Getreidepreise steigen steil an: Russischer Getreidehafen durch Drohnen zerstört
Die Weizenpreise an der Euronext stiegen am Mittwoch sehr kräftig – nur wenige Stunden vor der Veröffentlichung des monatlichen USDA-Berichts zu Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt. Der Markt rechnet insbesondere mit einer weiteren Abwärtskorrektur der US-Produktionsprognose, die ohnehin bereits den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert erwarten lässt. Der Grund für den Preisanstieg war jedoch anderer: Die heftige Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts (siehe unten) schränkte nach Einschätzung von Analysten die Exportkapazitäten beider Länder massiv ein. Gerüchte über Verhandlungen zwischen den beiden Nationen hatten die Händler zwischenzeitlich beruhigt – die neue Eskalation lösten am späten Dienstag einen einen deutlichen Preisanstieg aus. Auch die Maispreise legten in Europa weiter zu, da Europa vor einer weiteren Hitzewelle steht, was ernste Sorgen hinsichtlich des Zustands der Maispflanzen aufkommen ließ. Bis 18:00 Uhr MEZ stieg der Preis für Euronext-Weizen zur Lieferung im September 2026 um 8,0 €/t auf 221,00 €/t, während der Kontrakt für Dezember 2026 um 5,50 €/t auf 232 €/t zulegte. Euronext-Mais zur Lieferung im November 2026 verteuerte sich um 1,75 €/t auf 249 €/t, und der Kontrakt für März 2027 stieg um 1,25 €/t auf 246,00 €/t. Die US-Weizenpreise stiegen am Mittwoch ebenfalls um mehr als 3 % auf über 6,50 US-Dollar pro Bushel und näherten sich damit dem am 22. Juli erreichten Zweijahreshoch an, da die Sorgen vor Lieferunterbrechungen im Schwarzmeerraum zunahmen. Die Preise zogen an, nachdem Berichte über massive ukrainische Drohnenangriffe bekannt wurden, die den Betrieb an einem Getreideterminal in Noworossijsk – Russlands wichtigstem Weizen-Exporthafen am Schwarzen Meer – zum Erliegen gebracht hatten. Die Angriffe haben neue Bedenken hinsichtlich der Verschiffungen während der Hauptexportsaison für Russland und die Ukraine geweckt, zumal beide Länder zunehmend die Schiffe und die Logistikinfrastruktur der Gegenseite ins Visier nehmen. Es wird erwartet, dass die russischen Weizenexporte im August auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahrzehnt fallen; zudem hat das Beratungsunternehmen IKAR seine Exportprognose für 2026/27 um 500.000 Tonnen auf 44,5 Millionen Tonnen gesenkt. Auch die Ukraine hat ihre Prognose für Getreideexporte um bis zu 12 % nach unten korrigiert. Allerdings könnten eine schwache internationale Nachfrage, niedrigere russische Preise und alternative Exportrouten die Auswirkungen auf die weltweite Versorgung begrenzen. Das US-Landwirtschaftsministerium hatte bereits in seinem jüngsten wöchentlichen Bericht zum Erntefortschritt („Crop Progress Report“) die Bewertung des Zustands von Sommerweizen (Kategorien „gut bis ausgezeichnet“) um vier Punkte auf 51 % gesenkt (gegenüber 49 % im Vorjahr). Nach einer Abwärtskorrektur zum gestrigen Handelsschluss waren die Rapspreise am Mittwoch wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, gaben im späten Handel jedoch erneut leicht nach. Gestützt wurden die Preise jedoch durch die jüngste kräftige Erholung der Rohölpreise sowie durch die ausbleibenden Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Zudem hat sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus seit Tagesbeginn drastisch verringert, was die Energieversorgung nach Europa und Asien weiter unter Druck setzt. Der Sojakomplex verzeichnete im vorbörslichen Handel in Chicago Gewinne – in Erwartung des für heute Abend um 18:00 Uhr angesetzten monatlichen USDA-Berichts. Darüber hinaus melden die USA weiterhin starke Verkäufe nach China, was die Marktteilnehmer nach einer zuvor schleppenden Exportsaison für das Wirtschaftsjahr 2025/26 beruhigt. Unterdessen senkte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) die wöchentliche Bewertung des Sojabohnenbestands von 63 % in der Vorwoche auf 62 % im Bereich „gut bis ausgezeichnet“, während 26 % der Anbauflächen von Dürre betroffen waren. Jüngste Regenfälle und mildere Temperaturen brachten eine gewisse Entlastung nach mehreren Wochen extremer Hitze und Trockenheit in weiten Teilen des Mittleren Westens. Um 18:00 Uhr notierten die Euronext-Rapsterminkontrakte für die Lieferung im November 2026 leicht im Minus bei 534 €/t. Der Kontrakt für Februar 2027 gab um 1 €/t auf 535 €/t nach.