„Gleicht einem Maulkorberlass“: Musikfestival lädt Alphaville aus - wegen politischer Äußerungen
An diesem Donnerstag startet das Musikfestival „Glücksgefühle“ am Hockenheimring in Baden-Württemberg. Drei Tage lang treten dort Acts wie David Guetta, No Angels, Marteria oder Mark Forster auf, veranstaltet wird das Festival von dem einstigen Fußballstar Lukas Podolski und dem Musikmanager Markus Krampe.
Nicht mit dabei: Alphaville, die in den Achtzigerjahren mit Songs wie „Big in Japan“ oder „Forever Young“ berühmt wurden.
Wie die Band und ihr Sänger Marian Gold auf ihren Social-Media-Kanälen mitteilten, sei ihr für Freitag geplanter Auftritt beim Festival am heutigen Mittwoch abgesagt worden. Laut der Band hätten die Veranstalter ihnen gesagt, dass sie keine politischen Themen oder Äußerungen auf der Bühne dulden würden.
„Diese Begründung gleicht aus unserer Sicht einem Maulkorberlass – uns allen bestens bekannt aus Diktaturen“, so die Band. „Dass eine derartige Einschränkung der Meinungs- Rede- und Kunstfreiheit (sic!) nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.“
Güter wie Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie müssten „mit allen legalen Mitteln verteidigt werden [...] auch und gerade von Künstlerinnen und Künstlern“, heißt es in dem Statement weiter. „Dieser feindselige und vollkommen unnötige Akt lässt tief blicken, was das Demokratie- und Weltverständnis der Verantwortlichen des Glücksgefühle Festivals betrifft.“ Die Band bleibe dabei, sich für Freiheit, Toleranz und Demokratie einzusetzen, „gerade in diesen Zeiten, wo so viel auf dem Spiel steht“.
Das Festival solle „komplett unpolitisch“ bleiben
Gegenüber dem Tagesspiegel wehrt sich der Festival-Veranstalter gegen diese Darstellung. Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold sei „inakzeptabel“, heißt es in einem Statement der Markus Krampe Entertainment Group. „Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren“, heißt es weiter.
Das Festival sei komplett unpolitisch, unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung gehe: „für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung“. Die Bühne solle ausschließlich der Musik gehören.
Alphaville sei in diesem Jahr bereits bei anderen Veranstaltungen der Markus Krampe Entertainment Group zu Gast gewesen und habe sich auf einer davon wiederholt politisch geäußert. Man habe im Vorfeld des Festivals nun darauf hingewiesen, politische Äußerungen auf der Bühne zu unterlassen. Darauf habe man sich mit Alphaville nicht einigen können.
Man schätze die Meinungsfreiheit als „hohes Gut“, heißt es dort weiter, und respektiere und schütze dieses Recht. „Gleichzeitig haben auch wir als Veranstalter das Recht, den Rahmen für unsere Veranstaltungen festzulegen.“
Zuletzt hatten Alphaville im April Schlagzeilen gemacht, weil sie Donald Trump die Nutzung ihres Songs „Forever Young“ untersagt hatten. Der US-Präsident hatte ein Video auf seiner Plattform Truth Social mit dem Song der Band unterlegt.
„Da wir, die Band Alphaville, Trumps politische Ansichten in keiner Weise zustimmen und sie sogar weitgehend verabscheuen, werden wir dafür sorgen, dass dieser Beitrag unverzüglich aus dem Internet entfernt wird“, kommentierte Alphaville-Sänger Marian Gold das Vorgehen damals auf Instagram.