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Gießen: Aus für geplante Insektenzuchtfarm am Fraunhofer-Institut

Technologie

Eigentlich sollte noch in diesem Jahr der Spatenstich erfolgen: In einer Halle neben dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) in Gießen sollten jährlich bis zu 10.000 Tonnen Insektenlarven gezüchtet werden.

Doch daraus wird nichts. Das Unternehmen EntoSolutions aus Bayern hat den Neubau abgesagt. In Gießen wird es demnach keine industrielle Massenproduktion von Mehlwürmern, Soldatenfliegen und Schaben geben. Auch ein sogenanntes Technikum, wo EntoSolutions gemeinsam mit dem IME entwickeln und forschen wollte, wird demnach nicht entstehen.

Unternehmen setzt auf kleinere Anlagen

Gegenüber hessenschau sagte der Geschäftsführer des bayerischen Start-ups, Andreas Köck, eine Anlage in dieser Größenordnung sei wirtschaftlich nicht sinnvoll. Geplant war eine Halle auf 10.000 Quadratmetern Grundfläche hinter dem Fraunhofer-Institut.

Stattdessen wolle sein Unternehmen kleinere Anlagen bauen, stärker mit regionalen Landwirten zusammenarbeiten und bestehende Gebäude nutzen, sagte Köck. Ein sogenannter Ento-Hub könne in Baden-Württemberg oder bis 2028 auch in Kassel entstehen.

Lokale Landwirte sollten "Insektenfarmer" werden

Das Start-up wollte in Gießen die industrielle Zucht und Verwertung von Insekten vorantreiben. Diese sollten wiederum in verschiedenen Gebieten zum Einsatz kommen, vor allem als alternative Proteinquelle für Futter- und Lebensmittel.

In der nun verworfenen Halle sollten die Larven gezüchtet werden. Das Konzept sah außerdem die Einbindung lokaler Landwirte als künftige Insektenfarmer für die Mast der Tiere vor.

Forschungsinstitut unter Druck

Für das Fraunhofer-Institut in Gießen kommt das Aus des Projekts zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat zuletzt angekündigt, europaweit bis 2028 rund 1.200 Vollzeitstellen abzubauen.

Nach Angaben des Instituts werden derzeit keine weiteren Pläne für eine Zuchtanlage auf dem Gelände verfolgt. Es habe sich um ein privates Bauvorhaben des Unternehmens gehandelt. Mit dem Projekt habe man langfristig das Ziel verfolgt, Wissenschaft, Landwirtschaft, industrielle Anwendungen und Gründungsaktivitäten im Bereich der Insektenbiotechnologie in Mittelhessen enger zu vernetzen.

Fraunhofer: Forschung weiterhin relevant

"Die wissenschaftlichen Themen sind nach wie vor relevant", teilte das Institut mit. Man werde sie künftig vor allem über Forschungsprojekte, die Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie Partnerschaften mit Unternehmen aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft weiterentwickeln.

Konkret habe man am Institut in Gießen zuletzt aus Eigenmitteln drei kleinere Insektenzucht-Container aufgebaut. "Sie werden für anwendungsorientierte Forschungsarbeiten zu Nutzinsekten genutzt und können interessierten Unternehmen im Rahmen gemeinsamer Projekte als Reallabor dienen." Man könne dort beispielsweise Zuchtverfahren, Fütterungskonzepte, Verwertungswege und weitere Anwendungen unter praxisnahen Bedingungen erproben und weiterentwickeln.

Rund 50 Beschäftigte in Gießen

Das IME in Gießen ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft, der europaweit größten Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen mit rund 32.000 Angestellten. Der Schwerpunkt des IME liegt auf der Molekularbiologie und Ökologie.

In Gießen befindet sich nach eigenen Angaben ein weltweit einzigartiges Zentrum für die Erschließung von Bioressourcen für die Anwendung in Medizin, Pflanzenschutz und Lebensmittelindustrie. Außer an Insekten wird dort beispielsweise an der Nutzung von Garnelen, Pilzen und anderen Naturstoffen geforscht.

Aktuell sind am Standort Gießen knapp 50 Personen beschäftigt. Welche langfristigen Folgen die Kürzungen innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft und der Rückzug von EntoSolutions für das Institut haben werden, ist derzeit offen.

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