DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,18 % 64.015,54 Pkt 03:09:00 Gold +0,55 % 4.060,50 USD 03:13:55 Silber +0,00 % 54,11 USD 03:13:37 Brent -3,86 % 111,34 USD 03:13:55 WTI -0,36 % 101,39 USD 03:13:58 Bitcoin +0,10 % 80.878,25 USD 03:23:58 EUR/USD -0,44 % 1,11250 USD 03:23:44 EUR/GBP -0,13 % 0,83620 GBP 03:24:02 EUR/CHF -0,18 % 0,92310 CHF 03:24:03 EUR/JPY -0,19 % 175,683 JPY 03:24:04

Geldzahlung an geringverdienende Mütter lässt Kinder langsamer altern

Wissenschaft

Epigenetik und Entwicklungspsychologie

Wie eine Art Kindergeld manche Kinder langsamer altern lässt

Stand: 12.09.2026 05:00 Uhr

Alt werden und lange gesund bleiben: Die Chancen, dass dieses hehre Ziel erreicht wird, stehen bei Menschen mit einem guten sozioökonomischen Status – also letztendlich mit einem guten Einkommen – besonders gut, mal rein wissenschaftlich betrachtet. Das könnte auch für den Nachwuchs gelten, zu diesen Erkenntnissen kommen jetzt Forschende aus Berlin. Sie haben untersucht, was passiert, wenn einkommensschwache Mütter plötzlich eine Geldspritze bekommen. Und unterstreichen ganz nebenbei, wie wichtig das Kindergeld ist.

von Florian Zinner

Eine Sache, die man vielleicht schon früher ganz gern gewusst hätte: Das mit dem Altwerden geht schon sehr früh im Leben los, womöglich bereits im Mutterleib. Zumindest wenn man das biologische Alter auf Zellebene als Maßstab nimmt. Wie schnell ein Kind biologisch altert, kann dabei von verschiedenen Faktoren abhängen. 2023 zum Beispiel hat ein internationales Forschungsteam in einer Studie Zusammenhänge mit dem Geburtsgewicht festgestellt.

Babys altern unterschiedlich schnell

Die Autorinnen und Autoren schreiben darin:

"Unsere Analyse liefert erste Belege für eine beschleunigte epigenetische Alterung, die zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr einsetzt und mit einem niedrigen Geburtsgewicht in Zusammenhang steht."

Etwas mehr Startgewicht hält also offenbar länger jung. Allerdings können nicht nur körperliche Eigenschaften mit der Alterung in Zusammenhang stehen, sondern auch Einflüsse von außen. Forschende vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin haben jetzt gezeigt, dass eine Finanzspritze an einkommensschwache Mütter, die biologische Alterung ihrer Kinder etwas verlangsamen kann.

🧬 Was ist Epigenetik und das epigenetische Alter?

Epigenetik beschreibt Veränderungen am Erbgut und seinen Proteinen, die Gene an- oder abschalten können, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Mit einer "epigenetischen Uhr" und entsprechenden Vergleichswerten kann festgestellt werden, wie schnell ein Mensch aus biologischer Sicht altert.

Eine Art Kindergeld, das auch wirklich bei den Kindern landet

In der Untersuchung haben 500 zufällige Mütter aus den USA 333 Dollar im Monat erhalten, weitere 500 nur zwanzig Dollar. Die Ergebnisse zeigen: Mehr Geld führt dazu, dass die biologische Uhr der Kinder langsamer tickt, erklärt Laurel Raffington, Entwicklungspsychologin und Leiterin der Forschungsgruppe Biosozial am MPIB: "Die Summe ist ähnlich hoch, wie das, was in vielen Ländern auch als Kindergeld bezahlt wird. In den USA gibt es kein flächendeckendes Kindergeld."

