Gladbach: FPMG fordert Präsident Bonhof erneut zum Rücktritt auf
Borussias Fans sind leidgeprüft, so schnell kann sie nichts aus der Bahn werfen. Dass sechs Niederlagen zum Saisonstart jedoch auch etwas mit ihnen machen, Kostenpflichtiger Inhalt war zu spüren nach dem Abpfiff des Heimspiels am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim. Dem einst so ruhmreichen Klub droht der dritte Abstieg in die Zweite Bundesliga.
Passend dazu war auf den Rängen ein Plakat zu sehen, das die Helden der glorreichen Siebzigerjahre, Spielmacher Günter Netzer und Trainer Hennes Weisweiler zeigt. Netzer hat auf dem Banner eine Sprechblase bekommen: „Borussia, was ist nur aus dir geworden?“, ist darin zu lesen. Einen Tag nach dem 1:2 gegen die TSG gab es am Montag aber auch das klare Signal aus der Gladbacher Fanszene, dass es keine Option sei, nun aufzustecken. Vielmehr wollen die Fans vorangehen.
„Mit Blick darauf, dass uns in diese Saison wohl noch ernster als zuletzt die große Katastrophe zu drohen scheint und die Mannschaft bislang keine Anstalten macht, von sich aus den Funken zu entzünden, liegt es mal wieder an uns“, heißt es in einer Stellungnahme des FPMG Supporters Club.
Der Fandachverband will aufrütteln und ruft nach dem historisch schlechten Saisonstart zur weiteren Unterstützung der Mannschaft auf: „Schleift Freunde und Bekannte ins Stadion, rappelt die Leute in der Kurve um euch herum wach, stoßt euren Sitznachbarn auf der Tribüne an und tragt euren Teil dazu bei, dass wir den Karren hier aus dem Dreck ziehen.“ Es gelte in den kommenden Spielen „alles reinzuwerfen, um entgegen aller Prognosen doch noch irgendwie endlich zu punkten, und den Anschluss hinzubekommen“.
In seiner Stellungnahme setzt sich der FPMG Supporters Club jedoch nicht nur mit der aktuellen sportlichen Situation auseinander, sondern macht deutlich, dass er ein übergeordnetes Thema keinesfalls aus den Augen verloren hat.
Bereits im vergangenen Frühjahr hatte der Fandachverband vor der Mitgliederversammlung eine „sofortige Neuaufstellung des Präsidiums“ gefordert. Die Hoffnung der Anhänger, dass das Gremium um Präsident Rainer Bonhof, dessen Amtszeit im Frühjahr 2027 endet, vorzeitig den Weg für eine Neuaufstellung freimacht, ist nicht aufgegangen.
„Wir haben an verschiedenen Stellen betont, dass es uns nicht um Palastrevolutionen oder die Installation unverhältnismäßig vieler Fanvertreter in den Gremien geht, sondern wir einzig und allein das Beste für Borussia Mönchengladbach wollen. Mit Blick auf die momentane Lage müssen wir aber unsere Forderung aus dem Frühjahr bekräftigen: Wir versichern jedem, der es mit unserer Borussia hält, dass wir nicht tatenlos zusehen werden, wie unser Verein vor die Wand gefahren wird. In den kommenden Wochen wird von uns dazu zu hören sein“, heißt es nun.
Noch ist unklar, ob sich die Fanszene in Bezug auf mögliche Nachfolger konkret positioniert. Das FPMG betonte aber, dass es sich gegen jede Bestrebung stellen werde, wie es sie vor 15 Jahren mit der damaligen Initiative Borussia gegeben habe: „Wer aus der momentanen Misere Profit schlagen will, um den Verein von außen gegen die Basis der Fans aufzustellen, wird es mit eben jenen Fans zu tun bekommen.“
Der Supporters Club ging zudem auf die Krawalle ein, die das Derby beim 1. FC Köln vor einer Woche überschattet hatten und bei denen sechs Personen verletzt worden waren. Vor allem verteidigte er sich gegenüber der Kritik, nicht früher zum Fehlverhalten einiger Gladbacher Fans Stellung bezogen zu haben: „Auch wenn wir eine klare Haltung zu den Vorkommnissen haben und es keine zwei Meinungen geben kann, dass niemals Menschen durch Pyrotechnik verletzt werden dürfen, erachten wir es im Sinne aller Fans und der Vermeidung künftiger Eklats als unausweichlich, die interne Aufarbeitung und persönliche Gespräche jedem bloßen Floskelstatement und bedeutungsloser Distanzierungen voranzuziehen.“
Es seien in persönlichen Gesprächen die richtigen Schlüsse aus dem Derby gezogen worden, fasste der Fandachverband zusammen. Das Hauptaugenmerk soll nun aber auf dem sportlichen Ist-Zustand liegen. „Die fanszeneinternen und vereinspolitischen Nebenkriegsschauplätze werden wir beackern, aber in den nächsten Wochen muss unser Fokus definitiv darauf liegen, dass wir alles dafür tun, damit Borussia Mönchengladbach am Ende dieser Saison weiter dort ist, wo dieser Verein hingehört“, heißt es abschließend.