Gesundheit: Forscher entdecken möglichen Alzheimer-Treiber im Darm
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Wer im Alter geistig fit bleiben will, könnte künftig auch einen Blick auf den Darm werfen müssen. Forscher der University of Wisconsin–Madison haben Hinweise gefunden, dass ein Stoffwechselprodukt bestimmter Darmbakterien mit Alzheimer-relevanten Veränderungen zusammenhängt. Im Fokus steht ein Abbauprodukt von Proteinen: Imidazolpropionat (ImP). Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler Daten von 1196 kognitiv unauffälligen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von rund 61 Jahren. Menschen mit höheren ImP-Werten im Blut schnitten bei kognitiven Tests schlechter ab. Zudem fanden die Forscher erhöhte Werte der Alzheimer-Biomarker pTau-217 sowie Neurofilament Light Chain (NfL), ein Marker für Nervenzellschädigungen. Bei Teilnehmern mit früheren Vergleichsdaten waren höhere ImP-Werte außerdem mit einem stärkeren geistigen Abbau verbunden. Hinweise auf Verbindung zum Gehirn In einem weiteren Schritt untersuchte das Team Stuhlproben von 294 Personen. Dabei suchten die Forscher gezielt nach Bakterien , die mithilfe eines bestimmten Enzyms namens Urocanat-Reduktase an der Bildung von ImP beteiligt sein können. Mehrere Arten kamen dafür infrage, doch nur bei einer zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit den gemessenen ImP-Werten im Blut. Zusätzliche genetische Analysen lieferten weitere Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang. Eine genetische Variante, die mit höheren ImP-Spiegeln verbunden war, ging auch mit einem leicht erhöhten Alzheimer-Risiko einher. Mit einer speziellen statistischen Methode fanden die Wissenschaftler weitere Anzeichen dafür, dass erhöhte ImP-Werte das Erkrankungsrisiko beeinflussen könnten. Möglicher Ansatz für Prävention Auch Versuche mit Alzheimer-Mäusen stützen die Beobachtungen. Nach längerer Gabe von ImP entwickelten die Tiere stärkere Alzheimer-ähnliche Veränderungen. Es bildeten sich mehr Ablagerungen des Eiweißes Amyloid-β – ein typisches Merkmal von Alzheimer. Außerdem zeigten sich mehr krankhafte Veränderungen am Tau-Eiweiß, das ebenfalls bei der Erkrankung eine zentrale Rolle spielt. Zellversuche deuteten darauf hin, dass ImP die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen und krankhafte Prozesse verstärken könnte.