Gewaltsame Schülerproteste in Frankreich: 400 Schulen bleiben zu
Wegen eskalierender Schülerproteste bleiben in Frankreich am Freitag Hunderte Schulen geschlossen. Bildungsminister Edouard Geffray sprach in einem Interview mit dem Sender France 2 von mehr als 400 betroffenen Schulen und Bildungseinrichtungen.
Gewalttätige Minderheit lässt Proteste eskalieren
Justizminister Gerald Darmanin sagte RTL Radio am Freitag, die Proteste hätten sich zu einem Problem für die öffentliche Ordnung entwickelt. An den Ausschreitungen sei eine "aktive und gewalttätige Minderheit" beteiligt. Teilweise sei unklar, ob es sich überhaupt um Schüler handle. "Wenn Menschen Busse angreifen und Schulen in Brand setzen, handelt es sich nicht mehr nur um eine Protestaktion", sagte Darmanin.
Am Freitagmorgen kam es erneut zu Gewaltakten. In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulen. In Lyon kam es an zehn Schulen zu Zwischenfällen, bei denen Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt wurden. In Marseille wurden Lehrkräfte an einer weiteren Schule versehentlich mit Benzin bespritzt. In Straßburg wurde mindestens ein Auto angezündet, in Toulouse kam es zu Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Bereitschaftspolizei.
Lehrermangel, marode Schulen und Überforderung
Vor dem Pariser Gymnasium Turgot blockierten am Freitagmorgen erneut zahlreiche Schüler den Eingang und forderten vorbeifahrende Autofahrer zum Hupen auf. "Wir wollen bessere Bedingungen, es fallen ständig Lehrer aus und werden nicht ersetzt", sagte die 15-jährige Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. "Während der Hitzewelle hatten wir 37 Grad und saßen tagelang im Dunklen – und im Winter frieren wir", beklagte sie.
Der gleichaltrige Simon erzählte, dass er "ein Jahr lang keinen Bio-Unterricht" gehabt habe. Außerdem seien die Schultage zu lang und anstrengend. "Wir haben oft von 8.00 bis 18.00 Uhr Schule und müssen dann noch zwei Hausaufgaben machen", sagte er. "Es gibt allgemein eine große Nervosität und Übermüdung."
Eltern sollen Kinder von der Straße fernhalten
Der französische Bildungsminister hat nun an die Eltern appelliert, ihre Kinder von den Blockaden abzuhalten. "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mehr auf der Straße sind, weil sie dort in Gefahr sind", sagte Bildungsminister Édouard Geffray am Freitag dem Sender BFM. Am Freitag will Geffray Vertreter der Gewerkschaften empfangen. "Es ist ein Problem, dass es keine national einheitlichen Forderungen gibt", erklärte er. Die Bewegung sei aus vielen verschiedenen Gründen entstanden.
Das Amt von Premierminister Sébastien Lecornu erklärte unter Berufung auf die Geheimdienste, die Protestbewegung sei "ein organisiertes Manöver der LFI und ihrer linksextremen Verbündeten". LFI-Koordinator Manuel Bompard wies dies zurück. Es handle sich um eine "spontane Protestbewegung angesichts unwürdiger Bedingungen im Schulwesen". Er forderte die Regierung auf, "nicht in Verschwörungstheorien zu verfallen".
Justizminister Gérald Darmanin kündigte unterdessen an, die Eltern von Minderjährigen für die verursachten Sachbeschädigungen heranzuziehen. "Wenn Schulen und Bushaltestellen beschädigt und öffentlicher Nahverkehr zum Ziel werden, dann müssen wir künftig die Eltern in die Verantwortung nehmen", sagte er.
Bisher rund zweitausend Festnahmen
Seit Beginn der Proteste in der vergangenen Woche seien etwa 2.000 Menschen festgenommen worden, davon 90 Prozent Minderjährige, teilte Darmanin mit. Ein Drittel sei wegen Gewalt gegen Personen in Gewahrsam gekommen. Der Justizminister sprach von einer "aktiven und gewaltbereiten Minderheit", zu der vermutlich auch Nicht-Schüler zählten.
Die Organisatoren riefen unterdessen für Dienstag zu neuen Demonstrationen auf.
Mit Informationen von AFP und Reuters