Gianni Infantino: Uefa plant Strafverfahren gegen Fifa-Präsident
Im Streit über den WM-Investorendeal bereitet die Uefa ein Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino vor. Der europäische Fußball-Kontinentalverband fordert die Fifa und beteiligte Finanzinstitute daher zur Herausgabe von Dokumenten zu dem gescheiterten Projekt auf, wie aus einem 60-seitigen Dokument an ein Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida hervorgeht. Grund sind mögliche finanzielle Verfehlungen im Zusammenhang mit seinem gescheiterten Plan, künftige WM-Gewinne an private Investoren zu verkaufen.
Wie die Uefa mitteilte, hat sie bei einem Gericht in Manhattan Unterlagen eingereicht, in denen sie die Offenlegung potenzieller Beweismittel beantragt. Dabei soll es sich um Dokumente handeln, die den von Joshua Kushner gegründeten New Yorker Investmentfonds Thrive Capital Management betreffen. Laut »Financial Times« war Thrive Capital Management in Infantinos Fifa-Verkaufsplänen als Hauptinvestor vorgesehen.
Die Uefa erklärte demnach, sie bereite sich darauf vor, »in der Schweiz Strafanzeige gegen Infantino und möglicherweise weitere Fifa-Funktionäre und -Berater wegen krimineller Misswirtschaft zu erstatten«. Im Falle einer Verurteilung könnte Infantino der Uefa zufolge sogar eine Haftstrafe drohen. Ein Verfahren würde in der Heimat der Fifa, der Schweiz, anhängig sein. Der Weg über die US-Justiz hat formale Gründe, da in Florida die Fifa-Rechtsabteilung ansässig ist.
Vorangegangen war die Debatte über die gescheiterten Investorenpläne von Infantino: Er hatte im Juli angekündigt, einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren an Investoren verkaufen zu wollen. Infantino wollte Anteile an den Premiumprodukten des Weltverbands an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war. Technologieinvestor Joshua Kushner hätte bei dem Projekt eine Schlüsselrolle einnehmen sollen.
Nach dem Bekanntwerden der inzwischen zurückgenommenen Pläne über die Einbindung von privaten Investoren für zukünftige WM-Geschäfte hatten die 55 Mitgliedsverbände der Uefa mit einem Boykott aller Wettbewerbe des Weltverbands Fifa gedroht. Außerdem drohte die Uefa mit rechtlichen Schritten, Forderungen nach Infantinos Rücktritt wurden laut.
Das Vorgehen erinnert an den Sturz von Infantinos Vorgänger Joseph Blatter im Jahr 2015. Der langjährige Fifa-Boss gab sein Amt auf, nachdem die US-Justiz in zahlreichen Fällen ermittelt hatte. Blatter selbst wurde nie verurteilt, aber sein Führungskonzept war nicht mehr tragbar. Nun attackiert die Uefa Infantino allerdings frontal.