Gewalt in Stade: Eine Stadt ringt um ihre Sicherheit
Stand: 13.07.2026 06:44 Uhr Die Konflikte im Altländer Viertel häufen sich und sorgen für Unruhe in Stade. Nach einem Sicherheitsgipfel wollen Stadt und Polizei das Sicherheitsgefühl der Anwohner verbessern. von Chiara Maja Hülcher Am Samstagabend fallen Schüsse in der Nähe einer Tankstelle. Ende Juni kommt es im Altländer Viertel zu einer Massenschlägerei. Anfang Juli wird die Polizei wegen häuslicher Gewalt alarmiert. Und dann tötet ein Mann sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung. Bei den Stadern sorgt all das vermehrt für Unsicherheit. Menschen fühlen sich unwohl im Altländer Viertel Müllberge, lautstarke Diskussionen und tägliche Polizeieinsätze - das ist der Alltag im Altländer Viertel in Stade. Anwohner berichten gegenüber dem NDR Niedersachsen von Unwohlsein, wenn sie nach der Arbeit in ihre Wohnungen zurückkehren. Es sei nachts bis 3 Uhr laut, weil Nachbarn auf den Rasenflächen vor den Hausblöcken grillen und laut Musik hören. Die Polizei nimmt dann Ansprachen bei den entsprechenden Personen vor - manchmal aber, sagt ein Vermieter, komme sie gar nicht erst. Aus Angst vor Konflikten mit Mietern und Bewohnern möchte er anonym bleiben. Anwohner sind besorgt - Polizei beschwichtigt Der Stader Günter Augustin ist besorgt um seine Tochter, die im Altländer Viertel wohnt: "Die Unruhen sind schon besorgniserregend", sagt er. "Das ist ein unangenehmes Gefühl", erzählt auch Irmgard Hebrank. Sie wohnt zwar nicht im Altländer Viertel, bleibt abends aber aus Sicherheitsgründen lieber zuhause. Entwarnung gibt es von der Polizei und der Stadt: Eine erhöhte Kriminalität können sie hier und in ganz Stade nicht feststellen. "Es ist jetzt gerade auffällig, weil es zweimal hintereinander war, aber wir haben da immer schon solche Einsätze gehabt", so Rainer Bohmbach von der Polizeiinspektion Stade. Die Polizei ist da und sie kümmert sich. Stadtrat Carsten Brokelmann (parteilos) Polizeipräsenz soll Sicherheitsgefühl verbessern Nach dem von Landrat Kai Seefried (CDU) veranlassten Sicherheitsgipfel Anfang Juli soll sich die Polizei breiter aufstellen. Neben den regulären Streifenfahrten durch die Hansestadt soll auch die Bereitschaftspolizei mit Kontrollen am Bahnhof, in der Innenstadt und im Altländer Viertel unterstützen. "Die Polizei ist da und sie kümmert sich", sagt Stadtrat Carsten Brokelmann (parteilos). Außerdem wolle man die Mietverhältnisse und die Wohnsituation der Anwohner im Altländer Viertel prüfen. Seit einigen Jahren sollen Vermieter vereinzelt die finanzielle Not der Bewohner ausnutzen, berichtet ein Mieter. Die Wohnungen seien in einem desolaten Zustand, zum Teil gebe es weder eine Heizung noch warmes Wasser. Maßnahmenplan für Herbst geplant Wie lange die Polizeipräsenz erhöht bleiben soll, liege im Ermessen der Polizei Stade, so Stadtrat Brokelmann. Ab August, kurz vor den Kommunalwahlen, soll in Absprache mit Polizei, Sozialamt und deem Landkreis besprochen werden, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen, um das Sicherheitsgefühl in der Stadt weiter zu stärken.