Gladbach: Erstes Training am Tegernsee mit Gewitter - Reyna vor Wechsel
Borussia Mönchengladbach ist am Sonntag um 13.06 Uhr am Hotel „Überfahrt“ in Rottach-Egern angekommen, als erster Borusse kletterte der neue Stürmer Isac Lidberg aus dem Bus. Am Tegernsee ist bis zum 9. August das Sommertrainingslager des Bundesligisten. Mit dabei sind 30 Profis: vier Torhüter und 26 Feldspieler. Das erste Training Pünktlich um 17 Uhr betraten die Borussen unter dem Applaus Hunderter Gladbach-Fans den Trainingsplatz. Gut eine Stunde dauerte die erste Einheit, die vor allem der Regeneration diente. Das übliche Autogramm- und Selfieprogramm auf dem Weg zum Bus fiel weitgehend aus, denn genau zum „Abpfiff“ der Einheit ging ein starkes Gewitter auf Rottach-Egern nieder. Verteidiger Kevin Diks gab, bevor der große Regen einsetzte, ein erstes Statement. „Es ist schön, wieder hier zu sein. Es ist mein zweites Jahr hier, also kenne ich alles. Es fühlt sich fast an wie nach Hause zu kommen“, sagte der indonesische Nationalspieler. Diks ist guter Dinge, was die Saison angeht. „Wir wollen es besser machen als letztes Jahr. Es war mental ein hartes Jahr. Wir hatten nicht die Ergebnisse, die wir wollten. Wir haben lange gegen den Abstieg gekämpft, und ich denke, Borussia ist nicht der Verein, der dagegen kämpfen sollte. Ich sehe viele positive Dinge und Veränderungen, und ich bin zufrieden damit“, sagte er. Diks' Zimmergenosse ist der neue Sechser Enzo Leopold. Er ist einer von vielen Tegernsee-Debütanten und Bundesliga-Newcomern im Team. 2025 war Diks so einer, nun geht er in das zweite Jahr im deutschen Oberhaus. „Ich kenne die Liga, die Spieler, das Team, Borussia in- und auswendig“, sagte Diks. Ergo kann er seinem Mitbewohner sicher wertvolle Tipps geben. Für Montag und Dienstag ist jeweils um 10.30 Uhr und um 16.30 Uhr Training angesetzt. Auf dem Parkplatz am Sportplatz am Birkenmoos in Rottach-Egern steht für die Profis neuerdings auch ein Fitness-Zelt zur Verfügung. Prominenz fehlt Nicht mit zum Tegernsee gereist sind Giovanni Reyna, Nathan Ngoumou und Tomas Cvancara. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass diese drei Spieler in den Planungen für die Saison keine Rolle spielen und auf der Suche nach neuen Arbeitgebern sind. Bei Cvancara, der nach seiner Adduktoren-OP noch im Aufbautraining ist, war klar, dass er nicht mitreist. Die Borussen würden das Kapitel mit dem Stürmer gerne beenden. Doch muss er zunächst fit werden, um überhaupt einen Markt zu haben. Daher dürfte es bei ihm auf eine Leihe hinauslaufen. Dass Ngoumou und vor allem Reyna nicht dabei sind, überrascht schon eher. „Nathan hat sich bisher in der Vorbereitung empfohlen, auch im Testspiel in Wuppertal. Wir haben aber ausreichend Spieler auf seiner Position für das Trainingslager“, erklärte Trainer Eugen Polanski. Ngoumou ist wegen seines auslaufenden Vertrags ein Verkaufskandidat. Als konkreter Interessent wurde zuletzt der RSC Anderlecht genannt, auch Klubs aus Frankreich und Polen sollen sich mit dem Rechtsaußen beschäftigen. Bei Giovanni Reyna glauben die Gladbacher offenbar nicht mehr daran, dass der verletzungsanfällige Offensivspieler noch die Kurve kriegt, nachdem seine erste Saison als Borusse alle Befürchtungen bezüglich seiner Instabilität bestätigt hat. „Der US-Amerikaner ist freigestellt für Gespräche mit einem anderen Verein“, teilte Borussia mit. Bei Reyna könnte es sogar schnell zur Trennung kommen, ein Abgang könnte Montag oder Dienstag über die Bühne gehen. „The Athletic“ berichtete zuletzt sehr konkret über das Interesse von Racing Straßburg am US-Amerikaner, es hat dem Vernehmen nach auch schon Gespräche gegeben. Eine Chance für die Jugend Die Talente Dillon Berko (20), Edin Biber (17), Fritz Fleck (19), Mathieu Nguefack (18) und Iaia Manco Danfa (19) sind seit dem Start in die Vorbereitung dabei und haben es nun auch in die Tegernsee-Reisegruppe geschafft. Fleck und Nguefack überzeugten Kostenpflichtiger Inhalt am Samstag beim 3:1 im Testspiel in Rostock. Berko wurde zwischenzeitlich von Polanski ein wenig kritisiert, doch auch er machte in Rostock ein ordentliches Spiel. Aufgrund des Ausfalls von Yukhym Konoplia und des möglichen Abgangs von Joe Scally, der im Gegensatz zu seinem Landsmann Reyna aber am Tegernsee dabei ist, soll sich Berko im „Lager“ weiter akklimatisieren. Tyler Meiser profitiert von der Verletzung Fabio Chiarodias, der U23-Verteidiger rückte auf. Für Chiarodia kann die Verletzung problematisch sein, denn Zukauf Jan Leszczynski ist bislang eine der auffälligsten Figuren der Vorbereitung. Nun kann sich auch Talent Meiser, der wie Fleck von Borussia Dortmund kam, aufstellen. Das genannte Sextett plus Toptalent Wael Mohya, der zweite 17-Jährige neben Biber im Aufgebot, der aber schon gesetzt ist bei Polanski – insgesamt sieben von 30 Borussen in Rottach-Egern haben noch den Status „Talent“, das sind rund 23 Prozent. Das zeigt, dass der Nachwuchs auf breiter Front eine nachhaltige Chance bekommt, sich auch in der zweiten Phase der Vorbereitung zu zeigen. „Die Jungs haben sich das Ticket ins Trainingslager verdient“, sagte Polanski. Er hat die Tür aufgemacht, nun ist es an den Talenten, durchzugehen. „Es ist aber gleichzeitig Auftrag und Verpflichtung, sich weiter voll reinzuhauen.“ Trainingsgruppe Die Urlaubs-Rückkehrer Nico Elvedi und Scally gelten weiter als Wechselkandidaten. Während Gladbach mit Scally gerne noch Geld verdienen würde, soll Elvedi unbedingt gehalten werden. Beide werden sich in Rottach-Egern erst mal herantasten an den Rest, der einigen Vorsprung hat.