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Gerangel um Starlink-Einsatz: Ukraine will Todeszone nach Russland tragen - Elon Musk ist dagegen

Welt

Der Ukraine steht erneut ein schwerer Kriegswinter bevor. Ihr fehlen Luftabwehrraketen, um ballistische Raketen aus Russland abzuschießen. Deshalb will Kiew künftig die Startrampen angreifen - in Russland. Doch dafür benötigt die Ukraine die Unterstützung von Elon Musk. So gut die Ukraine derzeit gegen die russischen Angreifer im Krieg dagegen hält, so sorgenvoll schaut das Land auf den nächsten Winter. Russland wird erneut das ukrainische Stromnetz und die Energieinfrastruktur attackieren. Kiew droht ein Winter ohne Strom, Wärme, Wasser und Nahrung. Zumal Kiews Armee ein Problem bei der Abwehr ballistischer Raketen hat. Der Bestand an den Luftabwehrraketen aus den USA ist zuletzt dramatisch geschrumpft. Die Amerikaner haben kaum noch welche, die sie der Ukraine schicken können - vor allem wegen des Iran-Kriegs. Das Center for Strategic and International Studies schätzt, dass die USA nur noch etwa 800 der modernsten Patriot-Raketen haben. Vor dem Iran-Krieg waren es demnach noch über 2300. Die Ukraine muss deshalb einmal mehr kreativ werden, um die russische Angriffen abwehren zu können. Bei seinem Besuch im Weißen Haus vor zwei Wochen soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj US-Präsident Donald Trump seinen Plan für den Kriegswinter vorgestellt haben. Laut "The Atlantic" bat Selenskyj den US-Präsidenten um 300 weitere Patriot-Raketen. Im Mittelpunkt des Plans soll inzwischen aber Starlink stehen, das weltumspannende Satelliten-Netzwerk von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen von Elon Musk. Das Starlink-Netzwerk besteht aus einem Schwarm kleiner Satelliten, die ständig um die Erde herumkreisen und untereinander kommunizieren. Sie fliegen in 550 Kilometern Höhe und ermöglichen eine Internetverbindung in den entlegensten Orten der Erde. Man benötigt lediglich eine spezielle Starlink-Antenne, die etwa so groß ist wie ein Pizzakarton. Die Ukraine will das Satelliten-Internet von Elon Musk für Angriffe auf russischem Boden einsetzen. Starlink sei "eine schnellere und kostengünstigere Antwort auf die Bedrohung durch ballistische Raketen aus Russland", heißt es im "Atlantic"-Bericht. Bislang erlaubt Musk den Ukrainern, Starlink nur auf ukrainischem Territorium einzusetzen - einschließlich der Krim und der anderen von Russland besetzten Gebiete. Mit den Starlink-fähigen Drohnen hat die Ukraine die sogenannte "Killzone" im eigenen Land geschaffen. "In dieser 50 Kilometer breiten Todeszone ist es fast unmöglich, in die Offensive zu gehen und auch sehr schwer in der Defensive zu bleiben, weil alles, was sich bewegt, von Drohnen angegriffen wird", erklärt Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer bei ntv. "Das begünstigt natürlich den Verteidiger, denn der Angreifer müsste ja faktisch Gelände in Besitz nehmen, kann es aber kaum, weil er sich eben nicht aus der Deckung heraus wagen kann." "Bogenschützen treffen - nicht nur die Pfeile" Für Angriffe tief in Russland muss die Ukraine dagegen bisher auf KI-gestützte Bordsysteme ausweichen, um Ziele anzusteuern. Damit kann die Armee zwar Ölraffinerien ins Visier nehmen. Das sind allerdings große, statische Gebäude. Ballistische Raketen werden jedoch meist von Raketenwerfern aus abgefeuert, die zum Beispiel auf Lkw-Ladeflächen montiert sind. Für ukrainische Drohnen sind diese vergleichsweise kleinen und mobilen Ziele weit entfernt in Russland mit den bisherigen Systemen praktisch nicht zu treffen. Die Ukraine will das ändern. Starlink biete "die präziseste verfügbare Möglichkeit, ukrainische Drohnen auf russische Raketenwerfer zu lenken", zitiert "The Atlantic" den ukrainischen Drohnenunternehmer Denys Shtilerman: "Statt die Pfeile abzuschießen, würden wir die Bogenschützen treffen - und könnten die Killzone auf 500 Kilometer ausweiten." Die "Pfeile" sind fliegende russische Raketen. Bislang setzt die Ukraine teure Patriot-Abfangraketen ein, um sie vor dem Einschlag aus der Luft zu holen. In Zukunft möchte Kiew die mobilen Abschussrampen tief im russischen Hinterland zerstören, also die "Bogenschützen". Doch der Starlink-Chef lehnt das bisher ab. Elon Musk hadert mit Rolle im Krieg Selenskyj hätte bei seinem Besuch in den USA gerne persönlich mit Elon Musk über seinen Plan gesprochen, doch der Billionär lehnte die Einladung ab. Ob US-Präsident Trump schon mit Musk darüber gesprochen hat, ist nicht bekannt. Wenn, dann hat es bisher nichts gebracht. Musk beharrt darauf, dass die Ukraine bei Angriffen in Russland seine Technik weiterhin nicht einsetzen darf. Musk hadert schon länger mit seiner Rolle im Krieg. "Starlink war nicht dafür gedacht, in Kriege verwickelt zu werden", wurde er bereits vor drei Jahren in seiner Biografie von Autor Walter Isaacson zitiert. "Es war dafür gedacht, dass die Menschen Netflix gucken und sich entspannen können, für die Schule online gehen und gute, friedliche Dinge tun können, keine Drohnenangriffe." Der Starlink-Chef will, dass der Krieg endet. Er drängt laut Medienberichten auf ein Abkommen zwischen Russland und der Ukraine. Dass Russland derzeit keine Anstalten macht, sich für ein Kriegsende zu öffnen, und ein Deal damit weit entfernt ist, scheint Musk nicht zu beachten. Bei seinem Besuch in Washington soll Selenskyj deshalb Trump gebeten haben, bei Musk ein gutes Wort für die Ukraine einzulegen. Sein Land brauche dringend noch vor dem Winter eine Möglichkeit, sich gegen den russischen Raketenhagel zur Wehr zu setzen, so Selenskyj. Russland droht Musk und Starlink Auch der vor Kurzem entlassene ukrainische Verteidigungsminister beißt bei Musk auf Granit. Mychajlo Fedorow hatte zuletzt ebenfalls versucht, den Starlink-Chef umzustimmen. Fedorow war es, der Berichten zufolge in den vergangenen Monaten von den Ukrainern den besten Draht zum Tesla- und SpaceX-Chef hatte. Auch Trump hält Selenskyj hin. Trotzdem ist der US-Präsident die einzig realistische Hoffnung für den ukrainischen Präsidenten. Denn aus dem Umfeld des entlassenen Verteidigungsministers heißt es: Fedorow habe von Musk zumindest die Zusicherung erhalten, dass eine Erlaubnis zum Starlink-Einsatz auch in Russland möglich sei, "wenn Trump dies anordnet".

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