„Gönne mir eine Pause“: Gen-Z-Mutter zeigt, was sie in der Erziehung anders macht
Startseite Panorama „Gönne mir eine Pause“: Gen-Z-Mutter zeigt, was sie in der Erziehung anders macht Von: Sophia Sichtermann Uns auf Google folgen Eine junge Mutter berichtet, welche Erziehungsmaßnahmen sie umsetzt. Eine Psychologin erklärt, welche Aspekte besonders wichtig sind. Hamburg – Für viele Eltern ändert sich nach der Geburt alles. Schlafmangel, Betreuungszeit und Wiedereinstieg in den Beruf nehmen Zeit und Ressourcen in Anspruch, die sie zuvor für Treffen mit Freunden oder Sport nutzen konnten. Eine 30 Jahre alte Mutter beschreibt auf Instagram, welche „seltsamen Dinge“ sie tue, damit sie sich nicht „elend“ fühle. „Ich versuche immer, die Balance zu finden, keine Gören großzuziehen und gleichzeitig selbst keine unglückliche Mama zu sein“, schreibt Beth Lauren (@bethsandland) im Beitrag. Die Mutter zweier Söhne zählt einige Maßnahmen auf, die ihr helfen, nicht ihre Bedürfnisse zu vernachlässigen. „Ich warte nicht bis zur Schlafenszeit meiner Kinder, um Sport zu machen.“ Stattdessen könnten die Kinder während ihrer Tätigkeit zusehen, helfen oder in der Nähe spielen. So bringe sie regelmäßig 30 Minuten Work-out, Haare machen oder Wäsche sortieren im Alltag unter. Zudem würde sie ihren Kindern draußen Freiraum lassen, zu spielen und die Umgebung zu entdecken. „Ich bin dann die Mama, die mit einem Kaffee auf der Parkbank sitzt. Ich klettere nicht mit, sondern ich schaue zu, vertraue ihnen und gönne mir eine Pause.“ Psychologin: Bedürfnisse zurückstellen gehört zunächst zur Elternschaft Die Mutter betont einen weiteren Aspekt: „Ich setze die Grenzen, die ich brauche.“ So dürften die Kinder etwa nicht auf ihrem Schoß sitzen, während sie selbst esse. Wenn sie schreien, würde die Mutter die Kinder bitten, für fünf Minuten aus dem Raum zu gehen. „Ich stelle es dar als ein ‚Ich‘-Bedürfnis statt einer weiteren Regel für die Kinder.“ Auf diese Weise würden die Kinder auch lernen, Grenzen anderer zu respektieren. Wie wichtig ist es für junge Eltern, die eigenen Bedürfnisse zu beachten? Anne Reitz, Professorin für Persönlichkeitspsychologie und psychologische Diagnostik in Greifswald, erklärt, dass es zuerst „ganz normal ist, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse häufiger zurückstellen“. Besonders Babys und Kleinkinder hätten Bedürfnisse, die unmittelbarer und weniger aufschiebbar seien als die eigenen. „Ein Baby kann nicht einfach entscheiden, später Hunger zu haben oder sich selbst zu beruhigen“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Dadurch würden Eltern zeitweise weniger schlafen, weniger spontan sein und eigene Wünsche verschieben. Problematisch werde es, wenn die eigenen Bedürfnisse „dauerhaft und sehr einseitig kaum noch Raum bekommen“. Reitz nennt dabei drei grundlegende psychologische Bedürfnisse: „Autonomie, also das Gefühl, zumindest einen Teil des eigenen Lebens selbstbestimmt gestalten zu können. Kompetenz, also sich wirksam und den eigenen Anforderungen gewachsen zu fühlen. Und soziale Verbundenheit, also sich anderen Menschen nah und zugehörig zu fühlen.“ Besonders das Gefühl von Kompetenz hänge dabei eng mit dem Selbstwert der Mütter zusammen: „An Tagen, an denen sich eine Mutter kompetenter und wirksamer fühlte als sonst, war auch ihr Selbstwert höher.“ Genau das strebt auch die Mutter mit ihren Alltagsroutinen an, etwa mit dem regelmäßigen Work-out. Dies könnte also dazu beitragen, dass sie sich weniger unglücklich und als Mutter selbstwirksam fühlt. Gesellschaftliche Erwartungen an Mütter sind besonders hoch Auch gesellschaftliche Erwartungen wirken sich auf das psychische Wohlbefinden aus. Diese Ansprüche würden nach wie vor besonders stark Mütter betreffen. „Wir sehen heute sehr hohe Anforderungen an ‚gute Mutterschaft‘: Eine Mutter soll aufmerksam und präsent sein, die Entwicklung ihres Kindes optimal fördern, gleichzeitig Erwerbsarbeit integrieren, alles organisatorisch im Griff haben und möglichst auch noch zufrieden mit der Mutterrolle wirken.“ Die Expertin bezeichnet diese Erwartungen als einen „Alles mit 1+-Anspruch“. Das Essen solle gesund, die Freizeitaktivitäten stimulierend sein. Wenn Mütter auch selbst diese hohen Ansprüche an sich stellen, werde es umso schwieriger, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.