Die Studie lässt sich also ganz nebenbei durchaus als Rüttler verstehen, in den Vereinigten Staaten zumindest mal über sowas wie ein flächendeckendes Kindergeld vorsichtig nachzudenken. Vieles von der Geldspritze landet Raffington zufolge auch direkt bei den Kindern: "Die Mütter mit mehr Geld kaufen mehr Spielsachen, die spielen ein bisschen mehr mit ihren Kindern, lesen ihnen ein bisschen mehr vor."

Es gibt viele Menschen, die in einer finanziell strapazierten Familie aufgewachsen sind und kein beschleunigtes Altern haben. Dr. rer. nat. Laurel Raffington, MPIB

Zu behaupten, dass schnapszahlige 333 Dollar das Leben der Familien in jeder Hinsicht automatisch besser machen, ist aber etwas zu weit gegriffen. Die Geldzahlungen beeinflussen vor allem einen von drei für die Kinderentwicklung wichtigen Mechanismen: nämlich Investitionen, also in Spielsachen, das Kinderzimmer, das Schulleben. Ein anderer Mechanismus ist die Schadstoffbelastung, denn ärmere Familien leben zum Beispiel häufiger an Orten mit mehr Luftverschmutzung und haben weniger Möglichkeiten, gesundes Essen zuzubereiten. Zwar konnten die Familien von dem Geldgeschenk nicht umziehen, aber immerhin ein bisschen gesünder essen.

Korrelation oder Kausalität?

Die Studie hat nicht nur einen Zusammenhang (Korrelation) gezeigt, sondern konnte das langsamere Altern eindeutig auf die Geldzahlungen zurückführen (Kausalität), da sich die Testpersonen außer in der Höhe der Geldzahlungen nicht unterschieden haben. Gleichzeitig können jeweils andere Mechanismen für die Alterungseffekte verantwortlich sein, die jedoch alle auf das Geldgeschenk zurückzuführen sind.

Familiärer Stress: wichtiger Faktor, den auch 300 Dollar nicht aus der Welt schaffen können

Fehlt noch der dritte Faktor, familiärer Stress: "Also wenn zum Beispiel Eltern lange arbeiten und sich trotzdem kaum die Miete und Familienaktivitäten leisten können." Um bei diesem wichtigen Mechanismus Abhilfe zu schaffen, dafür sei der Betrag schlichtweg zu gering gewesen, erklärt Laurel Raffington – betont aber, dass sich Menschen mit einem geringeren Einkommen nicht automatisch mit einer schnelleren Alterung, Krankheiten und möglicherweise einem früheren Tod abfinden müssen. Zwar hat genau das eine kürzlich erschienene Übersichtsarbeit des Forschungsteams nahegelegt. Aber: "Die treffen natürlich nicht auf jedes Individuum zu. Es gibt viele Menschen, die in einer finanziell strapazierten Familie aufgewachsen sind und kein beschleunigtes Altern haben. Aber das Risiko ist erhöht."

Epigenetisches Alter: Jeder Mensch ist anders – großflächig Risiken mindern

Und genau darum geht es letztendlich auch: großflächig die Risiken abmildern, auch wenn sehr viel mehr Faktoren beeinflussen, wie alt ein Mensch wird. Ungeklärt ist, wie lange das langsamere Altern der Kinder überhaupt erhalten bleibt und was das genau für die Gesundheit im Erwachsenenalter heißt.

Laurel Raffington und Team bleiben zumindest neugierig und verfolgen die Kinder und Mütter auf jeden Fall weiter: "Wir sind sehr gespannt, ob wir bei darauffolgenden Beobachtungen, wenn die Kinder sechs und acht Jahre alt sind, die Effekte immer noch sehen werden, selbst wenn die Geldgeschenke jetzt mit sechs Jahren beendet wurden." Fakt ist schon jetzt: Mit einigermaßen kleinen, aber frühzeitigen Stellschrauben kann die Zukunft von Kindern ein kleines bisschen gerechter werden.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren