DAX +0,19 % 26.141,52 Pkt 17:12:13 MDAX +0,80 % 32.077,24 Pkt 17:12:17 Euro Stoxx 50 +0,61 % 6.461,31 Pkt 17:12:15 Dow Jones -0,59 % 53.150,04 Pkt 17:27:17 S&P 500 -0,41 % 7.676,19 Pkt 17:27:13 Nasdaq -0,62 % 26.166,57 Pkt 17:27:12 Nikkei -0,30 % 66.016,36 Pkt 08:45:03 Gold +3,06 % 4.654,40 USD 17:17:07 Silber +1,88 % 69,31 USD 17:17:14 Brent +0,27 % 94,03 USD 17:17:10 WTI -1,30 % 86,69 USD 17:17:16 Bitcoin +6,49 % 77.771,38 USD 17:27:15 EUR/USD +0,03 % 1,16780 USD 17:26:56 EUR/GBP -0,20 % 0,85660 GBP 17:27:17 EUR/CHF +0,53 % 0,93610 CHF 17:27:17 EUR/JPY +0,47 % 185,630 JPY 17:27:17

Geldwäsche in Milliardenhöhe: Anklage gegen „Krypto-Queen“ in Bielefeld

Technologie

Bielefeld. Sie gilt als Erfinderin und Kopf der Kryptowährung „OneCoin“ – und somit als Hauptverantwortliche in einem der größten Betrugskrimis der jüngsten Vergangenheit: Ruja Ignatova, auch bekannt als „Krypto-Queen“, ist laut FBI die meistgesuchte Frau der Welt. Mit der von ihr erdachten Kryptowährung soll sie Millionen von Kleinanlegern um ihr Erspartes gebracht haben. Drei Millionen Anleger, darunter 60.000 Deutsche, fallen dem „OneCoin“-Schneeballsystem zum Opfer. Als 2017 der Betrug ans Licht kommt, flieht die „Krypto-Queen“. Der geschätzte Schaden liegt bei bis zu vier Milliarden Euro. Trotz internationaler Fahndung bleibt Ignatova unauffindbar. Ihr Aufenthaltsort? Darüber wird spekuliert. Seit unserer „OstwestFälle“-Folge zu dem Fall, die im Februar 2025 erschien, hat sich jedoch einiges getan. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld sichert 10,3 Millionen Euro aus Ignatovas Vermögen und erhebt Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges sowie Geldwäsche. Im Update spricht OstwestFälle-Moderatorin Birgitt Gottwald über die neuesten Entwicklungen im Fall „Krypto-Queen“. Mehr Ostwestfälle-Podcasts: True Crime in OWL „Größter Betrug der Geschichte“ Ruja Ignatova, die mit zehn Jahren aus Bulgarien nach Deutschland kam und im Schwarzwald aufwuchs, ist promovierte Juristin und soll treibende Kraft des Krypto-Betrugs sein. Seit 2014 bewirbt sie die von ihr erfundene Kryptowährung „OneCoin“ als Alternative zu Bitcoin – eine zweite Chance zur Investition für diejenigen, die nicht rechtzeitig auf den Bitcoin-Hype aufgesprungen seien. Das Problem: „OneCoin“ stellt nie eine echte Kryptowährung dar, deren Wert sich anhand von Marktmechanismen errechnet. Der stets steigende Wert der neuen Währung wird nach Ansicht der Ermittler von den Verantwortlichen schlicht und einfach erfunden. Neue Investoren werden mit einem groß angelegten Schneeballsystem gewonnen. Viele Kleinanleger geben ihr Geld in der Hoffnung auf riesige Renditen. Im Januar 2017 schließt die „OneCoin“-Börse plötzlich ohne jegliche Vorwarnung. Während einige wenige, die in der Netzwerkpyramide ganz oben stehen, Millionengewinne erzielen, verlieren die meisten Anleger alles. Weltweit werden rund dreieinhalb Millionen Anleger um ihr Geld gebracht. Ein Krypto-Insider spricht vom größten Betrug der Geschichte. Ruja Ignatova wird zur Fahndung ausgeschrieben und ist seither untergetaucht. Im Oktober 2017 steigt die heute 45-Jährige in Sofia in ein Flugzeug. Das Ziel: Athen. Seither verliert sich ihre Spur. „Krypto-Queen“: Fahnder suchen Millionen-Betrügerin Dokument über Ermordung gilt als Fälschung Trotz intensiver Bemühungen internationaler Ermittlergruppen und einer deutschen Öffentlichkeitsfahndung samt Auftritt bei „Aktenzeichen XY“ bleibt die mutmaßliche Millionenbetrügerin bis heute spurlos verschwunden. Lange Zeit geht die Öffentlichkeit davon aus, dass die weltweit gesuchte „Krypto-Queen“ ermordet wurde. Grundlage für die Mordthese ist ein bulgarisches Polizeidokument, in dem ein Zeuge berichtet, dass Ignatova 2018 auf Befehl eines bulgarischen Drogenbarons auf einer Jacht in Griechenland ermordet worden sein soll. Ermittler bewerten das Dokument mittlerweile jedoch als Fälschung, um den Tod der Betrügerin vorzutäuschen. Der angebliche Auftragskiller, der den Mord damals ausgeführt haben soll, sitzt zum Tatzeitpunkt nachweislich in den Niederlanden im Gefängnis. „Wir gehen davon aus oder arbeiten mit der Hypothese, dass Ruja Ignatova noch am Leben ist“, sagt LKA-Sprecherin Daniela Dässel in der WDR-Doku „Die Krypto-Queen“. Als möglicher Aufenthaltsort wurde zwar immer mal wieder Südafrika genannt – konkrete Beweise gibt es dafür jedoch nicht. Milliardenbetrug: Darum ermitteln Bielefelder Juristen gegen Krypto-Queen Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall „Krypto-Queen“ US-Ermittler gehen von einem Gesamtverlust von drei bis vier Milliarden Dollar aus. Allein in Deutschland sollen 60.000 Betroffene leben, knapp 18.000 davon hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld identifiziert. Sie allein zahlten bei einem Finanzdienstleister in Greven rund 57 Millionen Euro ein. