Goldrally als Ausdruck schwindenden Vertrauens - Silber mit größerem Potenzial
Der jüngste Anstieg des Goldpreises über die Marke von 4.200 $ wird nach Einschätzung der Marktstrategin Michele Schneider weniger durch klassische Faktoren wie Inflation oder Zinspolitik getrieben, sondern vor allem durch ein wachsendes Misstrauen der Anleger gegenüber staatlichen Institutionen und der Stabilität des globalen Finanzsystems, schreibt Kitco News. Gold habe sich in den vergangenen Monaten mehrfach an der Unterstützungszone um 4.000 $ behauptet und profitiere weiterhin von umfangreichen Käufen durch Zentralbanken, darunter China und neuerdings auch Südkorea. Die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen unverändert zu lassen, habe den Dollar zusätzlich geschwächt und den Aufwärtstrend gestützt. Als entscheidenden Auslöser der jüngsten Kursbewegung sieht Schneider jedoch die Intervention Japans am Devisenmarkt. Die Unterstützung des Yen habe nicht nur den Dollar belastet, sondern auch Zweifel an der Belastbarkeit des internationalen Finanzsystems geweckt. In einem Umfeld, in dem Regierungen zunehmend eingreifen müssen, um Märkte zu stabilisieren, würden Anleger verstärkt zu Gold greifen – unabhängig davon, wie sich die Zinsen entwickeln. Obwohl Schneider Gold weiterhin positiv bewertet, sieht sie im Silbermarkt das größere Chancenpotenzial. Sollte die Inflation wieder an Breite gewinnen und das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis unter die Marke von 69 fallen, könnte Silber deutlich stärker anziehen. Ein nachhaltiger Anstieg über die 50-Tage-Linie und ein Preis von etwa 64 $ in den September-Terminkontrakten könnten eine schnelle Bewegung in Richtung 75 $ bis 80 $ auslösen. Schneider warnt davor, Edelmetalle ausschließlich durch traditionelle ökonomische Modelle zu betrachten. Ausschlaggebend sei letztlich die Stimmung der Anleger. Die zunehmende Marktvolatilität und die Unsicherheit über politische Entscheidungen zeigten, wie brüchig das Vertrauen geworden sei. In solchen Phasen bleibe Gold der Wert, auf den sich die meisten Marktteilnehmer verlassen. © Redaktion GoldSeiten.de