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Gemeinsam zur Traumnote: Wie vier Syker Abiturientinnen die 1,0 schafften

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Gemeinsam zur Traumnote: Wie vier Syker Abiturientinnen die 1,0 schafften

Von: Frank Jaursch

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Am Gymnasium Syke haben vier Schülerinnen die Traumnote 1,0 erreicht. Eine von ihnen hatte in der elften Klasse noch einen Schnitt von 2,5 und schrieb in Mathe drei Punkte.

Syke – Viermal die Bestnote 1,0: Am Gymnasium Syke haben in diesem Jahr gleich vier Abiturientinnen den Traumschnitt erreicht. Von den 58 Absolventen des Jahrgangs hat fast ein Drittel der Schüler eine Eins vor dem Komma. Doch auch unter den Guten gibt es solche, die herausragen. Wir haben mit Emma Elisabeth Brötzmann, Sontje Krämer, Saskia Stellmann und Matilda Thiel gesprochen – über das, was sie antreibt, was ihnen geholfen hat und wo ihre Ziele liegen.

Der Grat zwischen einer motivierten Schülerin und einem Burn-out ist schmal.

Keine der vier hatte von Beginn an die perfekte Note zum Ziel. „Erst kurz vor den Abiturprüfungen hab ich gemerkt, dass die 1,0 möglich war – da hat mich der Ehrgeiz gepackt“, berichtet Sontje (Leistungskurse: Englisch, Deutsch, Politik) im gemeinsamen Gespräch. Matilda (Kunst, Deutsch, Englisch) machte eine noch erstaunlichere Entwicklung durch: „In der Elften hatte ich einen Schnitt von 2,5“, erzählt sie, „in Mathe hab’ ich da noch drei Punkte geschrieben.“ Eine Achillesferse für sie waren Naturwissenschaften. „Ich hab’ dann aber eine tolle Biolehrerin bekommen, Frau Werner – die hat mich von sechs auf 15 Punkte gebracht.“

Für Emma (Deutsch, Englisch, Mathematik) war die glatte Eins irgendwann zum Ziel geworden, „damit ich mir nicht später sagen muss, dass ich nicht mein Bestes gegeben habe“. Sie nahm dafür sogar noch mündliche Nachprüfungen in Kauf, weil sie zunächst „nur“ auf 1,1 stand. „Klar, man will sich selbst auch was beweisen.“

So unterschiedlich ihre Wege zur Bestnote waren, so ähnlich beschreiben die vier den Umgang mit Druck. Übereinstimmend berichten sie, dass der Leistungsdruck nie von außen kam. „Meine Eltern haben immer gesagt: ,Uns ist relativ egal, was am Ende rauskommt. Solange wir sehen, dass du dich anstrengst, ist es für uns okay‘“, sagt Sontje. Die Belastung sei vielmehr aus den eigenen Ansprüchen heraus entstanden. „Ich hätte mir selbst weniger Druck machen sollen“, räumt Saskia (Kunst, Deutsch, Politik) rückblickend ein.

Meine Gedichtanalyse wird mir nicht bei der Steuererklärung helfen.

Matilda erzählt im Gespräch mit bemerkenswerter Offenheit von den Problemen mit Leistungsdruck, die sie bereits während ihrer Mittelstufenzeit bekommen habe. In dieser Zeit habe sie das Werkzeug erworben, dem Druck wirksam zu begegnen. Dieses „Erste-Hilfe-Pack“ habe ihr auch während der Abiturphase sehr geholfen. „Der Grat zwischen einer motivierten Schülerin und einem Burn-out ist schmal“, warnt sie.

Jede der vier entwickelte eigene Mechanismen, Lernstress abzubauen. Sontje fand Beruhigung beim Reiten, Matilda in der Musik. „Ich brauche ein Hobby, das mir Frieden bringt“, so ihre Erläuterung. „Wenn man seine Songs übt, kann man nicht über Klausuren nachdenken.“ Saskia hatte eine tägliche Lernroutine, die sie diszipliniert durchzog: vormittags lernen, nachmittags „frei“.

Eine Note definiert einen nicht. Es ist nur ’ne Zahl.

Für den Moment ist der große Stress vorbei. Auf der Abiturfeier sprach Schulleiter Knut Wessel von der „Befähigung“ der Abiturienten, das eigene Leben in Eigenverantwortung zu gestalten. Fühlen sich die vier Eins-Nullerinnen dazu befähigt – durch das, was sie am Gymnasium gelernt haben? „Meine Gedichtanalyse wird mir nicht bei der Steuererklärung helfen“, antwortet Saskia mit einem Schmunzeln. Auch Emma sieht sich erst am Anfang: „Es fehlt uns noch an ganz vielen Dingen, die wir von anderen lernen müssen.“ Sontje lobt den „Blick auf die Welt“, den sie auch durch ihren Politik-Leistungskurs gewonnen habe. Und Matilda glaubt daran, dass sie anwendbares Rüstzeug erhalten hat: „Wenn man gelernt hat, sich in ein Thema einzuarbeiten, ist das etwas, das einem auch im echten Leben weiterhilft.“

Welche Tipps hätten sie denn für andere Schüler parat? So banal der erste Tipp der vier auch klingen mag: Es lohnt sich, vernünftig mitzuarbeiten. „Mündliche Beteiligung ist das A und O“, erläutert Matilda. Nicht nur wegen der wichtigen mündlichen Note, sondern auch, „weil sie so viel Lernarbeit vorwegnimmt“. Zudem helfe es, die inhaltlichen Schwerpunkte der Lehrer zu (er)kennen und danach zu lernen, findet Saskia. „Ein Youtube-Lernvideo weiß nicht, was dem Lehrer wichtig ist.“

Sontje empfiehlt jedem, Freundschaften und Hobbys zu pflegen – auch und gerade in den Lernzeiten. „Lass die Schule nicht alles einnehmen!“ Matilda sekundiert: „Statt ,Augen zu und durch‘ lieber mal ,Augen zu und schlafen‘!“ Seine Freizeit für andere Dinge zu nutzen, sieht Emma noch aus einem weiteren Grund als hilfreich an: „Ich erkenne so: Es gibt noch andere Dinge, in denen ich gut bin.“

Lass die Schule nicht alles einnehmen!

Nach dem Durchatmen geht es für die vier Top-Abiturientinnen in unterschiedliche Richtungen weiter: Emma und Sontje wollen zunächst reisen, andere Orte kennenlernen. Matilda hat schon „die ersten zwölf Uni-Bewerbungen fertig“. Sie möchte, wie Emma auch, Psychologie studieren. Für Saskia soll es ein Jura-Studium werden. Sontje hat sich für den Zwei-Fächer-Bachelor Soziologie und Politikwissenschaft entschieden, „supergern in Heidelberg oder in Frankfurt am Main“.

Ob tatsächlich alles so kommt wie geplant, ist dabei gar nicht so wichtig. Matilda möchte „einen Space finden, wo man sich entwickeln kann“. Und von den Menschen in ihrem Umfeld dafür profitieren: „Ich will immer die dümmste Person im Raum sein.“ Nicht so ganz leicht mit ’nem 1,0-Abi.

Was bleibt von dieser glatten Eins im Abschlusszeugnis? „Eine Note definiert einen nicht“, antwortet Emma. „Es ist nur ’ne Zahl.“ Vielleicht hilft es, manches Ziel zu erreichen. Anderen und sich selbst gezeigt zu haben: Ich kann es! Das Abitur schickt die vier mit Rückenwind hinaus in die Welt. Emma ist gespannt: „Mal sehen, wo es mich hinträgt.“

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