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Geplante Verbotszonen machen Fischern an der Nordsee Angst

Nation

Stand: 11.07.2026 12:35 Uhr Fischer an der Nordsee fürchten um ihre Fanggebiete. Denn zehn Prozent des Küstenmeeres in Niedersachsen sollen als Schutzgebiete eingerichtet werden. Der Grund: eine EU-Strategie für mehr Artenvielfalt. von Sebastian Duden Viele Krabben- und Muschelfischer fühlen sich überrumpelt und nicht gehört, nachdem die Landesregierung eine sogenannte Gebietskulisse mit möglichen Verbotszonen veröffentlicht hat. Zur Erstellung seien wissenschaftliche Daten herangezogen worden, so das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium, unter anderem ausgewertete Schiffsbewegungen. Verbände und Fischer konnten Eingaben machen. Fischerei hat Tradition an der Nordsee Söhnke Thaden ist Fischer in der fünften Generation. Mit seinem Kutter "Christine" startet er von Fedderwardersiel aus zum Krabbenfangen. Als einer von vier Fischern, die hier noch ansässig sind. Sein angestammtes Fanggebiet ist die Wesermündung. Das liegt auch daran, dass die kleinen Kutter nicht dafür gebaut sind, tagelange Fischzüge zu machen. Und in der Wesermündung müssen die Fischer sowieso schon große Flächen ausklammern, wie Thaden an einer Karte erklärt. "Im Fahrwasser ist das Fischen verboten, in den Reeden ist das Fischen verboten, hier ist der Windpark Nordergründe, verboten - große Sperrzone drumherum. An den Fahrwasserrändern, wie zum Beispiel hier an der Mellum, da sind wir aktiv, da sind wir am fischen. Und genau dieses Gebiet, der Hotspot, der soll gesperrt werden." Karte weist mögliche Verbotszonen aus Damit meint er die jetzt vorgeschlagenen Verbotszonen - das Ergebnis mehrere Regionalkonferenzen. Hintergrund ist die sogenannte Biodiversitätsstrategie der EU, die vorsieht, dass zehn Prozent der küstennahen Gewässer zu "Fischereifreien Zonen" erklärt werden, in denen nicht mehr gefischt werden darf. Das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium sind auf Landesebene jetzt an die Vorbereitungen gegangen. Heraus kam dabei eine Karte mit der "Gebietskulisse", die mögliche Verbotszonen vor Borkum, vor der Gemeinde Wangerland, im östlichen Jadebusen, an der "Wurster Nordseeküste" und eben auch vor der Vogelinsel Mellum vorsieht. Fischer fühlen sich überrumpelt Der vorliegende Vorschlag ist für viele Fischer ein Schock. Auch für die Fischer aus dem Wangerland, die hier von den Häfen Hooksiel und Horumersiel aus starten. Unmittelbar vor den Häfen endet jetzt die geplante Verbotszone, für kleinere Fahrzeuge zu groß, um sie zu umfahren. Würden die Verbotszonen so in Kraft treten, käme das einem "Berufsverbot" gleich, so die Wangerländer Fischer. Ein ausgewogener Vorschlag? "Der nun vorliegende Vorschlag ist ein ausgewogener Vorschlag, der auch die Interessen der Küstenfischerei und Küstenkommunen maßgeblich berücksichtigt", lässt sich Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) zitieren. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ergänzt: "Die Existenz von allen Krabbenfischern muss natürlich erhalten bleiben, deswegen gucken wir uns jeden Einzelfall an. Es gibt viele Bereiche, wo wir Erleichterung spüren, wo sie sagen, okay, das ist für uns akzeptabel, ihr nehmt weit draußen, vor Borkum, Flächen aus der Nutzung, damit können wir leben, denn wir haben erreichbare Fanggründe." Es gibt aber auch Fischer im Jadebusen, in der Wesermünde oder eben vor der Gemeinde Wangerland, die das ganz anders sehen und existenzgefährdend einschätzen. So einer ist Söhnke Thaden. Er sagt, dass er sich freuen würde, wenn auch eins seiner Kinder irgendwann von Fedderwardersiel aus noch auskömmlich fischen könnte. Fischer nicht ausreichend angehört? Vor der jetzt vorgestellten Gebietskulisse gab es einen sogenannten Suchraum, der von einer Arbeitsgruppe erstellt worden war. Er war um ein Vielfaches größer als die neue Karte. Dieser Suchraum wurde auf den Regionalkonferenzen vorgestellt: Verbände, Kommunen und Fischereibetriebe konnten dazu Eingaben machen. Das haben die Fischer wohl nicht intensiv genug genutzt, wie Matthias Wenholt vermutet. Er ist erster Kreisrat des Landkreises Wesermarsch. "Mag sein, dass da die Umweltschützer ein bisschen besser organisiert waren, besser vorbereitet waren, kann man aber auch ein Stück weit verstehen. Kleine Betriebe müssen im Betrieb stehen, in diesem Fall auf dem Kutter stehen, um das Geld zu erwirtschaften, da haben die nicht so die Zeit und Muße, um das zu tun. Trotzdem sind sie die Betroffenen." Ein Kompromiss zwischen Umweltschutz und Fischern Die Fischer aus der Wesermarsch haben sich nach Veröffentlichung der Gebietskulisse mit einem Hilferuf an den Kreistag gewandt: Der hat einstimmig, über alle Parteigrenzen hinweg, eine Resolution verabschiedet und vom Land ein "transparentes und nachvollziehbares Verfahren" gefordert. Vor allem auch, dass die Datengrundlage für die Entwicklung der Verbotszonen offengelegt werden solle. Der Kreistag hebt in der Resolution hervor, dass die Küstenfischerei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sei und zur regionalen Identität gehöre. "Das war ein starkes Signal, alle haben sich hinter die Fischer gestellt, am Ende muss es ein Kompromiss sein, zwischen Umweltschutz und den Belangen der Fischer. Ich glaube, das sollte gehört werden", ergänzt Kreisrat Wenholt seine Hoffnung, dass die Resolution bei der Landesregierung auf offene Ohren stößt. Fischer sind kompromissbereit Am 21. Juli geht der "Fischereidialog" zwischen Politik, Verbänden und Fischern in seine finale Phase, danach soll möglichst schnell über die von der EU geforderten Verbotszonen entschiedenen werden. "Wir wollen einen Dialog, der gelebt wird", wünscht sich Krabbenfischer Söhnke Thaden. "Wir möchten, dass wir zusammen Flächen entwickeln. Es gibt genug Flächen, wo wir kein Problem mit haben. Wir möchten nur Teile aus den Gebieten, die Fischereiausschlusszonen werden sollen, die möchten wir frei haben und würden an anderen Stellen von mir aus auch mehr Fläche geben. Aber bitte nicht in den Hotspots der Krabbenfischer." Die Zehn-Prozent-Vorgabe der EU muss bis 2030 verbindlich umgesetzt sein. Der "Fischereidialog" wurde im April 2025 begonnen. Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens wird sich auch der Landtag mit den Ergebnissen noch befassen.

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