Gladbach und 1. FC Köln verurteilen Fan-Krawalle beim Derby - „Absolute No-Gos“
In der 76. Minute hatte Florian Badstübner genug gesehen. Der Schiedsrichter unterbrach das 101. Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Auslöser waren die anhaltenden Tumulte, die nach dem Kölner Tor zum 2:1 – es sollte letztlich auch der Siegtreffer sein – begonnen hatten. Im Oberrang der Nordkurve waren Gladbacher und Kölner Fans aneinandergeraten.
Böller wurden gezündet, erste Leuchtraketen flogen aus dem Gladbacher Block, dann drohte die Situation zu eskalieren, als eine Scheibe aus Sicherheitsglas, die die Lager zunächst noch trennte, zu Bruch ging. Fans beider Klubs gingen mit den Fäusten und mit Tritten aufeinander los, sodass mancher Fan mehr auf die Tribüne schaute als auf das Geschehen auf dem Spielfeld.
„Diese Bilder haben im Fußball nichts verloren und wir wollen sie nicht haben. Das gilt für uns in Köln genauso wie für unsere Kollegen in Gladbach“, äußerte sich nach der Partie Philipp Türoff, Sprecher der Geschäftsführung der Kölner. Er sprach dabei von vielen „individuellen Störungen“ und fügte hinzu: „So kurz nach dem Spiel ist nicht der Moment, um zu bilanzieren. Wir haben uns in der Vorbereitung sehr viele Gedanken gemacht. Wir haben sehr eng mit den Sicherheitsbehörden, aber auch mit unseren Gladbacher Kollegen zusammengearbeitet.“
Nach einigen Minuten zeigte die Polizei Präsenz im Oberrang und brachte die Situation so unter Kontrolle, dass die Partie nach dreiminütiger Unterbrechung fortgesetzt werden konnte. Der Imageschaden war jedoch beträchtlich für die Gladbacher, die neben der fünften Niederlage im fünften Saisonspiel die Krawalle als zusätzliches Thema mit auf die Heimreise nahmen. Und Strafen dürfte es für beide Klubs geben.
„Wir können den Frust der Fans verstehen. Auch wir sind enttäuscht. Aber: Das Werfen von Böllern und das Abschießen von Raketen und die damit einhergehende Gefährdung von Menschen sind absolute No-Gos und ein wirklich enttäuschendes Verhalten. So etwas hat im Stadion nichts zu suchen, ist absolut nicht das Bild, das wir als Verein abgeben wollen. Sollte sich jemand verletzt haben, entschuldigen wir uns jetzt schon“, äußerte sich Gladbachs Geschäftsführer Markus Aretz. Und auch Sportchef Rouven Schröder bezog Stellung zu den Vorfällen.
„Das kann so nicht funktionieren. Ich bin selbst Familienvater und möchte keine Böller durch die Kurven fliegen sehen, bei denen ich das Gefühl habe, dass auch ich getroffen werden könnte. Das gehört sich einfach nicht“, sagte Schröder. Die Spieler hatten sich derweil auf ihren Job zu konzentrieren.
„Als Spieler nimmt man das nur am Rande wahr. Ich kann dazu nicht viel sagen, weil ich nicht genau weiß, was passiert ist. Aber wenn Menschen gefährdet werden, ist das natürlich nichts, was der Verein oder die Spieler wollen“, sagte Philipp Sander, der mit den Teamkollegen nach der Unterbrechung alles versuchte, um noch zum Ausgleich zu kommen.