Globus WND: frisch verlieben zwischen Fleischkäsweck und Maggi
Aus dem Konsumtempel soll ein Ort der Begegnung werden. Darauf setzt jetzt Globus an seinem Hauptstandort in St. Wendel. Direkt am Zugang zur Wein- und Spirituosenabteilung können Kunden nach Einkaufskörben greifen. Und die sollen längst nicht nur dazu dienen, die käuflich zu erwerbenden Güter bis zur Kasse zu bringen. Vielmehr sind sie dafür gedacht, Signale der Zweisamkeit auszusenden. Direkt ins Auge springt eine rosafarbene Tafel. Darunter in gleicher Farbe die Tragebehälter aus Plastik. In großen Lettern darüber zu lesen: „Korb zum Verlieben“. Ergänzt um die Erklärung, was es konkret damit auf sich hat. Wer solch einen Korb mit sich führt, erkläre sich bereit, im Einkaufszentrum angesprochen zu werden. Kurz zusammengefasst: Wer nach solch einem Utensil greift, statt den üblichen Korb im Firmen-Orange zu nehmen, zeigt anderen Konsumenten: „Ich bin zu haben.“ Also: anbandeln zwischen Fleischkäsweck, Hackfleisch, frischem Knoblauch, Mozzarella-Kugeln und Maggi. Doch was hat es konkret mit dieser neuen Aktion bei Globus auf sich? „Die Idee zur Umsetzung entstand aus zwei Gedanken“, schickt Sascha De Rosa voraus. Er ist seit Jahresbeginn Marktleiter in St. Wendel. Zuvor war er in gleicher Aufgabe in Kaiserslautern tätig, von wo er die neue Marketingstrategie mit ins Saarland gebracht habe. Der Impuls sei vom Valentinstag am 14. Februar ausgegangen. Dieses Datum gilt gemeinhin als Tag der Verliebten. Zu De Rosas Zeit in der Pfalz habe er mit der Belegschaft dort einen Kennenlern-Abend zu dieser Gelegenheit veranstaltet. Ziel sei es gewesen, Menschen im Supermarkt „unkompliziert und zwanglos miteinander in Kontakt“ zu bringen. Dieses Angebot sei sehr gut angekommen. Damit nicht genug: Das gesamte Jahr über und so nicht nur an diesem neuralgischen Termin sehnten sich sowohl junge Singles als auch ältere Menschen „nach persönlichem Austausch außerhalb der digitalen Welt“. Das will der Marketingexperte nun auch auf bei Globus im Nord-Saarland übertragen. De Rosa: „Der Gedanke lag nahe, einen unkomplizierten Impuls für neue Gespräche und Bekanntschaften zu geben.“ So sehe sich der Einzelhändler über der Stadt St. Wendel nicht nur als Einkaufsort, sondern „als Teil der Gemeinschaft vor Ort“ – sozusagen als ‚sozialen Treffpunkt‘ für die Menschen in der Region. Und genau hier komme nun der „Korb zum Verlieben“ ins Spiel. Vor rund zwei Wochen wurden selbige im Markt aufgestellt. „Damit möchten wir auf sympathische und unkomplizierte Weise Begegnungen im Alltag fördern“, lässt der Geschäftsleiter auf SZ-Anfrage über die Pressestelle wissen. Dabei soll es sich nicht nur um eine zeitlich befristete Aktion handeln.„Der ‚Korb zum Verlieben’ ist ein dauerhaftes Angebot.“ So lange Kunden dies annehmen, wolle Globus in St. Wendel daran festhalten. In Koblenz etwa sorgte 2025 eine kostenlose Tattoo-Aktion für Furore. Dabei wollten sich so viele Interessenten ein Fleischkäsweck-Abbild für immer unter die Haut stechen lassen, dass die Veranstalter frühzeitig stoppen mussten. Nur so habe sichergestellt werden können, allen bis dahin Wartenden das Tattoo zu ermöglichen. Ebenfalls in Koblenz besang ein Travestiekünstler die Kultspeise in einem extra dafür in dem Warenhaus produzierten Video. Die Dragqueen schlenderte dabei vor der Kamera durch den Markt und feierte gesanglich den Fleischkäsweck. Doch nicht immer kommen Werbekampagnen gut an. Für heftige Kritik sorgte 2023 ein angekündigtes Fleischkäsweck-Wettessen bei Globus in Homburg-Einöd. Bei dem Wettstreit sollte derjenige zum Sieger gekürt werden, der am schnellsten drei gewaltige Fleischkäsweck verspeisen kann. Über soziale Medien geißelten Kommentatoren dies als „Wettfressen“, das längst nicht mehr zeitgemäß sei. Die Warenhaus-Kette sagte das Wettessen kurzerhand ab. Offen blieb, ob dies mit den zahlreichen Negativkommentaren oder zu geringen Anmeldezahlen zu tun hatte. Zurück zum rosa Einkaufskorb: Die Resonanz darauf in der nordsaarländischen Kreisstadt sei bislang „sehr positiv“, berichtet Sascha De Rosa. Das entnehme er den Rückmeldungen der ersten Tage seit dem Start. Die Idee komme nicht nur bei Alleinstehenden gut an. „Auch ältere Menschen schätzen die Möglichkeit, unkompliziert miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen.“ Ob es allerdings dadurch schon Partner fürs Leben gefunden haben, „dazu liegen uns keine Kenntnisse vor“. In erster Linie gehe es Globus dabei, Alltagsbegegnungen anzustoßen. (lwg)