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Gratis-Strom im Sommer: Diese Idee könnte auch in Deutschland funktionieren

Technologie

Australien macht es vor

Gratis-Strom: Forscher schlagen neuen Tarif für Deutschland vor

Von Amy Walker

Aktualisiert am 28.08.2026 - 13:19 UhrLesedauer: 4 Min.

Im Frühjahr und Sommer gibt es in Deutschland Strom im Überschuss. In anderen Ländern hat man einen Umgang damit gefunden: Zu bestimmten Tageszeiten ist der Strom umsonst.

2025 ist der Strompreis an der Börse in Leipzig an insgesamt 573 Stunden unter die Marke von 0 Euro gefallen. Das war damals ein Rekordjahr – der Rekord dürfte allen Prognosen zufolge im Jahr 2026 aber gebrochen werden. Grund dafür ist vor allem der starke Ausbau der Solarenergie in den vergangenen Jahren, sodass vor allem im Frühjahr und im Sommer – vorrangig um die Mittagszeit, wenn die Sonne besonders kräftig scheint – Strom im Überschuss vorhanden ist und deshalb die Preise an den Strommärkten in den Keller rutschen.

Davon profitieren aber nur diejenigen, die einen dynamischen Stromtarif haben. Diese Verbraucher können durch die Nutzung eines Smart Meters (Intelligenter Stromzähler) ihre großen Verbrauchsgeräte (etwa Wäschetrockner, Heimspeicher, Klimaanlagen) so steuern, dass sie genau in diesen Zeiten anspringen. Dadurch können sie zu Zeiten mit negativen Strompreisen fast kostenlosen Strom nutzen.

In Deutschland profitiert davon aber kaum jemand, weil der Einbau der intelligenten Stromzähler nur schleppend vorankommt. Im vergangenen Herbst hatte die Bundestagsfraktion der Grünen vorgeschlagen, an den rund 600 Stunden im Jahr, in denen es negative Strompreise gibt, trotzdem allen kostenlosen Strom anzubieten. Dieser "Solarbonus" solle "unbürokratisch" an alle Stromverbraucher übertragen werden.

Die Idee ist nicht ganz neu und wird seit diesem Jahr in zwei Ländern auch schon umgesetzt: in Australien und in Großbritannien.

In Australien ist Strom für täglich drei Stunden umsonst

In Australien gibt es seit Juli 2026 das Programm "Solar Sharer", das für Stromkunden in den drei Staaten New South Wales, Queensland und South Australia gilt. Verbraucher können in diesen Regionen drei Stunden am Tag kostenlosen Strom bekommen. Dazu müssen sie allerdings Kunden bei einem der teilnehmenden Stromanbieter sein. In den ersten beiden Staaten gilt der Gratisstromtarif zwischen 11 und 14 Uhr, in South Australia zwischen 12 und 15 Uhr. Dadurch sollen auch diejenigen vom günstigen Solarstrom profitieren, die keine eigene Solaranlage besitzen.

In Großbritannien funktioniert der Plan etwas anders. Der "Demand Flexibility Scheme" wurde schon 2022 ins Leben gerufen und gilt nur an Tagen, die die nationale Netzbehörde im Vorfeld bestimmt. In der Regel sind das sonnige Wochenenden oder Feiertage. Teilnehmende Stromanbieter teilen ihren Kunden dann mit, wann genau sie besonders günstigen oder kostenlosen Strom bekommen können. Entsprechend können sich die Verbraucher dann einrichten und zum Beispiel die Wäsche erst zu diesem Zeitpunkt waschen und trocknen.

Die Idee in beiden Fällen: Einen Anreiz zu bieten, den Stromverbrauch in diese Stunden zu verlagern, damit die Solar- und Windparks nicht wegen fehlender Abnahme abgeschaltet werden müssen. In Deutschland müssen Anlagenbetreiber entschädigt werden, wenn ihre Anlage abgeschaltet wird; im Jahr 2025 entstanden dem Staat dadurch Kosten von rund 17 Milliarden Euro.

Solarbonus in Deutschland: Lieber langsam anfangen

Zwei unterschiedliche Machbarkeitsstudien haben untersucht, ob ein solches Modell auch in Deutschland funktionieren könnte. Die erste erschien im Juli im Fachjournal "Renewable Energy", die zweite wurde von dem energiepolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Michael Kellner, in Auftrag gegeben und vom Beratungsunternehmen Neon Neue Energieökonomik erstellt.

