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Gen Z verliebt sich in uraltes Hobby - und lernt dabei eine wichtige Fähigkeit

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Gen Z verliebt sich in uraltes Hobby – und lernt dabei eine wichtige Fähigkeit

Von: Andreas Apetz

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Was bei der Boomer-Generation ganz normal war, dringt auch zunehmend in den Alltag junger Menschen: die analoge Fotografie. Aber warum eigentlich?

Frankfurt – Die Hose hat wieder Schlag, das Handy wieder Tasten und die Kamera wieder Film. Die aktuellen Trends der jungen Generation sind oft von einer Zeit inspiriert, die sie selbst gar nicht miterlebt hat. Während man auf dem neuesten iPhone durch die Feeds sozialer Netzwerke streift, wächst offenbar der Wunsch nach einer unbeschwerteren Zeit mit weniger Bildschirmen und mehr Bewusstsein. Vintage-Stores bringen Styles aus den 80ern und 90ern längst wieder auf die Straße. Und auch in der Freizeit orientieren sich junge Menschen zunehmend an den Hobbys vergangener Jahrzehnte. Einer dieser Trends boomt seit Jahren und war für Generationen vor uns schlicht Alltag: das analoge Fotografieren.

Ein Blick auf die Entwicklungen im Fotografie-Markt zeigt, dass es sich beim analogen Trend nicht um einen kurzlebigen Hype handelt. Getragen wird dieses Comeback vor allem von der Generation Z und Millennials: Laut einer weltweiten Erhebung des Filmherstellers HARMAN/Ilford unter mehr als 14.000 Teilnehmenden sind rund 65 Prozent der analogen Fotografen unter 45 Jahre alt. Die stärkste Altersgruppe bilden dabei die 25- bis 34-Jährigen. Jugendforschungsdaten von YPulse unterstreichen diesen Trend: 75 Prozent der Gen Z suchen aktiv nach taktilen, analogen Hobbys als Ausgleich zum Alltag vor Bildschirmen. Wie nachhaltig diese Nachfrage ist, zeigt auch die Reaktion der Industrie: Hersteller wie Pentax brachten 2024 erstmals seit Jahrzehnten wieder völlig neue analoge Kameras auf den Markt, um die stetig steigende Nachfrage der jüngeren Generation zu bedienen.

Auszeit nehmen und Geduld lernen: Warum Analogfotografie bei der Gen Z immer beliebter wird

Auf das Auslösen folgt das mechanische Klacken des Verschlusses, dann wird der Film vorgespult. Gegen das lautlose Fotografieren mit dem Smartphone oder einer Digitalkamera wirkt eine Analogkamera schon fast rebellisch. Auch das Resultat könnte nicht unterschiedlicher sein: 36 einzelne Fotos, körnig, manchmal auch in Schwarz-Weiß, stehen einer unendlich langen Bibliothek digitaler Bilder gegenüber.

„Digital ist schnell, direkt und praktisch unbegrenzt“, sagt Marwan El-Mozayen. Er ist Mitherausgeber des internationalen Print-Magazins Silvergrain Classics für analoge Fotografie und macht immer wieder Workshops, auch mit jungen Menschen. Das Knipsen mit der Analogkamera beschreibt er wie einen Hochseilakt ohne Netz, bei dem jede Einstellung sitzen muss, damit die Aufnahme gelingt. „Wenn man später das Negativ sieht und weiß: Ich habe das Bild, dann ist das schon ein kleines Glücksgefühl“, sagt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Beides hat seine Vorzüge, aber warum genau greift man in einer sich immer weiter selbstoptimierenden Gesellschaft auf die scheinbar unhandliche Analogfotografie zurück? Für Marwan El-Mozayen liegt der Reiz gerade im Zwang zur Entscheidung. „Analog muss ich mich entscheiden. Welchen Film nehme ich? Wie belichte ich? Wann drücke ich wirklich auf den Auslöser?“, sagt er. Das Scheitern gehöre dabei fest dazu: Wer einen besonderen Moment falsch belichtet oder den Fokus verfehlt, hat ihn im Zweifel für immer verloren. Kein Display, auf dem sich das Bild sofort kontrollieren, löschen und wiederholen lässt. Manchmal vergehen Tage, bis man überhaupt weiß, was man da eigentlich fotografiert hat.

Genau dieser Umweg ist für viele junge Menschen offenbar der eigentliche Gewinn. Denn wer nur 36 Aufnahmen auf einem Film hat und weiß, dass jede davon Geld und Zeit kostet, denkt automatisch länger nach, bevor er auslöst. „Man lernt Geduld und dass eben nicht alles funktionieren muss“, sagt El-Mozayen. Nebenbei sitzen am Ende auch die Grundlagen: Licht, Blende, Zeit, Fokus und wie das alles zusammenhängt.

Das Marktforschungsunternehmen YPulse ist der Frage nachgegangen, warum sich die Gen Z und Millennials verstärkt der analogen Welt zuwenden – und sieht den Grund im Wunsch nach Ausgleich zur ständigen Informationsflut auf den Bildschirmen. „Der Trend besteht nicht darin, dass junge Menschen Technologie ablehnen. Es geht vielmehr darum, dass sie sich nach Ausgewogenheit sehnen, es ihnen aber fast unmöglich scheint, diese tatsächlich zu erreichen“, schreibt Dan Coates, CEO von YPulse, auf Linkedin. Die Gen Z versuche deshalb, durch alternative Hobbys, wie das analoge Fotografieren, gezielt kleine „Nischen für Offline-Zeit zu schaffen“.

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