"Geschockt": Ärger am Staatsballett um Kündigung von Star-Tänzer
Bis vor kurzem war er noch einer der Stars am Bayerischen Staatsballett: der US-amerikanische Tänzer Julian MacKay. Seit 2022 tanzte er als Erster Solist, also an höchster Stelle in der Hierarchie der Kompanie, in München. Nun erhebt er auf Instagram schwere Vorwürfe (externer Inhalt) gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Er sei nach vier Jahren gefeuert worden und "geschockt", dass er selbst davon über Instagram erfahre. Bayerisches Staatsballett widerspricht MacKays Darstellung Das Bayerische Staatsballett widerspricht dieser Darstellung. MacKay habe am Montag, 13. Juli 2026, am frühen Vormittag ein Gespräch mit der geschäftsführenden Direktion bezüglich seiner Kündigung gehabt, bei dem ihm auch die entsprechenden Papiere übergeben worden seien. Im Anschluss daran sei das Bayerische Staatsballett in die Kommunikation gegangen, habe eine Pressemitteilung sowie einen Social-Media-Post veröffentlicht. "Julian MacKay und das Bayerische Staatsballett gehen ab sofort getrennte Wege. Der Erste Solist verlässt die Münchner Compagnie mit dem heutigen 13. Juli 2026, wie ihm am Morgen persönlich von der Direktion des Hauses mitgeteilt wurde. Wir danken Julian MacKay für die vergangenen vier Spielzeiten und wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute", heißt es darin. Große öffentliche Wirkung Zu den Gründen der Kündigung äußert sich das Staatsballett auf Nachfrage nicht, aus juristischen Gründen, wie es von der Kompanie heißt. Dass aber eine Woche vor Spielzeitende eine solche Kündigung erfolgt, ist sehr ungewöhnlich. Denn über die Sommerpause erfolgen bei solchen Kompanien oft regulär Personalwechsel. Eine Kündigung abseits dessen hat eine andere öffentliche Wirkung. MacKay selbst schreibt, er habe mehrmals auf Fehlverhalten und ungerechte Behandlung in der Kompanie hingewiesen und das Management des Theaters gebeten, dem nachzugehen – sonst würde er kündigen. Stattdessen sei er nun am gestrigen Montag fristlos gekündigt worden, während er krankgeschrieben sei. "Es ist nicht okay, Künstler so zu behandeln, und ich werde nicht still sein über die Missstände in meiner Branche." Machtmissbrauch im Ballett: Zuletzt Skandal in Berlin Um die öffentliche Wahrnehmung geht es hier auf beiden Seiten. Julian MacKay hat dreihunderttausend Follower auf Instagram – eine sehr hohe Zahl für einen Balletttänzer. Und Machtmissbrauch und Missstände im Ballett sind seit einigen Jahren ein größeres Thema. Das Ballett ist eine Kunst, in der der Körper der Tänzerinnen und Tänzer unmittelbar im Blickfeld steht. Was dieser Körper können soll und wie er aussehen soll, ist nicht nur Privatsache. Außerdem funktionieren klassische Ballettkompanien immer noch in starken Hierarchien, die sich in den beruflichen Rängen der einzelnen Tänzerinnen und Tänzer genauso spiegeln wie in den Rollen der großen klassischen Handlungsballette. Seit ein paar Jahren stehen diese Systeme – vor allem an den Ballettschulen – auf dem Prüfstand. An der Ballettschule der Berliner Oper gab es 2021 einen größeren Skandal um Vorwürfe von Machtmissbrauch (externer Link), Kindeswohlgefährdung, Bodyshaming und Drill durch Lehrende. "Health Policy" soll Klima der Angst verhindern Danach erlegte sich etwa die Ballett-Akademie München strenge Regeln und ein groß angelegtes neues System als "Health Policy" auf, um ein Klima der Angst zu verhindern. Machtmissbrauch im Ballett aber bleibt ein Diskurs-Thema – und wird nun auch zum Fall Julian MacKay auf Social Media diskutiert. MacKay selber ließ eine Anfrage des BR bis jetzt unbeantwortet.