General enthüllt „Konzept für den Sieg“: „Wir werden die angreifenden Streitkräfte zerschlagen“
Am Montag hat sich US-General Alexus Grynkewich bei einem Sicherheitsforum in Polen zur Einsatzbereitschaft der Nato im Falle eines Angriffs geäußert. „Unser Bündnis existiert, um den Frieden zu erhalten“, sagte der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa laut „Politico“. „Aber es darf kein Zweifel bestehen: Sollte es zum Krieg kommen, werden wir jeden Angriff abwehren und abschwächen, und sollte er dennoch nicht aufhören, werden wir die Kräfte zerschlagen, die die Aggression gegen uns führen.“ Es war eine der seltenen öffentlichen Äußerungen Grynkewichs.
Weder der General, noch die Geheimdienste in Europa gehen von einem unmittelbar bevorstehenden militärischen Angriff Russlands aus. Gleichwohl wird vor der Möglichkeit innerhalb der nächsten Jahre gewarnt. Donald Trump hatte unterdessen mehrfach Zweifel an seiner Unterstützung der Nato geweckt – ein verheerendes Signal, da die USA das mit Abstand wichtigste Mitglied sind.
Danach gefragt, ob der Nato-Plan auch ein Szenario berücksichtige, in dem die USA im europäischen Verteidigungsfall andernorts beschäftigt sind, antwortete General Grynkewich: „Das wird auf jeden Fall berücksichtigt.“ Und weiter: „Niemand sollte das Engagement der Vereinigten Staaten für dieses Bündnis infrage stellen.“
Militärs sehen die Möglichkeit, dass China einen russischen Angriff auf ein Nato-Land in Europa zum Losschlagen in Taiwan nutzen könnte. Die USA müssen diesen Fall in ihren Verteidigungsplanungen bedenken und Truppen dafür reservieren, die dann nicht nach Europa können. Allerdings gab Grynkewich auch zu bedenken: „Letztendlich ist es eine politische Entscheidung, wer wo Truppen bereitstellt.“
Das „Konzept für den Sieg“ der Nato
Wie könnte ein Kriegseinsatz der Nato aussehen, falls Russland die bestehenden hybriden Attacken zu einem klassischen Angriff mit Truppen eskaliert, so wie seit 2022 in der Ukraine? Das lässt sich aus dem von Grynkewich vorgestellten „Konzept für den Sieg“ ableiten. Daran arbeite die Nato schon seit einigen Jahren. Nach der jüngsten Entwicklung habe man sich entschlossen, es öffentlich zu machen. Russland erwähnte er dabei nicht.
Die drei Schritte im „Konzept für den Sieg“:
„Block“: Nato-Bodentruppen greifen die russischen Soldaten direkt an, um sie an der Besetzung weiteren Territoriums zu hindern.
„Blunt“: Falls der Gegner weiterkämpft, wird er unter Einsatz von Sensoren und autonomen Systemen am weiteren Vorrücken gehindert (to blunt = abstumpfen).
„Break“: Sollte es nötig sein, wird der gegnerische Nachschub anschließend gebrochen. Mit „sehr effektiver Präzisionsmunition“ und unbemannten Systemen wird auf die feindliche Unterstützung geschossen. Damit ist gemeint, den Nachschub und die Versorgung hinter der Front mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen anzugreifen, so wie es etwa die Ukraine im Verteidigungskampf gegen Russland tut. Es besteht also die Möglichkeit, dass die Nato auf russischem Staatsgebiet zurückschlägt.
Der Plan bezieht laut Grynkewich einen nuklearen Gegenschlag als Möglichkeit mit ein. Es gelte die Warnung, „dass wir jedem Schritt des Feindes auf der Eskalationsleiter einen gleichwertigen Schritt entgegensetzen könnten.“
Offene Fragen der Praxis
In der Praxis wird es bei allem darauf ankommen, wie gut und schnell die unterschiedlichen Nato-Einheiten im Ernstfall zusammenarbeiten und wie rasch der Nachschub an die östlichen Grenzen verlegt wird. Auch spielt der Ort eines etwaigen russischen Angriffs eine Rolle.
In militärischen Planungen geht es in diesem Zusammenhang etwa um die Suwałki-Lücke, die gut 100 Kilometer lange Grenze zwischen Polen und Litauen – mit Belarus an dem einen und der russischen Exklave Kaliningrad an dem anderen Ende. Sie wäre ein Engpass für Nato-Truppen. Russland hätte demzufolge ein großes Interesse an ihrer Kontrolle. (TMA mit dpa)