Gewöhnt sich der Körper an Hitze?
Startseite Panorama Hitzewelle in Deutschland: Wie der Körper sich anpasst und wo er kapituliert Von: Denise Burmester Uns auf Google folgen Nach ein paar schweißtreibenden Tagen fühlt sich Hitze oft erträglicher an. Was in dieser Zeit im Körper wirklich passiert, überrascht selbst Fachleute. Deutschland schwitzt. Der Balkon wird tagsüber zur Sauna und nachts bringt kein Fenster genug Abkühlung. Wer schon länger hier lebt, kennt das Gefühl: Nach den ersten heißen Tagen im Jahr scheint der Körper besser mit der nächsten Hitzewelle klarzukommen. Die Haut schwitzt schneller, der Kreislauf reagiert ruhiger. Klingt nach einem cleveren Trick der Natur. Doch was passiert wirklich, wenn eine Hitzewelle Tag für Tag andauert? Der Körper kann sich tatsächlich an hohe Temperaturen anpassen, Mediziner sprechen von „Hitzeakklimatisation“. Doch innerhalb einer einzelnen Hitzewelle greift dieser Schutz nicht. Im Gegenteil, das Sterberisiko steigt laut einer Studie mit jedem weiteren heißen Tag. Erste Veränderungen im Körper zeigen sich schon nach wenigen Tagen, eine spürbare Anpassung benötigt laut der Studie etwa sieben bis 14 Tage Hitze am Stück. Das Blutplasmavolumen wächst, die Haut wird stärker durchblutet. Herzfrequenz und Körperkerntemperatur steigen bei gleicher Belastung dann etwas weniger stark. Anpassung an Hitze: Was im Körper wirklich passiert Die Anpassung des Körpers hält nicht dauerhaft an: Der Effekt beginnt bereits nach rund einer Woche ohne Hitze zu verfallen, nach etwa drei Wochen sind schon rund 75 Prozent der Anpassung wieder verschwunden. Ein heißer Sommer schützt also nicht automatisch vor der nächsten Hitzewelle im Folgejahr. Die wichtigsten Erkenntnisse zur Hitzegewöhnung im Überblick: Schwitzen wird effizienter: Der Körper beginnt früher zu schwitzen und kann Wärme dadurch besser abgeben. Die Anpassung hat Grenzen: Alter, Körpergewicht und Gesundheitszustand beeinflussen, wie gut der Organismus mit Hitze zurechtkommt. Fettgewebe wirkt im Körperinneren wie eine Isolationsschicht, die Wärme zurückhält. Nächte entscheiden mit: Bleiben Wohnungen warm, fehlt dem Körper die Erholung. Mehrere heiße Tage hintereinander belasten ihn deshalb besonders stark. Der Effekt verschwindet wieder: Nach längeren kühlen Phasen ist ein großer Teil der Anpassung verloren. Ein heißer Sommer schützt daher nicht automatisch vor der nächsten Hitzewelle. Bei älteren Menschen lässt zudem die Gefäßelastizität nach und das Durstgefühl setzt später ein. Die Körperkerntemperatur steige nach einer Gewöhnung zwar weniger stark an, ältere Menschen benötigten dafür aber deutlich mehr Zeit. Eine Auswertung von 305 Messstationen in neun Ländern zeigt, warum die erste Hitzewelle des Jahres besonders gefährlich ist. Im Frühsommer liegt das hitzebedingte Sterberisiko deutlich höher als im August oder September. Der Deutsche Wetterdienst reagiert darauf: Die Schwelle für eine offizielle Hitzewarnung ist im Frühsommer niedriger angesetzt als später im Jahr. Todesfälle durch Hitze und Temperaturen in der Nacht Allein bis Ende Juni 2026 wurden in Deutschland rund 5100 hitzebedingte Todesfälle geschätzt, das ist mehr als die Gesamtzahl der meisten Jahre seit 2016. Als Gründe für das sinkende Risiko im Sommerverlauf diskutieren Forscher neben der körperlichen Anpassung auch verändertes Verhalten wie mehr Trinken und gezielte Kühlung.