Gipfel in der Türkei: Erdogan bereitet Trump pompösen Empfang – der schimpft über Verbündete
US-Präsident Donald Trump hat bei einem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor dem Nato-Gipfel seine Enttäuschung über das Verhalten der Verbündeten während des Iran-Kriegs bekräftigt. „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“, sagte Trump am Dienstag vor Journalisten in Ankara. „Italien hat uns abgewiesen, Deutschland hat uns abgewiesen, Frankreich hat uns abgewiesen, und das ist in Ordnung“, sagte Trump. Dann fügte er hinzu: „Aber wissen Sie, warum geben wir Hunderte Milliarden Dollar aus, und sie sind nicht für uns da? Wir waren immer für sie da.“ „Ich wollte sehen, ob sie für uns da sein würden“ „Wir brauchten überhaupt keine Hilfe, und in gewisser Weise habe ich die Leute auf die Probe gestellt“, sagte Trump weiter. „Ich wollte sehen, ob sie für uns da sein würden, denn ich habe schon lange gesagt, dass wir ihnen geholfen haben, bin mir aber nicht sicher, ob sie auch für uns da sein würden.“ Erdogan würdigte Trump mit einem spektakulären Empfang. Nachdem er ihn zuvor schon persönlich am Flughafen begrüßt hatte, gab es für den US-Präsidenten bei seiner Ankunft auf dem Gelände des Präsidentenpalastes eine zweite, pompöse Begrüßung. Trumps Limousine wurde von einer hellblau gekleideten Reiterstaffel eskortiert – angeführt von zwei Reitern, die die türkische und die US-Flagge trugen. Wenig später ertönte nicht nur die Nationalhymne der USA, sondern auch mehrere Kanonenschüsse. Eine Militärkapelle spielte, Kampfjets flogen über das Gelände und stießen rote, weiße und blaue Wolken aus – die Farben der amerikanischen Flagge. Laut türkischen Medien handelte es sich um F5-Jets der Kunstflugstaffel der Luftwaffe. Für andere Gäste des Gipfels war ein solcher Empfang nicht angekündigt. Eines der Hauptthemen des zweitägigen Nato-Gipfels in der Türkei ist der Ukraine-Krieg. Trump äußerte bei seinem Treffen mit Erdogan die Ansicht, dass sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj eine Friedenslösung anstrebten. „Ich denke, sie beide wollen eine Abmachung treffen“, sagte Trump und fügte an: „Schade, dass es so lange gedauert hat, aber ich denke, es wird etwas dabei herauskommen.“ Rutte versuchte, die Wogen zu glätten Drohungen Trumps gegen Grönland, immerhin ein Teil des Nato-Partners Dänemark, trugen laut CNN zu Spannungen vor dem Gipfel bei, an dem Trump eigenen Angaben zufolge nur widerwillig teilnimmt. Bei einem Treffen mit dem Nato-Generalsekretär Mark Rutte im vergangenen Monat sagte Trump, er nehme an dem Gipfel nur teil, weil der Gipfel vom türkischen Präsidenten Erdoğan ausgerichtet werde. Der US-Präsident sieht Erdoğan als seinen Freund an. Dem Sender zufolge gab eine mit dem Vorgang vertraute Quelle an, es sei Trump und seinem Team vermittelt worden, dass ein Fernbleiben respektlos gegenüber Erdoğan sei. Rutte hatte sich bei seinem Besuch im Weißen Haus Mühe gegeben, die Wogen zu glätten. Dem Bericht zufolge sollen Regierungsvertreter in Gesprächen die Befürchtung geäußert haben, dass der Gipfel angesichts der schlechten Laune des Präsidenten möglicherweise nicht reibungslos verlaufen würde. „Keine Wutausbrüche von Präsident Trump“ sind laut der ehemaligen Nato-Sprecherin Oana Lungescu schon ein Indikator für einen positiv verlaufenden Gipfel. Dazu „eine Bekräftigung der Einheit des Bündnisses“, sagte Lungescu dem britischen „Guardian“. Sie erwarte, dass das gemeinsame Abschlussdokument des Treffens kurz ausfallen werde.