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Gelsenkirchener Teenager läuft für behinderte Schwester

Nation

Florian läuft und läuft und läuft. Auf dem Schulsportplatz und in seinem Viertel. Seit vier Monaten trainiert der 14-jährige Schüler aus Gelsenkirchen jeden Tag für seine ältere Schwester Tatjana: Er will von Gelsenkirchen nach Duderstadt (Niedersachsen) laufen, mit Leuten auf der Straße ins Gespräch kommen und ihnen von dem seltenen Gendefekt 5p-minus-Syndrom erzählen. 240 Kilometer will er in sechs Tagen schaffen und möglichst viele Menschen erreichen.

Laufen für Aufklärung über 5p-minus-Syndrom

Florians 23-jährige Schwester kam mit einem seltenen Gendefekt zur Welt, den kaum jemand kennt: Das 5p-minus-Syndrom oder auch "Katzenschrei-Syndrom" genannt. Das hohe Schreien von betroffenen Babys erinnert an das Miauen von Katzen, daher der Name. Bei der angeborenen Genmutation fehlt ein Stück vom Chromosom 5. Das kann zum Beispiel zu motorischen und sprachlichen Entwicklungsverzögerungen führen und zu Muskelschwäche.

Nur 203 Menschen in Deutschland mit 5p-minus-Syndrom offiziell bekannt

Tatjana hat eine leichte Form des Syndroms, sie spricht abgehackt, "manchmal wie eine Maus", sagt ihr Mutter scherzhaft. Bis sie in die Schule kam, wusste sie noch nichts von dem 5p-minus-Syndrom, das nur einer von 50.000 Menschen in Deutschland betrifft.

Tatjana ist stolz auf ihren Bruder Florian. Schon früh musste sie damit klarkommen, dass sie anders war. In der Grundschule habe sie nicht alles mitmachen dürfen, zum Beispiel beim Spiel "Stille Post", weil die anderen Kinder sie nicht verstanden. "Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, damit umzugehen. Entweder man nimmt mich so wie ich bin oder halt nicht", sagt sie selbstbewusst.

Auch mit Behinderung Schulabschluss und Ausbildung

Tatjana hat heute klare Ziele. Der ständige Kampf um Anerkennung in der Gesellschaft hat sie stark gemacht. Nach der Förderschule absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr in einer Förderschule, engagierte sich als Schulbegleiterin für behinderte Kinder. "Daran bin ich so gewachsen, dass ich meinen Zehner-Abschluss nachgeholt habe", erzählt sie strahlend. Vor einem Jahr fing sie dann eine Ausbildung zur Kinderpflegerin an. Ihr Traumberuf: Integrationshelferin, ein Kind mit einer Behinderung betreuen. Wer könne das besser als sie.

Florian mit seiner Aktion Vorbild für andere Jugendliche

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