Geldanlage: Diese drei Welt-ETFs schneiden besser ab als der MSCI World
Das Handelsblatt stellt drei Welt-ETFs vor, die bei Rendite und Volatilität zuletzt das größte Produkt für den bekannten Aktienindex abgehängt haben. Darunter sind auch zwei Dividenden-ETFs. ETF-Renditen, Weltkugel: Welche Anlagen bieten gute Renditen mit geringer Wertschwankung? Foto: Getty Images [M] Frankfurt. Anlegerinnen und Anleger stehen an der Börse zumeist vor einem Grundproblem: Je höher die erhoffte Rendite ist, desto stärker schwanken tendenziell die Investments im Wert. Doch nicht immer gehen größere Ertragschancen auch mit ausgeprägteren Kursausschlägen einher. Das Handelsblatt hat mit Daten der Plattform ExtraETF die Rendite und die Volatilität von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) für globale Aktien über einen Zeitraum von drei und fünf Jahren ausgewertet. Das Ergebnis: Drei Aktien-ETFs mit globalem Anlageschwerpunkt haben in beiden Perioden mehr Rendite erzielt als der größte ETF für den Industrieländerindex MSCI World – und sind dabei aber weniger stark im Wert geschwankt. Die einzelnen Ansätze unterscheiden sich teils deutlich, wie ein Blick in die Portfolios zeigt. Für die Auswertung wurden die Rendite in Euro einschließlich Ausschüttungen nach Kosten und die Volatilität von bei ExtraETF geführten Indexfonds untersucht, die in Aktien weltweit investieren. Nicht enthalten sind ETFs für einzelne Sektoren und währungsabgesicherte Produkte. Verglichen wurden die Produkte jeweils mit dem größten ETF für globale Aktien, dem „iShares Core MSCI World“ des US-Fondsanbieters Blackrock. Die Volatilität wird mit der Standardabweichung gemessen und gibt an, wie stark der Kurs eines ETF um seinen Durchschnitt schwankt. Je höher hier der Wert ist, desto größer sind die Kursausschläge. Die Volatilität gibt so einen Hinweis auf das zurückliegende Kursrisiko. » Lesen Sie auch: Die häufigsten Fehler beim Sparen mit ETFs – und wie Sie sie vermeiden Jan Tachtler, Leiter Fonds- und Managerselektion beim Family-Office HQ Trust, sagt dazu: „Die Volatilität ist ein sinnvolles Maß, um festzustellen, welche Fonds und ETFs in der Vergangenheit tendenziell risikoreicher waren.“ Dafür sollte man die Produkte seiner Meinung nach aber im Vergleich zu einem Standardindex und über möglichst lange Perioden betrachten. Der Drei-Jahres-Zeitraum in der Auswertung deckt eine Periode ab, in der Aktien weltweit insgesamt deutlich gestiegen sind, unterbrochen von den Kursverlusten Anfang 2025 und jenen nach Beginn des Irankriegs in diesem Jahr. Im Fünf-Jahres-Zeitraum findet sich außerdem das schwache Börsenjahr 2022, in dem etwa der MSCI World in Euro gerechnet knapp 13 Prozent an Wert verloren hatte. Für die Analyse wurden diese Zeiträume gewählt, um eine hinreichend große Vergleichsgruppe zu erhalten. Denn viele Welt-Aktien-ETFs sind jünger als zehn Jahre. ETF 1: VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders Der größte ETF, der das MSCI-World-Produkt über drei und fünf Jahre bei Ertrag und Volatilität schlägt, ist der „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders‘“. Über fünf Jahre kam der mehr als acht Milliarden Euro große Dividenden-ETF des US-Vermögensverwalters VanEck bis Anfang Juli auf eine Rendite von 131 Prozent. Zum Vergleich: Beim iShares-Welt-ETF waren es 79 Prozent. Mit dem VanEck-ETF setzen Anleger auf Aktien von Unternehmen weltweit, die besonders hohe Dividenden auszahlen. Der von dem ETF nachgebildete Index filtert dafür weltweit Titel mit hoher Marktkapitalisierung anhand folgender Kriterien: Die Dividende je Aktie war in den vergangenen zwölf Monaten positiv und mindestens gleich groß wie im selben Zeitraum vor fünf Jahren. Die Dividende je Aktie war in den vergangenen zwölf Monaten kleiner als drei Viertel des für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinns je Aktie. Das Unternehmen erfüllt eine Auswahl an Nachhaltigkeitskriterien. Reits, also börsennotierte Immobiliengesellschaften, sind ausgeschlossen. Von Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, werden jene mit der höchsten Dividendenrendite ausgewählt und basierend auf der Ausschüttungssumme so gewichtet, dass der Index am Ende 100 Aktien enthält. Einzelne Aktien dürfen dabei nicht mehr als fünf Prozent des Portfolios ausmachen, einzelne Sektoren nicht mehr als 40 Prozent. Das Portfolio des VanEck-ETFs unterscheidet sich somit deutlich von der Zusammensetzung des MSCI World. US-Aktien kommen im