Geldanlage: Wie Anleger jetzt von Agraraktien profitieren können
Köln. Der weltweite Nahrungsmittelbedarf steigt: Bis 2050 muss die Landwirtschaft knapp 50 Prozent mehr produzieren als 2012, rechnet die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen vor. Gleichzeitig setzt der Klimawandel die Branche mit Hitze und Starkregen unter Druck. Im Zentrum dieser Trends steht die Agrarwirtschaft: von Maschinenbauern über Saatgut und Pflanzenschutz bis hin zu Düngemitteln und Lebensmittelherstellern. Für Anleger ist der Sektor nicht nur interessant, weil er strukturell von der wachsenden Weltbevölkerung profitiert. Er taugt auch als Diversifikationsbaustein. Stephan Werner, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter DWS, erklärt: „Das Agraranlageuniversum umfasst vorrangig die Sektoren Grundstoffe, Konsum und Industriewerte und nahezu keine IT-Unternehmen und kann zu einer Verbesserung der Risikostreuung im Portfolio führen.“ Zudem ist der Sektor durch seine stetige Nachfrage nur wenig abhängig vom Konjunkturzyklus. Dafür treiben die Branche andere externe Faktoren: Geopolitische Konflikte belasten die exportorientierten Umsätze, Dürren und Überschwemmungen drücken die Ernteerträge und treiben damit die Preise. Das wirkt sich unterschiedlich auf die Agrarindustrie aus: Maschinen- und Saatguthersteller verdienen an hohen Lebensmittelpreisen, für Nahrungsmittel- und Fleischproduzenten dagegen steigen die Kosten. „Inwieweit solche Kostensteigerungen weitergegeben werden können, hängt unter anderem von Wettbewerb, Nachfrage, Regulierung und der Preissensibilität der Verbraucher ab“, erklärt Werner. In der ersten Jahreshälfte liefen die Aktien aus der Branche gut: Der S&P Commodity Producers Agribusiness Index, der die Wertentwicklung der größten börsennotierten Unternehmen aus dem Agrarsektor abbildet, schnitt in US-Dollar gerechnet mit zwölf Prozent Plus etwas besser ab als der MSCI World mit einem Plus von acht Prozent. Langfristig sieht es schlechter aus: Über fünf und zehn Jahre brachte der Branchenindex nur drei beziehungsweise knapp sechs Prozent pro Jahr. Doch für Simon Frank, Finanzberater beim Vermögensverwalter Pictet Asset Management, liegt gerade darin eine Einstiegschance. „Trotz solider Fundamentaldaten, defensiver Geschäftsmodelle und relativ geringer Volatilität haben viele Aktien entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette in den vergangenen Jahren deutlich an Bewertung verloren“, sagt Frank. Er ist überzeugt: Die zukünftige Kursentwicklung wird daher maßgeblich von mehreren strukturellen Trends bestimmt. Besonders vielversprechend findet der Pictet-Experte derzeit den Wandel hin zu gesünderer Ernährung. „Getrieben wird dieser Trend durch ein wachsendes Gesundheits- und Wellnessbewusstsein, höhere Lebenserwartungen, alternde Bevölkerungen, neue Ernährungsempfehlungen mit höherem Proteingehalt sowie steigende Gesundheitskosten“, sagt Frank. So kommt es, dass im „Pictet Nutrition Fonds“ (ISIN: LU0366534344) der französische Lebensmittelkonzern Danone (FR0000120644) zu den größten Einzeltiteln gehört. Das Unternehmen ist mit Marken wie Activia, Alpro und Evian für Produkte bekannt, die als eher gesund gelten. Nedialko Nedialkov, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Allianz Global Investors, setzt auf Technologie gegen die Folgen des Klimawandels, also Hitze, Dürren, Überschwemmungen und unregelmäßige Niederschläge. „Eine der größten Chancen liegt deshalb in Präzisionslandwirtschaft und Automatisierung“, sagt er. Damit meint er etwa kameragestützte Einzelpflanzenbehandlung oder Datenanalyse zur besseren Bewirtschaftung. Ein großer Player in diesem Feld ist Deere & Co (US2441991054). Das Unternehmen baut nicht nur Landwirtschaftsmaschinen, sondern betreibt auch eine Plattform zur Präzisionslandwirtschaft. Attraktiv findet Nedialkov auch Saatgutunternehmen, die Pflanzen widerstandsfähiger machen. Ein Beispiel ist hier der US-Saatguthersteller Corteva (US22052L1044), der etwa besonders robuste Maissorten vertreibt. Wer sich nicht auf einzelne Titel festlegen will, kann auch über einen Fonds in die Agrarwirtschaft investieren. Der „iShares Agribusiness ETF“ (IE00B6R52143) etwa vereint die größten Unternehmen aus der Landwirtschaft. Zu den Toppositionen gehören Corteva und der Agrarhändler Archer Daniels Midland. Eine Alternative ist der „Global X AgTech & Food Innovation ETF“ (IE000EBFYWX3), der sich auf Innovationen für die Landwirtschaft fokussiert. Hier ist Präzisionsmaschinenbauer Deere & Co die größte Einzelposition.