Glücksforschung: Vermögen macht Menschen zufriedener als hohes Einkommen
Glücksforschung: Geld allein macht nicht glücklich – Vermögen offenbar schon
Für die Lebenszufriedenheit der Menschen ist Vermögen wichtiger als ein hohes Einkommen, sagt eine neue wissenschaftliche Studie.
Hoch hinaus: Eine neue Studie hat den Zusammenhang von materieller Sicherheit und Glück untersucht Foto: WirtschaftsWoche
Die ökonomische Betrachtung von Glück ist eine vergleichsweise neue Disziplin der Volkswirtschaft, auch wenn sich bereits Ökonomen wie Adam Smith oder Alexander Rüstow dazu ihre Gedanken machten. Im Kern steht die Frage, inwieweit, wann und unter welchen Voraussetzungen materieller Wohlstand die Lebenszufriedenheit triggert. Macht uns Geld tatsächlich glücklich? Das ist in der Wissenschaft durchaus umstritten.
Eine neue Studie nähert sich dem Thema nun über das Zusammenspiel von Einkommen und Vermögen. Das noch unveröffentlichte Papier liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor. Es ist Teil des so genannten Glücksatlas, einer umfangreichen jährlichen Erhebung der Süddeutschen Klassenlotterie zur Befindlichkeit der Deutschen. Diese soll im November präsentiert werden.
Die psychologische Wirkung von Vermögen ist in der empirischen Glücksforschung bisher nur wenig untersucht. Für die Studie hat ein Team um den Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen nun vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos 3700 Menschen zwischen 18 und 71 Jahren dazu befragen lassen. Das Ergebnis: Personen mit Vermögen sind deutlich zufriedener mit ihrem Leben als Personen ohne materiellen Puffer. Auf einer Punkteskala von 0 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) liegen die Vermögenden bei 7,23 Zählern, die anderen bei 6,34 Glückspunkten.
Mehr noch: Die Lebenszufriedenheit hängt laut Umfrage etwa doppelt so stark vom Vermögen ab wie vom persönlichen Einkommen. Wessen Haushalt mindestens 50.000 Euro Vermögen besitzt, ist bei gleichem Einkommen im Schnitt 0,50 Punkte lebenszufriedener als Personen ohne entsprechendes Vermögen. „Vermögen hält die Lebenszufriedenheit hoch, auch wenn das Einkommen gering ist – aber ein hohes Einkommen kann fehlendes Vermögen in der Wohlbefindensbilanz nicht ausgleichen“, resümiert Ökonom Raffelhüschen.
Finanzielle Sicherheit erhöht die Autonomie – mit Einschränkungen
Das könnte daran liegen, dass Vermögen eine finanzielle Sicherheit gegen Jobverlust und Einkommensausfälle bietet und generell die individuelle Lebensautonomie erhöht. „Vermögen kann die wirtschaftliche Unabhängigkeit erhöhen, da der eigene Lebensstandard weniger stark vom laufenden Erwerbseinkommen oder von finanzieller Unterstützung durch andere Personen abhängt“, heißt es in der Studie. Dies gilt insbesondere für Männer: Laut Umfrage haben 48 Prozent der Männer ein Haushaltsvermögen von über 50.000 Euro, aber nur 34 Prozent der Frauen.
Allerdings hat das alles auch einen Haken: Ältere Studien haben herausgefunden, dass vermögende Personen weniger Vertrauen in andere setzen – und obendrein weniger enge Freunde haben. Zwei Faktoren, die sich am Ende durchaus negativ auf das individuelle Glück auswirken können.
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