Gesamtes Stromnetz kollabiert auf Kuba
Auf Kuba ist am Montag das gesamte Stromnetz zusammengebrochen. Rund zehn Millionen Menschen sind ohne Elektrizität. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters waren bereits vor dem vollständigen Kollaps fast zwei Drittel des Landes ohne Strom. Der landesweite Blackout begann am Montagmittag (Ortszeit), wie der staatliche Netzbetreiber Unión Eléctrica (UNE) auf der Plattform X mitteilte. Die Ursache werde untersucht, hieß es. Auch das Ministerium für Energie und Bergbau bestätigte den Ausfall und erklärte, es seien Protokolle zur Wiederherstellung der Stromversorgung aktiviert worden. Seit Monaten leidet Kuba unter stundenlangen, zuletzt auch tagelangen Ausfällen. Die Regierung rationiert die Versorgung mit geplanten Abschaltungen, die sich mitunter über mehr als 24 Stunden erstrecken. Menschen auf der Straße in Havanna während eines Stromausfalls © Ramon Espinosa/AP Treibstoffmangel verschärft die Lage Als zentrale Ursachen gelten das marode Stromnetz und ein akuter Treibstoffmangel. Kuba deckt nach eigenen Angaben nur rund 40 Prozent seines Kraftstoffbedarfs aus eigener Produktion. Die im März von einem russischen Tanker gelieferten 730.000 Barrel Öl seien bis Ende April aufgebraucht gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Im Mai hatte Havanna nach Angaben von Bloomberg erklärt, keinerlei Treibstoffreserven mehr zu besitzen. US-Präsident Donald Trump hatte im Januar Zölle gegen Länder angedroht, die der Insel Öl liefern. Seither habe Washington nur einem einzigen russischen Tanker die Lieferung gestattet, berichtete Bloomberg. Der öffentliche Nahverkehr sei inzwischen weitgehend eingestellt, Zehntausende Operationen seien abgesagt worden, meldete AP. Havanna wendet sich an die UN Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez kündigte an, in dieser Woche zur UN-Generalversammlung nach New York zu reisen, um die US-Energieblockade anzuprangern. Auf X schrieb er, er wolle das Recht Kubas verteidigen, „ohne Energie-Würgegriff“ und „ohne kollektive Bestrafung“ zu leben. Die Vereinten Nationen hatten laut Bloomberg zuvor gewarnt, die verschärften US-Sanktionen könnten eine humanitäre Krise auf der Insel auslösen. Bereits im März und Mai hatte es größere Stromausfälle gegeben, im vergangenen Jahr laut Bloomberg ein halbes Dutzend landesweite Blackouts. Lesen Sie mehr zum Thema