VanEck-ETF derzeit lediglich auf einen Anteil von etwa 15 Prozent. Im MSCI World dominieren amerikanische Werte indes mit rund 72 Prozent. Geldanlage Zehn Dinge, die ich als Anfänger über ETFs gelernt habe Dass sich dieser Indexfonds in den vergangenen Jahren trotzdem besser als der MSCI World entwickelt hat, dürfte unter anderem am hohen Anteil von Finanztiteln liegen. Aktien der Branche haben in den vergangenen Jahren den breiten Aktienmarkt geschlagen. Im VanEck-ETF bilden Finanzaktien mit einem Anteil von 42 Prozent den mit Abstand größten Sektor. Dividendenaktien gelten zudem als vergleichsweise wenig volatil. Dahinter steht die Annahme, dass Unternehmen mit hohen Ausschüttungen tendenziell ein robusteres Geschäftsmodell vorweisen. Mit einer Kostenquote von 0,38 Prozent ist der VanEck-ETF allerdings teurer als viele Indexprodukte für den breiten Markt. ETF 2: Invesco RAFI All-World Fundamental Value Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der ETF „Invesco RAFI All-World Fundamental Value“. Aber auch dieser börsengehandelte Indexfonds des US-Fondsanbieters Invesco erzielte über drei und fünf Jahre bei niedrigerer Volatilität jeweils mehr Rendite als der MSCI-World-ETF. Während der bekannte Weltindex-ETF Aktien anhand ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, werden die Portfolioanteile im Invesco-Produkt basierend auf vier anderen Kennzahlen bestimmt: Umsatz, Cashflow, Dividenden und Buchwert. Der Fondsanbieter spricht von „fundamentalen Messwerten der wirtschaftlichen Größe von Unternehmen“. In der Praxis reduziert der Ansatz im Vergleich zum MSCI World den Anteil großer Tech-Konzerne. Die größten Einzelpositionen – Apple, Alphabet und Samsung – machen jeweils etwa zwei Prozent des Portfolios aus. Der Tech-Sektor kommt insgesamt auf einen Anteil von etwa 17 Prozent. Beim MSCI-World-ETF ist es fast das Doppelte. 2022 verlor der Invesco-Fonds mit diesem Ansatz etwa 2,7 Prozent an Wert – damit deutlich weniger als der Industrieländerindex. Mit Gebühren in Höhe von 0,39 Prozent ist aber auch der Invesco-ETF vergleichsweise teuer. Zudem ist der ETF mit einem Volumen von etwas mehr als 200 Millionen Euro eher klein. ETF 3: First Trust Global Equity Income Noch kleiner ist der „Global Equity Income“-ETF des US-Nischenanbieters First Trust. Der Fonds, der in zwei jeweils etwa 50 Millionen Euro großen Varianten angeboten wird, hat den MSCI-World-ETF bei Rendite und Volatilität ebenfalls geschlagen. Genauso wie das VanEck-Produkt setzt der ETF auf Aktien mit hohen Dividendenzahlungen. Der Auswahlprozess des zugrunde liegenden Index unterscheidet sich jedoch deutlich. So werden etwa Unternehmen mit einer besonders hohen Verschuldung ausgeschlossen. Nach Angaben von ExtraETF machen Finanztitel derzeit fast die Hälfte des Portfolios aus, der US-Anteil ist gering. Im Vergleich zum VanEck-ETF weichen die größten Einzelpositionen ab: Während bei VanEck die Aktien von HSBC, Verizon und Nestlé den höchsten Anteil haben, sind es bei First Trust BBVA, Unicredit und Novo Nordisk. Anleger sollten jedoch beachten, dass der ETF klein ist. Experten empfehlen häufig ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro – unter anderem um das Risiko zu senken, dass der Fonds aus Volumengründen abgewickelt wird. Zudem ist das Produkt mit einer Kostenquote von derzeit 0,6 Prozent teuer. HQ-Trust-Experte Tachtler mahnt Anleger indes, kurzfristige Volatilität mit Vorsicht zu interpretieren. In den vergangenen drei Jahren habe es am gesamten Aktienmarkt vergleichsweise wenig Volatilität gegeben, sagt er. Ob sich solche Konzepte längerfristig bewähren, bleibt abzuwarten. Die drei vorgestellten ETFs sind gerade teils gut zehn Jahre alt. Über zehn Jahre haben sie es bisher nicht geschafft, den Vergleichs-ETF in Volatilität und Rendite zu schlagen. Für Anleger, denen niedrige Schwankungen am Aktienmarkt besonders wichtig sind, bieten manche Anbieter zudem sogenannte „Minimum Volatility“-ETFs an. Allerdings kosten solche besonders geringen Wertschwankungen Ertrag: Diese Produkte kamen in der Auswertung über drei und fünf Jahre auf deutlich niedrigere Renditen als der genannte MSCI-World-ETF. Verwandte Themen ETFAppleHSBCNestléSamsung Mehr: Dieses ETF-Portfolio schüttet jeden Monat Geld aus Erstpublikation: 18.07.2026, 09:00 Uhr. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Legen Sie das Handelsblatt als Ihre wichtige Nachrichtenquelle fest. 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