Generalsanierung Koblenz
Was viele Menschen im Oberen Mittelrheintal befürchtet haben, ist nun beschlossen: Die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der linken Rheinseite wird für den Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz verschoben. Und zwar auf einen Zeitraum nach 2031. Das teilten das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn mit.
Die Generalsanierung des Streckenabschnitts zwischen Koblenz und Köln soll wie geplant stattfinden. Die Bahnstrecke südlich von Koblenz bleibt dagegen weiter in ihrem sanierungsbedürftigen Zustand.
Der Plan: Doppelte Sperrung für mehrere Monate
Allerdings soll es trotzdem zu längeren Baustellensperrungen auf der Strecke kommen. Auf dem Abschnitt südlich von Koblenz wird laut der DB InfraGO 2028 gebaut: auch mit einer Vollsperrung. Dabei sollen beispielsweise die Bahnhöfe modernisiert werden. Was sonst noch vorher gemacht werden soll, ist aber noch unklar. Der Fahrgastverband Pro Bahn nennt das Ergebnis ein "Armutszeugnis" für die Verkehrspolitik im Land. "Die Belastungen werden den Fahrgästen zugemutet, die umfassende Modernisierung wird aufgeschoben. Das ist nicht hinnehmbar", so der Landesvorsitzende Noah Wand.
SPNV-Nord: "Katastrophale" Pünktlichkeit am linken Rhein
Nach Angaben des für den Nahverkehr zuständigen Zweckverbands SPNV-Nord sind nur rund 50 Prozent der Regionalzüge auf der Strecke pünktlich, während Regionalzüge bundesweit bei rund 90 Prozent liegen. Das sei "katastrophal". Die zuständigen Planer führen das unter anderem auf den Zustand der Strecke zurück. Ohne die komplette Sanierung, inklusive Verbesserungen bei Weichen, Signalen und Stellwerken, würde sich die Pünktlichkeit nicht signifikant verbessern.
Auswirkungen für die BUGA 2029
Dabei ist eine zuverlässige Strecke wichtig. Nicht nur für Pendler, sondern zum Beispiel auch für die Bundesgartenschau 2029, die im gesamten Oberen Mittelrheintal stattfinden soll. Die Besucher sollen dabei vor allem mit der Bahn zu den verschiedenen Schauplätzen im gesamten Tal gebracht werden. Der Zweckverband SPNV-Nord plant währenddessen mehr Regionalzüge auf der Strecke. Dass das auf der alten Strecke möglich ist, halten Experten für fraglich.
Nach Angaben des Landesverkehrsministeriums Rheinland-Pfalz sollen die BUGA-Bahnhöfe allerdings noch vor 2029 barrierefrei ausgebaut werden.
Bürgerinitiativen kritisieren Verzögerung
Die Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm im Mittelrheintal bezeichnen die Entscheidung der Bahn als "katastrophal". Das bedeute, dass sich versprochene Lärmschutzmaßnahmen weiter verzögerten. Auch marode Infrastruktur wie Tunnel oder Oberleitungen würde vorerst nicht saniert. Nach Ansicht der Initiativen behindert die Verschiebung die Entwicklung des gesamten Mittelrheintals.
Besonders im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2029 sei die Entscheidung nicht nachvollziehbar, sagte Frank Groß von der Bürgerinitiative Pro Rheintal. Die Initiative kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen.
Landesregierung und St. Goar reagieren gelassener
Die Landesregierung sieht die Pläne der Bahn weniger kritisch: Obwohl der Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz erst später modernisiert werden soll, würden bis zur BUGA alle relevanten Bahnhöfe saniert.
Auch die Stadt St. Goar als einer der Hauptstandorte der BUGA ist mit dieser Lösung zufrieden. Die Bahn gehe so auf Nummer sicher. Jetzt bestehe keine Sorge mehr, dass die Bauarbeiten nicht rechtzeitig vor dem Großevent abgeschlossen werden könnten.
Neuer Verkehrsminister Bilger unzufrieden mit Generalsanierungen
Dass die Generalsanierungen nicht mehr so passieren wie geplant, liegt wohl auch an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er sagte, ihm missfallen die Ergebnisse vergangener Generalsanierungen, oder Korridorsanierungen, wie sie neuerdings heißen: "Mit der bisherigen Umsetzung der Korridorsanierungen - dem Modernisieren von Gleisen, Weichen, Bahn- und Sicherheitstechnik - bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte Bilger demnach.
"Man kann niemandem erklären, warum Pendlerstrecken so lange gesperrt werden und die Situation danach noch immer nicht besser ist." Beispielsweise ist die Strecke zwischen Hamburg und Berlin trotz Generalsanierung noch immer oft von Störungen betroffen.