Glücksgefühle-Festival: Acts spielen aus Protest "Forever Young"
Der mittlerweile zurückgenommene Versuch der Veranstalter, durch die Ausladung der Band Alphaville politische Statements auf dem Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring zu unterbinden, hat das genaue Gegenteil bewirkt: Viele der eingeladenen Künstler haben ihre Zeit auf der Bühne für politische Statements genutzt, meist gefolgt von Alphavilles größtem Hit "Forever Young".
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Selbstverständliches Eintreten für Werte
Bereits am Donnerstagabend hatte Alle Farben den Song auf der Pre-Party gespielt. Tom Gregory spielte den Song bei seinem Auftritt direkt zum Einstieg. Rapper Materia äußerte am Freitagabend seine "Solidarität mit Alphaville" und rief: "Das ist für die Kunst, für die Freiheit, für Toleranz, für demokratische Werte". Auch Rapperin Nura sang "Forever Young" (externer Link) und sagte: "Wenn man mich bucht, dann kriegt man auf jeden Fall keine unpolitische Show".
Auch der derzeit bekannteste Deutschrapper Ski Aggu bezeichnete es als "selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit". Auch der Männerchor "Die Grünen Gürtelrosen" animierte das Publikum zum Mitsingen von "Forever Young", während dessen Gründungsmitglied Sebastian Mortan rief (externer Link): "Gerade an diesem Wochenende: Scheiß AfD, alle Hände hoch für Alphaville!". Das Festival läuft noch bis Sonntag. Viele weitere Künstler wie etwa die Band Culcha Candela haben ebenfalls angekündigt, sich auf der Bühne politisch äußern zu wollen.
"Forever Young" und der Kalte Krieg
Das vor 41 Jahren erschienene "Forever Young" hat damit über das Wochenende eine neue Bedeutung bekommen. Unpolitisch war der Song allerdings von vornherein nicht. Bei "Forever Young" handelt es sich nämlich nicht um eine seichte Hymne an die Jugend. Mit Zeilen wie "Hoping for the best, but expecting the worst, are you gonna drop the bomb or not?" fingen Alphaville die Gefühle junger Menschen ein, die in einer Zeit der sich zuspitzenden Aufrüstungsspirale im Kalten Krieg aufwuchsen. Eine Jugend, die jederzeit mit dem nuklearen Armageddon hätte enden können.
Wenn Sänger Marian Gold also fragt: "Do you really want to live forever?", klingt nicht nur die Angst vor dem Altern durch, sondern auch das Nachdenken über einen viel zu frühen Tod im sinnlosen Konflikt der Weltmächte. Ein weiterer Grund, das Lied gerade heute wieder zu hören. Und ein weiteres Argument dafür, dass auch vermeintlich schnulzig daherkommender Pop selten unpolitisch ist.