Gladiator-Sandalen-Trend: Zendaya bringt die Römersandalen zurück
Wer gerade Stil-Ikone Zendaya verfolgt, könnte meinen, die Antike hätte uns wieder eingeholt. Um die Werbetrommel für ihren neuen Monumentalfilm „The Odyssey“ (in dem sie die Göttin Athene spielt) zu rühren, setzt die Schauspielerin Zendaya mit ihrem Stylisten Law Roach voll auf „Method Dressing“. Sprich: Sie kleidet sich passend zu ihrer Filmrolle. Eine Disziplin, die die Schauspielerin seit Jahren erfolgreich fährt und perfektioniert hat. Der letzte Höhepunkt dieser Fashion-Odyssee: ein kurzes, weißes Kleid aus der Frühjahrskollektion 2008 von Alberta Ferretti, verziert mit metallischen Goldketten. So weit, so göttlich. Doch weiter unten wartete der modische Teufel: Zendaya kombinierte den Look mit kniehohen, metallischen Römer-Absatzsandalen von Sophia Webster, einer britischen Luxus-Schuhdesignerin. Feine Riemchen, die sich im Zickzackkurs die Wade hinaufranken. Man muss fair bleiben: An Zendayas endlos langen Model-Beinen sah das Ganze immer noch irgendwie vorzeigbar aus. Aber die bittere Realität ist: Wenn Normalsterbliche versuchen, dieses modische Experiment im Berliner Nahverkehr nachzustellen, sieht das Ergebnis selten nach römischer Gottheit aus. Stattdessen läuft man Gefahr, Rollbraten-Assoziationen zu erwecken. Kurz: Die Gladiatoren-Sandale ist eines jener Phänomene, die einfach in den Geschichtsbüchern bleiben sollten. Doch die Modewelt kennt bekanntlich keine Gnade – und vor allem keine Amnesie. Von der Arena auf den Catwalk Um das ganze Ausmaß des modischen Trauerspiels zu verstehen, müssen wir die Sandale dort betrachten, wo sie eigentlich hingehört: in den staubigen Arenen des antiken Roms. Der Name kommt – wenig überraschend – von den Gladiatoren. Die römischen Kämpfer trugen diese feste Fußbekleidung, damals „Caligae“ genannt. Die dicken Ledersohlen waren oft mit Nägeln beschlagen, um auf dem blutigen Sand der Arena nicht den Halt zu verlieren. Die Riemen reichten weit das Bein hinauf, um den Knöchel bei schnellen Ausfallschritten zu stabilisieren. Was heute also als eleganter Boho-Look zum sonntäglichen Brunch durchgeht, war früher ein funktionaler Kampfstiefel für Männer, die sich gegenseitig mit Schwertern attackierten und ums Überleben kämpften. Wie also landete das Ganze auf den Straßen der Moderne? Der Trend kam in der jüngeren Modegeschichte immer wieder auf. Das erste große Revival feierte die Sandale in den 1960er-Jahren, als der Minirock erfunden wurde und man plötzlich sehr viel nacktes Bein zeigen konnte. Diese ungeschmückte Körperfläche galt es irgendwie zu verzieren. Designer wie Paco Rabanne schickten Models in futuristischen Römersandalen über den Laufsteg, zuletzt wieder aufgegriffen in der Kollektion für Frühling/Sommer 2024 des Hauses unter Designer Julien Dossena. Der absolute Höhepunkt des Schreckens wurde jedoch in den 2010ern erreicht. Teenie-Ikonen wie Vanessa Hudgens oder Ashley Tisdale liefen damals in flachen, braunen Wildleder-Riemchensandalen herum und fluteten die Mode-Magazine. Es war die Ära des Boho-Chics, in der man die Sandalen am besten mit Denim-Shorts, einem riesigen Schlapphut und Federschmuck kombinierte. Warum wir diesen Schuh absolut nicht vermisst haben Die Gladiatoren-Sandale ist der Inbegriff eines unpraktischen Schuhs, der vorgibt, lässig zu sein, in Wahrheit aber reinen Stress bedeutet, der bereits beim Ankleiden beginnt: Spontan das Haus zu verlassen, ist mit diesem hochkomplexen Geflecht-Konstrukt schlicht unmöglich. Das Einfädeln, Schnüren und präzise Ausrichten der Bänder erfordert mindestens ein abgeschlossenes Ingenieurstudium, nur damit die Riemen nach den ersten zehn Schritten doch wieder lustlos an den Waden herunterrutschen. Hinzu kommt der unbarmherzige Abschnür-Effekt: Schwerkraft und Hitze tun bei sommerlichen Temperaturen ihr Übriges, sodass Riemen, die morgens noch locker saßen, am Nachmittag bei 30 Grad tief ins Fleisch einschneiden und einen unschönen Krautwickel-Look kreieren. Wer es dennoch schafft, einen ganzen Nachmittag mit diesen Schuhen in der prallen Sonne zu verbringen, wird unweigerlich mit dem gefürchteten Streifenhörnchen-Syndrom bestraft – einem Bräunungsmuster, das für den Rest des Sommers hartnäckig auf der Haut bleiben wird. Dass die Modeindustrie nun versucht, uns diesen Trend auf dem grazilen Bein von Zendaya als das nächste „Must-have“ zu verkaufen, ist ein genialer, aber fieser Schachzug. Aber wir bleiben stark. Die Römersandalen wollen wir diesen Sommer nirgendwo sehen - außer auf der Kinoleinwand. Lesen Sie mehr zum Thema