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Generation Deutschland - ein Scharnier zum Rechtsextremismus?

Nation

Wenn die "Generation Deutschland" (GD) an diesem Samstag im Alten Theater in Magdeburg zusammenkommt, soll alles ganz seriös wirken: Man möge "dem feierlichen Charakter" auch Rechnung tragen. "Festliche beziehungsweise Business-Kleidung" seien ein angemessener Dresscode, mahnte die Jugendorganisation die Teilnehmenden ihres Bundeskongresses. Erstmals kommen alle Vorstände aus Bund und Ländern unter einem Hallendach zusammen. Seit Gründung im vergangenen Herbst ist die Parteijugend nicht mehr unabhängiger Verein, sondern Teil der AfD. 2025 war die Junge Alternative (JA) nach etlichen rechtsextremen Skandalen aufgelöst worden. Die Partei hatte ein mögliches Verbot befürchtet. Als Teil der AfD lässt sich die neue GD nur noch gemeinsam mit der Partei verbieten, was schwieriger ist. Das heißt aber auch: Die AfD muss sich das Handeln ihrer Jugend voll zurechnen lassen. Öffentlich hieß es deshalb, die GD solle sich mäßigen. Doch ist das gelungen? Neue Jugendorganisation, alte Verbindungen Nur Tage nach der Gründungsveranstaltung im hessischen Gießen hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in einem ersten Statement eine große personelle und inhaltliche Kontinuität zur JA gesehen. Wie die Gesamtpartei auch, behandelt das Amt die GD inzwischen als rechtsextremistischen Verdachtsfall und sieht "verfestigte strukturelle Verbindungen zu Akteuren und Organisationen", darunter die "Identitäre Bewegung" (IB). Die Landesämter in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen stufen die Jugendorganisation genau wie die Mutterpartei als gesichert rechtsextrem ein. Inzwischen gibt es neben dem Bundesvorstand auch 133 Funktionäre auf Landesebene. Wer recherchiert, welche Verbindungen diese haben, findet auch Mitglieder rechtsextremer Burschenschaften und nicht selten auch Verbindungen zu rechtsextremen Organisationen. Nicht wenige GD-Funktionäre sind in ihrer jungen Vergangenheit schon auf Demos mit Neonazis mitmarschiert. Gut ein Drittel waren auch vorher schon nachweisbar in Vorständen der JA. Noch mehr sollen einfache Mitglieder der JA gewesen sein - wie viele genau, lässt sich aufgrund fehlender JA-Mitgliedslisten nicht beziffern. Eines zeigt sich auch hier klar: Die GD unterscheidet sich in Personal, Inhalten und Verflechtungen zu neurechten Organisationen kaum von ihrer Vorgängerin. Sie setzt den Weg einer seit Jahren voranschreitenden Radikalisierung fort. Offenbar fungiert die GD weiter als ein wichtiges Scharnier ins sogenannte Vorfeld, in die Welt aus rechtsextremen Verlagen, Vereinen und Thinktanks der Neuen Rechten. "Remigration" und "Reconquista" auf der Straße Diese Verflechtungen hört man in Reden, sieht sie in Sozialen Medien - und auf der Straße. Zum Beispiel in Schwerin, am 1. August, am Tag der Deutschen Jugend, den die GD ausgerichtet hat. Es ist ihre erste gemeinsame Großveranstaltung, seit sie in Bund und Land mehr als 140 Funktionäre in ihre neuen Gremien gewählt hat. T-Shirts mit dem Aufdruck "Remigration" sind auf den Straßen zu sehen. Etwa 420 Demonstrierende aus der AfD sind gemeinsam mit Aktivisten der in Deutschland als rechtsextrem eingestuften IB unterwegs, sie verschmelzen zu einem Demonstrationszug. "Abschieben, abschieben!", rufen die Demonstrierenden, und: "Europa, Jugend, Reconquista". Die Reconquista-Bewegung kämpft für ein homogenes, christliches Deutschland. Und auch mitten drin im Demonstrationszug der Generation Deutschland: Daniel Fiß, Landesvorstand der GD in Mecklenburg-Vorpommern, zudem Mitarbeiter des dortigen AfD-Vize-Fraktionsvorsitzenden. Früher war er im Vorstand des Vereins "Identitäre Bewegung Deutschland". Wenn die Unvereinbarkeitsliste nicht greift Die IB steht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Wer hier Mitglied ist oder war, darf eigentlich nicht in die AfD aufgenommen werden. Warum ist das bei Fiß kein Problem? Er selbst sagt, er halte "nichts von hygienischen Abgrenzungsritualen oder vorauseilenden Distanzierungen", es gehe um inhaltliche Positionen. Weder der AfD-Bundesvorstand noch der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern antworteten auf Fragen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ), warum das eigene Regelwerk der Partei offenbar nicht konsequent angewendet wird. Innerhalb der AfD sollen die völkischen Kräfte längst dafür werben, die Unvereinbarkeitsliste zu überarbeiten und sich so weiter für radikale Kräfte zu öffnen. Darüber soll der frisch gewählte Bundesvorstand der AfD binnen eines Jahres entscheiden. Wie viele GD-Funktionäre in Organisationen, die auf der Unvereinbarkeitsliste stehen, Mitglied waren oder wie viele vorbestraft sind, will auf Anfrage kein Landesverband sagen. Die meisten nennen nicht einmal, wie viele Mitglieder sie haben. In Bremen ist nicht zu erfahren, wer außer dem Vorsitzenden und dessen Stellvertreter dem Landesvorstand eigentlich angehört. Man wolle deren Privatsphäre schützen, weil einige noch in Studium und Ausbildung seien und um "mögliche berufliche Nachteile" zu verhindern. Auch Sachsen-Anhalts GD will dazu nichts sagen. "John ist als frisch gewählter Schriftführer Teil unseres Landesvorstandes", heißt es in einem Instagram-Beitrag direkt nach der Vorstandswahl. Seit 2024 sei er in der AfD, seit er zwölf Jahre alt war, sei er "Aktivist". Aber wie John mit Nachnamen heißt? Das bleibt auch auf Nachfrage unbeantwortet. Die Rechercheplattform LSA Rechtsaußen verweist auf frühere Aktivitäten von ihm im Umfeld der rechtsextremen NPD-Jugendorganisation "Junge Nationalisten". NPD (heute: "Die Heimat") und JN stehen auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Weder John noch die GD auf Landes- und Bundesebene oder die AfD beantworteten, ob dies zutrifft. Radikale Netzwerke in den Landesverbänden Selten ist die Kontinuität so eindeutig wie im größten Landesverband Nordrhein-Westfalen. Dort schart sich die Parteijugend um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich, der 2025 im BfV-Gutachten zur AfD als "erwiesener Rechtsextremist" bezeichnet und an gut 50 Stellen als Beleg für radikale, völkische Positionen der Partei geführt wird. In der Vergangenheit hat er sich - nur ironisch, wie er sagt - als "freundliches Gesicht des Nationalsozialismus" bezeichnet. Helferich zufolge gehören alle Mitglieder des neuen elfköpfigen NRW-GD-Vorstandes zu seinen Schützlingen. Der Verfassungsschutz NRW hat die dortige GD darum umgehend als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Als Ausnahme zeigt sich unter anderem der hessische GD-Landesverband. Dort wurden Sanktionen wegen eines rechtsextremen Vorfalls verhängt und ein Vorstandsmitglied entlassen, weil es auf einer parteiinternen Veranstaltung das rassistische "White-Power-Symbol" gezeigt haben soll, eines der Erkennungszeichen der Neuen Rechten. Das "patriotische Mosaik" In Rheinland-Pfalz drohen der GD Sanktionen von staatlicher Seite: Dort verweigert der Landtag dem GD-Vorsitzenden Jan-Richard Behr den Hausausweis. Außerdem soll ihm das Geld für seine Arbeit in der Fraktion und bei einem Abgeordneten gestrichen werden. Der Landtag wirft Behr, der auch Mitglied im GD-Bundesvorstand ist, relativ typische GD-Verbindungen vor, die auch viele seiner Vorstandskollegen in anderen Landesverbänden haben: frühere Funktionärsaufgaben in der Ex-JA, Teilnahmen an Veranstaltungen des vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Verlegers Götz Kubitschek und der "Identitären Bewegung". Und er hat in einem Interview gesagt, dass er sich weder eine Mäßigung noch mehr Distanz zum Vorfeld wünsche. Der Landtag hat im vergangenen Jahr sein Abgeordnetengesetz verschärft, prüft nun generell die Verfassungstreue von Mitarbeitern in Fraktionen und Abgeordnetenbüros. Die AfD sieht darin einen Verfassungsverstoß und klagt. Einen Eilantrag der Partei hat das Verfassungsgericht Rheinland-Pfalz abgelehnt.

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