Gicht: Therapieabbruch erhöht Rückfallrisiko auf 31,8 Prozent
Gicht gilt gemeinhin als Wohlstandskrankheit, die eng mit erhöhten Harnsäurewerten und einem ungesunden Lebensstil verknüpft ist. Forscher weisen jedoch darauf hin, dass Gichtanfälle auch bei unauffälligen Harnsäurewerten auftreten können. Diese Beobachtung deutet auf komplexere Krankheitsmechanismen hin, als es das gängige Bild der reinen Ernährungs- und Lebensstilerkrankung nahelegt. Symptome und Diagnose Gicht äußert sich typischerweise durch plötzlich einsetzende, meist nächtliche Schmerzen sowie Rötung und Schwellung der betroffenen Gelenke. Laut Angaben von Biomedicus tritt bei der Erstattacke bei rund 70 Prozent der Betroffenen die sogenannte Podagra auf, also ein Befall des Großzehengrundgelenks. Die gesicherte Diagnose erfolgt über eine Gelenkpunktion, bei der Mononatriumurat-Kristalle im Gelenkpunktat nachgewiesen werden. Therapiefortführung senkt Rückfallrisiko deutlich Wie wichtig die konsequente Fortführung einer harnsäuresenkenden Therapie (ULT) ist, zeigte eine niederländische Studie, die auf dem EULAR-Kongress 2026 in London vorgestellt wurde. Bei 309 untersuchten Gichtpatienten erreichten 79,2 Prozent eine Remission, wenn die Treat-to-Target-Therapie fortgeführt wurde. Wurde die Behandlung nach 24 Monaten dagegen abgesetzt, lag die Remissionsrate nur bei 62,9 Prozent. Noch deutlicher fiel der Unterschied bei den Rückfällen aus: Die kumulative Häufigkeit erneuter Gichtanfälle lag bei fortgeführter Therapie bei 12,3 Prozent, bei einem Absetzversuch dagegen bei 31,8 Prozent. Von den Patienten, die die Behandlung abgesetzt hatten, mussten laut der Studie 23 Prozent die ULT nach im Median 392 Tagen wieder aufnehmen. Die Daten sprechen dafür, dass ein frühzeitiges Beenden der Therapie das Rückfallrisiko erheblich erhöht, selbst wenn zuvor eine klinische Stabilisierung erreicht wurde. Anzeige Gelenkschmerzen und Schwellungen belasten den Alltag oft massiv, doch bestimmte Druckpunkte am Körper können hier eine natürliche Unterstützung bieten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Beschwerden in den Gelenken gezielt und ohne Medikamente selbst lindern können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose und Gelenkschmerzen jetzt kostenlos entdecken Zusammenhang mit Körperfettverteilung Über die reine Harnsäurewerte hinaus rückt auch die Körperzusammensetzung stärker in den Fokus der Forschung. Eine Analyse der UK Biobank ergab einen Zusammenhang zwischen Gicht und viszeralem Fett, Leberfett sowie Muskelfett. Diese Befunde stützen die Annahme, dass nicht allein der Harnsäurespiegel, sondern auch stoffwechselbedingte Fettverteilungsmuster eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen könnten. Neue Therapieansätze bei eingeschränkter Nierenfunktion Für Gichtpatienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) stellt die Behandlung besondere Herausforderungen dar. Eine auf der ASN Kidney Week 2025 vorgestellte, kommerziell von Amgen unterstützte Studie untersuchte die Kombination aus Pegloticase und niedrig dosiertem Mycophenolat-Mofetil (MMF, bis zu 500 mg zweimal täglich) bei 15 Patienten mit Gicht und CKD. Die Behandlung senkte den Serum-Harnsäurespiegel auf unter 0,2 mg/dL. Zugleich blieb die Nierenfunktion, gemessen an der eGFR, bei der Hälfte der Patienten mit milder CKD stabil oder verbesserte sich, bei Patienten mit schwerer CKD traf dies auf 78 Prozent zu. Anzeige Wer sich mit Stoffwechselprozessen und Entzündungen im Körper befasst, erkennt schnell den großen Einfluss der täglichen Nahrungsmittel auf das eigene Wohlbefinden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, welche 12 Lebensmittel als natürliche Entzündungs-Killer wirken und wie Sie Schmerzen sanft lindern können. Kostenlosen Ratgeber für entzündungshemmende Ernährung anfordern Einordnung Die vorliegenden Daten zeichnen ein Bild von Gicht, das über die klassische Vorstellung einer rein durch Ernährung und Lebensstil bedingten Erkrankung hinausgeht. Sowohl die Fortführung einer konsequenten harnsäuresenkenden Therapie als auch die Berücksichtigung von Körperfettverteilung und Nierenfunktion erscheinen als relevante Faktoren für die langfristige Kontrolle der Erkrankung. Für Patienten mit unauffälligen Harnsäurewerten, die dennoch Gichtanfälle erleiden, könnten diese Erkenntnisse Anlass sein, gemeinsam mit behandelnden Ärzten weitere Ursachen abzuklären.