DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.447,15 USD 07:18:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Gelsenkirchener Erzieherin missbraucht ihre Kinder

Nation

Der Richter Dr. Markus Dörlemann tut etwas Ungewöhnliches. Er wendet sich an die Zuschauer und gibt sein Wort. "Aus den Ermittlungsakten," sagt er, "ergeben sich keine Hinweise, dass die Angeklagte die ihr anvertrauten Kinder missbraucht habe." Gericht: Missbrauch in der eigenen Familie Die Eltern sind aufgewühlt, einige Mütter weinen sogar. Ihre Kinder werden in der Gelsenkirchener Kindertagesstätte betreut, in der die Angeklagte gearbeitet hat. Die beruhigenden Worte des Vorsitzenden scheinen ihre Wirkung zu verfehlen. Dabei geht es - so die Anklage der Staatsanwaltschaft - tatsächlich nicht um die KiTa – Kinder, sondern um Missbrauchsfälle im privaten Umfeld der ehemaligen Erzieherin. Tatort: Chats zwischen den Angeklagten Die heute 32-jährige Angeklagte soll - gemeinsam mit einem Bekannten - ihre eigenen, leiblichen Kinder missbraucht haben. Die damals Zehn- und Zwölfjährigen waren offensichtlich Ziel von Gedanken der Erwachsenen, in denen auch extreme sexuelle Fantasien eine Rolle spielten. Die beiden Angeklagten sitzen im Gerichtsaal des Essener Landgerichts "In diesem Zusammenhang," erläutert der Gerichtssprecher Matthias Murawski, "kam es zu zwei Berührungen der beiden Kinder. Der Rest fand ausschließlich in Chats zwischen den Beiden statt." Auch das ist strafbar. Strenge Kriterien vor einer Einstellung Dass die Eltern aus der KiTa Fragen stellen und sich sorgen, wundert nicht. Sie vertrauen ihre Kinder in diesem Fall einer städtischen Einrichtung an. Wer in einer KiTa arbeiten darf und wer nicht, wird durch die Vorgaben der Landesjugendämter geregelt und von den jeweiligen Trägern umgesetzt. Es bedarf eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses. "Alle Mitarbeiter, ob haupt- oder nebenberuflich oder ehrenamtlich müssen zudem eine Selbstauskunft abgeben", schreibt Wiebke Neumann, Pressesprecherin des KiTa Zweckverbands des Bistums. Wer in einer KiTa arbeitet, wird fortlaufend geschult. Im Falle der katholischen Kirche muss zudem ein "Verhaltenskodex" unterschrieben werden. Der soll einen achtsamen Umgang miteinander sicherstellen. AfD vereinnahmt den Missbrauchsprozess in Essen Warum im Prozess vor dem Essener Landgericht der vorsitzende Richter nicht zu den Eltern durchdringt, dürfte mit der Gelsenkirchener AfD und ihrer Landtagsabgeordneten Enxhi Seli-Zacharias zu tun haben. Die hat mit ihren Anhängern das Verfahren regelrecht vereinnahmt. AFD-Politikerin Enxhi Seli-Zacharias vor dem Essener Landgericht "Ich glaube," so die Politikerin, "deutschen Gerichten gar nichts mehr." Damit trifft sie den Nerv der verunsicherten Eltern. Dass Enxhi Seli-Zacharias keine Gründe nennt, warum sie dem Gericht nicht glaubt, scheint hier nicht aufzufallen. Strafanzeige gegen die Angeklagten aus familiärem Umfeld Stattdessen entwickelt die Landtagsabgeordnete der AfD Verschwörungstheorien. Hinter der Tat der Angeklagten stecke mutmaßlich ein krimineller Ring pädophiler Verbrecher. Auch für diese Behauptungen präsentiert sie keinerlei Beweise. Im Gegenteil. Der Gerichtssprecher Matthias Murawski erklärt: "Die Anzeige, die die Ermittlungen ins Rollen brachte, stammt aus dem näheren Umfeld des Angeklagten." Also keine kriminelle Struktur, sondern Verwandtschaft. Abgeordnete macht Namen öffentlich Und schließlich macht Enxhi Seli-Zacharias die Namen der beiden Angeklagten öffentlich. "Ich darf das. Wer die eigenen Kinder missbraucht, hat jeden Anspruch auf Schutz verwirkt," begründet sie. Die Rechtsanwälte der Beschuldigten haben daraufhin Strafanzeige gegen die Politikerin gestellt. Dirk Giesen, Anwalt für Medienrecht, zum Interview aus dem Büro zugeschaltet. Sie haben sich Rat beim Anwalt für Medienrecht, Dirk Giesen, aus Düsseldorf geholt. Der sagt: "Die Persönlichkeitsrechte der Angeklagten und ihrer Kinder sind verletzt. Die Erwachsenen sind zudem beleidigt worden mit Begriffen wie dreckige Kreaturen, Monster und Ähnliches. Zudem soll für sie auch die Todesstrafe gefordert worden sein." Urteile sind noch nicht rechtskräftig "Die Veröffentlichung der Namen der Beschuldigten in den Sozialen Netzwerken der Landtagsabgeordneten hat auch Konsequenzen für die Kinder der Erzieherin," erläutert die Rechtsanwältin Ann-Katrin Kunz Hoeft, die die ehemalige Erzieherin vertritt, "sie sind jetzt leichter zu identifizieren. Die Bemühungen, sie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, drohen zu scheitern." Gegen die AfD-Politikerin Enxhi Seli-Zacharias sind inzwischen wegen verschiedener möglicher Delikte insgesamt zwölf Strafanzeigen gestellt worden, so ein Sprecher der zuständigen Kölner Staatsanwaltschaft. Die beiden Angeklagten sind vom Landgericht Essen bereits vor einer Woche zu vier Jahren beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidiger haben Revision eingelegt. Unsere Quellen: Prozessbeobachtungen durch WDR-Reporter Matthias Murawski, Gerichtssprecher am Landgericht Essen Wiebke Neumann, Pressesprecherin des KiTa Zweckverbands Enxhi Seli-Zacharias, AfD-Politikerin Dirk Giesen, Anwalt für Medienrecht Ann-Katrin Kunz Hoeft, Rechtsanwältin Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 06.07.2026 19:30 Uhr

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