan, Verteidiger Samuel Abifade und Abwehrkante Niklas Hoffmann. Kohle gab's für keinen, drum konnte auch nicht in Ablösen investiert werden, die frischen Kräfte kamen für lau und vorwiegend aus unteren Klassen. Dazu mussten einige atmosphärische Verunreinigungen beseitigt werden. Ein Spielerberater namens Thorsten Weck hatte zu viel Einfluss auf Personalentscheidungen genommen - kennen wir das nicht von irgendwoher? Jetzt hat er Hausverbot. Christian Gerards, Waldhof-Reporter von "Rheinpfalz" und "Kicker", glaubt trotz der Aderlässe, dass der Tabellenneunte sich gegenüber der Vorsaison heuer verbessern kann. Zum Saisonauftakt feierten die Mannheimer einen 2:1-Sieg über Zweitliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf. Dem folgte ein 3:3 bei Hansa Rostock, bei dem sie eine 2:0- und eine 3:1-Führung verspielten. Der Traumstart wäre also drin gewesen, aber er wurde aus der Hand gegeben. Die Neuen: Zwei haben bereits von sich reden gemacht. Rechtsverteidiger Jid Okeke (21), ein St. Pauli-Gewächs, das Zuber aus dem britischen Stockport zurückholte, legte bereits zwei Treffer auf. Und beide Male servierte er das Leder Mittelstürmer Julian Ulbricht (27), der von Drittliga-Aufsteiger Meppen nach Mannheim wechselte. Auch die junge Abwehrkraft Moritz Polte (18), vom Regionalligisten BFC Dynamo gekommen, hat direkt den Sprung in die Startelf geschafft. Talent Darnell Keumo (18), vom VfL Bochum ausgeliehen, gab bei Hansa sein Startelfdebüt als Linksverteidiger. Die namhafteren Zugänge wie der aus Dresden verpflichtete Innenverteidiger Claudio Kammerknecht (27) und der ehemalige Bielefelder Sturmpfeil Noah Sarenren Bazee (29) kamen bislang nur von der Bank ins Spiel. Viel verspricht sich Mota von seinem portugiesischen Landsmann Gonçalo Gregório (31), doch bislang muss der Stürmer hinter Ulbricht anstehen, in Rostock mischte Gregório gerade mal 20 Minuten mit. Auf ebenso viele Einsatzminuten kommt nach zwei Runden Joey Müller (25), der in Bielefeld großwurde und zuletzt in den Niederlanden kickte. Er soll perspektivisch das zentrale Mittelfeld stabilisieren. Ebenfalls nur als Einwechselspieler präsentierte sich bislang Leroy Mickels (31), ein gebürtiger Gütersloher, der in den vergangenen Jahren durch den Osten Europas tingelte. Nicht zu vergessen: Mit Kian Ramadani (19) krallten sich die Waldhöfer auch ein Stürmertalent aus dem NLZ des 1. FC Kaiserslautern. Bislang durfte er nur mal für eine halbe Stunde im Badenpokal gegen Elztal (9:0) ran. Die Formation: Motas bevorzugte Grundordnung ist ein 4-1-2-3, wobei sich Sechser Maximilian Thalhammer (29) im Spielaufbau meist zwischen die Innenverteidiger fallen lässt. Die hießen in den ersten beiden Liga-Partien Polte und Lukas Klünter (30), der auch die Kapitänsbinde trägt. Die Achterpositionen besetzen Julian Rieckmann (26), den man noch aus den FCK-Spielen gegen Magdeburg kennt, sowie der Luxemburger Vincent Thill (26). Rieckmann lässt sich eher fallen, während Thill sich öfter nach vorne orientiert. Okeke verteidigt rechts, links stünde neben Keumo auch Djayson Mendes (22) zur Disposition. Vorne wurde Ulbricht in den ersten beiden Partien rechts von Kushtrim Asallari (23) und links von Lovis Bierschenk (21) flankiert. Den Kasten hütete in Rostock Luca Unbehaun (25), der kurzfristig für den erkrankten Stammkeeper Thijmen Nijhuis (28) einspringen musste. So, das wär's. Oder vermisst jemand noch einen bestimmten Namen? Ach so, na klar: Terrence Boyd (35), der einstige Publikumsliebling vom 1. FC Kaiserslautern, kickt auch noch auf dem Waldhof. Gegen Düsseldorf kam der Ex-Lautrer als Joker, in Rostock hatte der Reservist Ruh'. Zahlenspiele: "Ich möchte, dass mein Team viel Ballbesitz hat, dominant auftritt, den Ball zirkulieren lässt und immer aufs nächste Tor geht", beschreibt Rui Mota seine Vision von Fußball. Na ja, gegen Düsseldorf genügten den Waldhöfern nur 43 Prozent Ballbesitz zum Sieg, in Rostock punkteten sie mit lediglich 39 Prozent. Und mit 78,7 Prozent Passpräzision weisen sie bislang den drittschlechtesten Wert aller Drittligisten auf. Das klingt jetzt nicht gerade nach "Ballbesitzfußball". Aber die Saison hat ja gerade erst begonnen, Mota integriert seine Ideen womöglich erst nach und nach. Und die Ausbeute bislang ist ja durchaus ordentlich. Vier Punkte und 5:4 Tore nach zwei Spielen, während beim FCK eine Liga höher zwei Nullnummern stehen. Was gegen Rostock auffiel: Die "Buwe" kassierten alle drei Gegentreffer nach ruhenden Bällen. Zwei nach Einwürfen, einen nach einer Ecke. Für das 2:1 gegen Düsseldorf weist "Sofascore" ein xGoals-Ergebnis von 1,68 : 2,13 zugunsten der Fortuna aus, da wäre also noch das eine oder andere Gegentor mehr drin gewesen. Und rustikal mögen's die Waldhöfer ja schon seit den Zeiten der Kohlers, Dickgießers und Schlindweins. Neun Gelbe Karten nach zwei Spielen sind nicht nur Liga-Spitze, sondern deuten darauf hin, dass sie sich in diesem Punkt auch weiterhin treu bleiben. Obwohl: In einem Derby gegen Lautern würden sie auch zur Sache gehen, wenn sie sich bislang nur als Lämmer gebärdet hätten. Fazit: Bei den einen hat's vorne schon ordentlich geklingelt, bei den anderen noch gar nicht. Dafür hielten die Lautrer auch ihren eigenen Kasten sauber, im Gegensatz zu den Mannheimern. Also darf man jetzt erwarten, dass die Pfälzer ihr Heil im Mauern und Kontern suchen, während die Kurpfälzer voll auf Attacke setzen? Ganz und gar nicht. Das ist ein Derby, das ist Pokal, da sind die bisherigen Liga-Auftritte im Grunde Makulatur. Und die taktische Ausrichtung sollte sich eher an den "Schisshasen"-Duellen orientieren, die man aus diversen Actionfilmen kennt: Zwei Autos auf Konfrontationskurs rasen mit Vollgas aufeinander zu, und beide Fahrer spekulieren darauf, dass der jeweils andere als Erster die Nerven verliert, seinen Wagen aus der Spur reißt und den Weg freimacht ... Das Team von Torsten Lieberknecht jedenfalls hatte bislang seine besten Phasen, wenn es sich aggressiv nach vorne schob und auch im Gegenpressing konzentriert und konsequent blieb. Nach tiefen Ballgewinnen offenbarte es zuletzt gegen Karlsruhe deutlich sichtbare Schwächen beim schnellen Umschalten. Drum heißt es, das Erste so lange wie möglich durchzuhalten und das Zweite schleunigst zu verbessern, denn 90 Minuten Angriffspressing hält keine Mannschaft durch. Auch bei den Gastgebern ist nicht zu erwarten, dass sie fortwährend auf Dominanz durch Ballkontrolle setzen. Den von Trainer Mota angestrebten "Ballbesitzfußball" praktizieren sie noch nicht wirklich. Der Ausfall von Naatan Skyttä trifft die Pfälzer hart, eröffnet aber auch die Möglichkeit, ihn gegebenenfalls durch einen zweiten echten Stürmer zu ersetzen. Ein Partner an der Seite könnte vor allem Mergim Berisha guttun, als alleinige Keilspitze funktioniert er bislang nicht so recht. Vielleicht einer wie Erencan Yardimci. Die Leihgabe aus Hoffenheim steht für Laufintensität, Aggressivität und scharfes Pressing. Also das, was nötig ist, um in einem Derby gegen Waldhof zu bestehen. Und mit Yardimci im Sturm könnte es zudem eine Überlegung wert sein, auf der rechten Außenbahn wieder Paul Joly von Anfang an aufzubieten, der besser zu flanken vermag als Simon Asta. Zur Forumsdiskussion: 228 Kommentare Speichern & Empfehlen: Weitere Links zum Thema:

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