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall, seit weitere Beteiligte aufgrund auffälliger Geldtransfers im Kreis Steinfurt der Geldwäsche verdächtigt wurden. Das inzwischen vom Landgericht Münster wegen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilte Ehepaar aus Greven soll das Geld auf Offshore-Firmen verteilt und Konten in aller Welt versteckt haben. Unterstützt haben soll sie ein Münchner Anwalt, der wegen leichtfertiger Geldwäsche zu zwei Jahren und neun Monaten Haftstrafe verurteilt wird. Die Verurteilten gingen in Revision. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs steht noch aus. Urteile gegen Gehilfen: Haftstrafen in Prozess um Krypto-Betrug in Münster 20 Millionen Euro aus Geldwäsche-Geschäften eingezogen Der ermittelnde Oberstaatsanwalt, Carsten Nowak, und sein Team können derweil die Geldflüsse von der Kreissparkasse Steinfurt, die damals die Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts auslöste, zum Teil nachvollziehen. 20 Millionen Euro gingen demnach mithilfe des erwähnten Anwalts an Treuhandfirmen, mit denen zwei Nobelwohnungen in London für Ignatova erworben worden sein sollen. Mitte 2025 erreicht die Bielefelder Staatsanwaltschaft ein Etappen-Ziel: Das Landgericht will diese 20 Millionen Euro aus Geldwäsche-Geschäften einziehen und deutschen „OneCoin“-Opfern als Entschädigung zur Verfügung stellen. Eine Beschwerde des zum anwaltlichen Vertreter der untergetauchten Ignatova bestellten Rechtsanwalts Peter Rostek gegen diese Anordnung wies das Oberlandesgericht in Hamm zurück. Der Beschluss zur Einziehung ist somit jetzt rechtskräftig. Nach dem Verkauf der Luxus-Wohnungen lagern nach Abzug von Ausständen noch 10,3 Millionen Euro auf einem Konto der Royal Bank of Scotland. Ob und wann dieses Geld bei den Geschädigten ankommt, ist weiterhin fraglich. Nowak zeigt sich nicht gerade optimistisch. Es bleibe noch ein langer Weg – schließlich müssen zunächst alle Formalitäten mit den britischen Behörden geklärt werden. Wenn es dann in Deutschland sei, werden die Betroffenen durch eine Mitteilung im Bundesanzeiger informiert. „Dann erhält derjenige ein Teil des Geldes, der es auch beantragt hat“, erklärt er. „Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst – bis die Summe weg ist.“ Noch sei es dafür aber zu früh. „Krypto-Queen“: Bielefelder Staatsanwaltschaft darf 20 Millionen Euro einziehen Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs Wo sich Ruja Ignatova derzeit aufhält, ist den Ermittlern weiterhin unbekannt. Und doch hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges in mehr als 17.000 Fällen sowie Geldwäsche gegen die Erfinderin der Kryptowährung „OneCoin“ erhoben, teilt der Oberstaatsanwalt mit. Doch wieso eine Anklage, wenn der Fall in ihrer Abwesenheit überhaupt nicht verhandelt werden darf? Damit wollen sie einer Verjährung entgegenwirken, erklärt Carsten Nowak. Die Taten, um die es geht, stammen aus der Zeit von Ende 2015 bis August 2016. Spätestens im August 2026 wären diese alle verjährt, eine Strafverfolgung wäre somit nicht mehr möglich. In „OstwestFälle“, dem True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen, spricht Moderatorin Birgitt Gottwald mit NW-Redakteur Jens Reichenbach über diesen spannenden Wirtschaftsbetrug. In der Episode geht es natürlich um die neuesten Entwicklungen rund um die „Krypto-Queen“, aber auch um die Frage, warum ausgerechnet die Staatsanwaltschaft Bielefeld für die Ermittlungen in dem internationalen Fall verantwortlich ist. Die Folge wurde erstmals am 27. Februar 2025 veröffentlicht. Artikel zum Podcast: Krypto-Queen jetzt in Südafrika? Bielefelder Ermittler auf neuen Spuren INFORMATION Sommerpause Der „OstwestFälle“-Podcast befindet sich aktuell in einer kleinen Sommerpause. In dieser Zeit stellen wir Ihnen aber ausgewählte Archiv-Folgen aus den vorherigen Staffeln vor, zu denen es inzwischen neue Entwicklungen gibt. Ab 3. September, dem ersten Donnerstag nach den NRW-Schulferien, starten wir dann mit brandneuen Folgen in die fünfte Staffel. OstwestFälle-Moderatorin Brigitt Gottwald kommt mit vielen spannenden Fällen und Gästen zurück.

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