In der ersten Studie geht es vor allem um die Frage, ob der Solarbonus überhaupt etwas bringt und die Menschen tatsächlich ihr Verhalten verändern. Dazu hat es dem Autor zufolge bisher keine Studien gegeben. Mögliche Verhaltesänderungen im Vorfeld schon festzustellen hält er deshalb für besonders wichtig – ansonsten wäre der Solarbonus nur ein teures Geschenk, das dem Stromsystem wenig nützt.

Er empfiehlt daher, nicht wie in Australien direkt mit dem Solarbonus zu starten, sondern das Modell stufenweise einzuführen. So könnte man zunächst nur ausgewählte Haushalte mit Smart Metern einbeziehen und diese per Textnachricht, App oder Mail auf die Möglichkeit des kostenlosen Stroms hinweisen. Sobald das Zeitfenster eintritt, könnte der Netzbetreiber anhand der Smart-Meter-Daten messen, ob sich das Verhalten des Verbrauchers auch wirklich verändert.

Netzbetreiber könnten auf diese Weise untersuchen, ob das Gratisstromangebot wirklich genutzt wird und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen, wenn es unvorhergesehene Nebeneffekte gibt. Erst danach würde man das Angebot an alle Haushalte ausrollen.

Gratis-Strom nur für Haushalte mit Smart Meter?

Der Studienautor erwähnt auch am Rande, dass kostenloser Strom positive soziale Effekte haben könnte, da ärmere Haushalte in diesen Zeiten in den Genuss von Aktivitäten kommen könnten, die sie üblicherweise meiden, um Geld zu sparen. Man denkt hier an das Einschalten von Klimaanlagen oder Unterhaltungselektronik.

Die Studie im Fachjournal geht allerdings davon aus, dass teilnehmende Haushalte Smart Meter installiert haben und dadurch zielgenaue Messungen möglich wären. Die sind aber in Deutschland eher rar gesät: Es gibt kaum Haushalte mit intelligenten Stromzählern. Deshalb hat die zweite Machbarkeitsstudie einen anderen Ansatz: Für die Haushalte ohne Smart Meter gibt es eine feste Menge an Stromstunden, die jedes Jahr gratis sind. Das senkt die gesamte Stromrechnung ab – laut Studie um rund 43 Euro pro Jahr bei einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr.

Für Haushalte mit Smart Meter würde das System genauso funktionieren wie in Australien und Großbritannien. Zu bestimmten Zeiten wird der Strom kostenlos angeboten, vermutlich profitieren diese Haushalte dann noch mehr. Dadurch entstünde ein neuer Anreiz für Haushalte ohne intelligenten Zähler, einen Smart Meter zu installieren.

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Kosten würde der Gratisstrom den Bundeshaushalt etwa 2,5 Milliarden Euro, wenn man von den Daten aus 2025 ausgeht. Idealerweise würden dafür die Kosten für das Abschalten von Solar- und Windkraftanlagen sinken, da mehr Menschen den Strom in den sonnigen Mittagszeiten wirklich nutzen. Auch hier bleibt aber offen, ob Verbraucher ihr Verhalten wirklich anpassen würden, und wenn ja, wie stark.

Australisches Modell hat einen Haken

In Australien hat das sogenannte Solar-Sharer-System allerdings einen Haken, den keiner vorhergesehen hat. Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, haben die teilnehmenden australischen Stromanbieter ihre Preise so angepasst, dass Strom in den Zeiten außerhalb der drei Gratisstunden noch teurer wurde. Teilweise erhöhten die Anbieter die Preise um das Doppelte.

Dadurch ergebe sich für die meisten Haushalte letztlich kein Vorteil: Zwar können sie mittags Strom gratis nutzen, morgens und abends zahlen sie jetzt aber deutlich mehr. Gavin Gilchrist, Projektmanager eines lokalen Energieanbieters in Sydney, spricht von einem "Fiasko". Dabei sei die ursprüngliche Idee "richtig gut" gewesen.

Sollte Deutschland das System jemals wirklich übernehmen wollen, wäre das ein Nebeneffekt, den es zu vermeiden gilt.

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