Giorgia Meloni: Liebe Grüße, Giorgia und Mette
Als 2022 mit Giorgia Meloni eine Vertreterin der postfaschistischen Partei Fratelli d‘Italia Ministerpräsidentin von Italien wurde, war das Entsetzen groß. Zumindest kurz. Dann wich es Erleichterung und sogar einer gewissen Faszination. Weder schien Meloni Schaden an der EU anrichten zu wollen noch fiel sie in deren Reihen mit schrillem Populismus auf. Im Gegenteil: Sie machte sich schnell unverzichtbar.
Dass sie lange Zeit einen guten Draht zu Donald Trump hatte, nutzte Meloni, um zwischen Europa und den USA zu vermitteln. Gemeinsam mit anderen europäischen Regierungschefs und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj reiste sie etwa nach Washington, um über ein mögliches Kriegsende zu verhandeln. Und je größer die Kluft zwischen Deutschland und Frankreich wurde, je mehr Regierungskoalitionen ringsum zerbrachen, desto verlässlicher stand Meloni da. Europas »Stabilitätsanker« ist das Bild, mit dem sie in deutschen Medien häufig beschrieben worden ist.