Gemeinde unter Schock: Bürgermeister Guntram Grabherr stirbt bei Motorradunfall
Der Eberhardzeller Bürgermeister war mit dem Motorrad auf dem Nachhauseweg vom Rathaus an seinen Wohnort in Bad Waldsee. Auf der Kreisstraße 7569 von Eberhardzell in Richtung Mühlhausen nahm ihm nach derzeitigen polizeilichen Erkenntnissen ein 19-jähriger Fahranfänger die Vorfahrt. Für den 62-jährigen Rathauschef kam jede Hilfe zu spät. An der Unfallstelle waren unter anderem Ersthelfer aus der Gemeinde und die örtliche Feuerwehr im Einsatz, außerdem ein Rettungshubschrauber. Die wichtigsten Informationen zu dem tödlichen Unfall in Eberhardzell erfahren Sie oben im Video. Tödliche Verletzungen nach dem heftigen Aufprall Wie die Polizei berichtet, war ein 19-Jähriger mit seinem Mercedes auf einem Verbindungsweg zwischen der L306 und der K7569 unterwegs. An der Einmündung bog der Fahranfänger den ersten Erkenntnissen zufolge links auf die Kreisstraße ab und übersah den vorfahrtsberechtigten Motorradfahrer. Der prallte mit seiner Kawasaki in die linke Seite des Mercedes, wurde auf die Straße geschleudert und erlitt bei dem Aufprall tödliche Verletzungen. Der Autofahrer wurde leicht verletzt und erlitt einen Schock. Die Notfallseelsorge kümmerte sich um den mutmaßlichen Unfallverursacher sowie Angehörige des Verstorbenen. Die Kreisstraße war mehrere Stunden voll gesperrt. Die Verkehrspolizei Laupheim hat die Ermittlungen aufgenommen, die Staatsanwaltschaft Ravensburg ein unfallanalytisches Gutachten durch einen Sachverständigen angeordnet. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf rund 25.000 Euro. Der Tod des Bürgermeisters „ist für unsere Gemeinde ein ganz schmerzlicher Verlust“, sagte Grabherrs ehrenamtlicher Stellvertreter Manfred Lämmle: „Es herrscht eine tiefe Betroffenheit. Wir sind alle fassungslos und bestürzt.“ Guntram Grabherr stand seit 2015 an der Spitze des Eberhardzeller Rathauses und war 2023 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Bevor er den Chefposten übernahm, hatte er in Eberhardzell von 2001 bis 2012 bereits als Kämmerer gewirkt. „Er hat sich außerordentlich für die Gemeinde eingesetzt“, ergänzt die Hauptamtsleiterin Christine Haug, „und für uns Mitarbeiter war er ein guter Chef.“ Er wirkte ausgleichend Seine Laufbahn begann der Diplom-Verwaltungswirt Grabherr 1990 als Steueramtsleiter in Bad Wurzach, wechselte später als stellvertretender Kämmerer nach Aulendorf und nach seiner ersten Etappe im Eberhardzeller Rathaus dann als Finanzdezernent mit erweitertem Aufgabenbereich erneut nach Bad Wurzach. 2015 gewann Grabherr auf Anhieb die Wahl gegen den damaligen Amtsinhaber. 2023 wurde Grabherr mit 89,77 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Vor der Kandidatur 2015 in Eberhardzell hatte Grabherr der Schwäbischen Zeitung gesagt: „Ich habe gemerkt, dass ich gut und gerne mit Leuten umgehe, dass ich ausgleichend und motivierend wirken kann.“ Diesen Wesenszug hat er sich all die Jahre bewahrt. Er war nicht laut, immer bedacht und abwägend. Das bestätigt Manfred Lämmle: „Er hat stets das Für und Wider abgewogen, immer auch den Blickwinkel der anderen Seite eingenommen.“ Deswegen und wegen der guten Entwicklung der Gemeinde sei der Bürgermeister bei den Gemeinderäten, den Bürgern und den Vereinen „sehr geschätzt“ gewesen. „Er hat sich mit ganz großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein für die Menschen und für die Gemeinde eingesetzt und die Gemeinde nachhaltig vorangebracht“, würdigt Lämmle Grabherrs Wirken. „Er war mit Leib und Seele Bürgermeister.“ Von den vielen weiteren Posten etwa bei der Bürgerenergiegenossenschaft oder beim Trägerverein des Pflegeheims ganz zu schweigen. Zahlreiche Veranstaltungen in der Gemeinde sind vorerst abgesagt. Es war allseits bekannt, dass Motorradfahren Guntram Grabherrs große Leidenschaft war. Er war Mitglied bei den örtlichen Motorradfreunden in Eberhardzell, seine Ausfahrten machte er indes zumeist allein. Wie im Amt ist Grabherr nach Lämmles Worten „ein vorsichtiger Fahrer gewesen, aber auch wenn man nicht schuld an einem Unfall ist, hast du auf dem Motorrad eben nichts um dich herum“. Als besonders tragisch wird es dem Vernehmen nach in der Gemeinde empfunden, dass es erst vor wenigen Wochen auf der Strecke zwischen Eberhardzell und Mühlhausen zu einem schweren Unfall mit mutmaßlicher Vorfahrtsverletzung und Beteiligung eines Motorrads gekommen war. Guntram Grabherr hinterlässt seine Frau und zwei Söhne.