„Grenze des Machbaren“ - Skoda-SUV lässt selbst VW alt aussehen - news38.de
Skoda schwingt sich auf zu neuen Höhen. Nachdem die tschechische VW-Tochter gerade erst den Epiq als elektrisches Einstiegsmodell für 25.900 Euro lanciert hat, schicken die Tschechen jetzt am anderen Ende der Palette den Peaq ins Rennen.
Mit einem Grundpreis von 49.900 Euro ist er nicht nur das bislang teuerste E-Modell der Marke. Sondern er ist diesseits des ID. Buzz auch der einzige elektrische Siebensitzer im VW-Konzern und sticht damit alle Schwestermodelle aus. Ähnlich wie der Superb bei den Verbrennern kann er es bei Ambiente und Ausstattung durchaus mit Audi, BMW oder Mercedes aufnehmen.
📌 Fakten zu Skoda
Gründung als Fahrradwerkstatt: Skoda gehört zu den ältesten Automobilherstellern der Welt. Das Unternehmen wurde 1895 von Václav Laurin und Václav Klement gegründet – allerdings bauten sie anfangs keine Autos, sondern Fahrräder unter dem Namen Laurin & Klement (L&K).
Namensgeber war ein Industrieller: Der Name „Skoda“ stammt von Emil von Škoda. Maschinenbaukonzern übernahm 1925 die Automobilfabrik von Laurin & Klement, um die Produktion nach dem Ersten Weltkrieg zu erweitern.
Bedeutung des Logos: Das berühmte Logo zeigt einen geflügelten Pfeil. Der Pfeil steht für Schnelligkeit und Fortschritt, die Flügel symbolisieren den weltweiten Fokus und das Auge im Flügel weist auf die Präzision der Produktion hin.
Die „Simply Clever“-Ideen: Skoda ist bekannt für seine praktischen Alltagshelfer im Auto. Dazu gehören clevere Details wie ein Eiskratzer im Tankdeckel, ein Regenschirm in der Fahrtür oder ein integrierter Trichter im Deckel des Scheibenwischwasser-Behälters.
Erfolgreich im Rallyesport: Skoda blickt auf eine riesige Motorsport-Tradition zurück. Besonders in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) feiert die Marke mit Modellen wie dem Skoda Fabia R5 oder Rally2 evo seit Jahren dominante Klassensiege.
VW: Größte Ausbaustufe des MEB
Dafür hat Skoda den Modularen Elektrobaukasten (MEB) des VW-Konzerns bis an die Grenzen des Machbaren gestreckt. Der Peaq misst in der Länge 4,87 Meter, fast 80 Zentimeter mehr als der kleine Epiq und gut 20 Zentimeter mehr als der Enyaq als bisheriges Topmodell. Seine Räder stehen 2,97 Meter auseinander und schaffen so Platz für wahlweise einen riesigen Kofferraum von 935 bis 2.150 Litern oder eine – wenn auch optionale – dritte Sitzreihe, hinter der noch immer 299 Liter Platz fürs Gepäck bleiben.
Während man vorn erstklassig sitzt und in der Mitte noch immer sehr ordentlich, geht es ganz hinten natürlich etwas knapper zu. Aber zumindest erleichtert die verschiebbare Mittelbank das Einsteigen.
Auch interessant: ID. Cross: Warum dieser VW für den deutschen Markt wichtig ist
Eine luftige Lounge auf Rädern
Wovon alle profitieren, das ist der luftige, loungeartige Charakter des Peaq und sein, wenn zuweilen auch optionales, nobles Ambiente:
Es gibt viel Licht durch ein Panoramadach, bei dem man einzelne Elemente dimmen kann.
Vor den Kopfstützen hängen kuschelige Kissen wie in einer Luxuslimousine.
Die Oberflächen sind vornehm verkleidet.
In den Ablagen verhindert Velours lästige Klappergeräusche.
Und auch wenn sich Skoda der Wiederentdeckung von Schaltern und Knöpfen rühmt, mit denen sich auch ältere Semester bei der Bedienung leicht tun: Die Tschechen haben einen neuen, noch größeren Bildschirm eingebaut und den zum ersten Mal hochkant montiert. Auch das lässt das Cockpit eleganter aussehen. Statt aufs Armaturenbrett hochzuragen, sitzt er zudem etwas tiefer und verbessert so die Sicht nach draußen.
Und natürlich gibt es wieder etwas aus der Abteilung Simply Clever, mit denen sich Skoda einmal mehr abheben will. Damit ist nicht nur der endlich vernünftig nutzbare Frunk mit 37 Litern für Ladekabel und Kofferraumabdeckung gemeint. Praktisch sind auch das optionale Ladefach fürs kabellose, gekühlte Handyladen mit magnetischer Positionierung sowie der Klapptisch zwischen Fahrer und Beifahrer.
Mit Ruhe und Gemütlichkeit
Größe beweist das elektrische Flaggschiff nicht nur bei den Abmessungen und beim Ambiente. Sondern auch beim Fahren spürt man die Ambitionen des Aufsteigers. Ruhig, gelassen und souverän stromert er durch Stadt und Land. Er strahlt dabei dank der variablen Dämpfer des optionalen DCC-Fahrwerks eine wunderbare Ruhe aus, die sich schnell auf den Fahrer überträgt.
Mühelos streicht er über Bodenwellen hinweg und vermittelt den Eindruck, die Straße wäre mit Sahne ausgestrichen, so weich und genussvoll gleitet der Geländewagen dahin. Und das in fast völliger Ruhe, wie sie einem Elektroauto per se zu eigen ist. Für den Fahrer ist das fast gefährlich gelassen.
Aber der Beifahrer kann die Fahrt in vollen Zügen genießen. Schließlich reist der auf einem Relax-Sitz mit Massagefunktion (optional für Frontsitze) und ausklappbarer Fußstütze und bekommt auf Wunsch über eine App Atem- und Meditationsübungen eingespielt.
Beim Rangieren wird Größe plötzlich relativ
Selbst in der Rushhour oder im Parkhaus geht der Puls nicht in die Höhe, weil das Auto für sein Format mit einem Wendekreis von je nach Version 9,9 Metern überraschend handlich und außerdem sehr übersichtlich ist. Und wenn’s doch mal eng wird, gibt es auf dem großen Bildschirm ein halbes Dutzend Kamera-Perspektiven, die bei der Übersicht helfen.
Langsam auf die Langstrecke
Angeboten wird der Peaq mit drei Motorisierungen und zwei Akkus: Es gibt 150 kW/204 PS oder 210 kW/286 PS mit Heck- oder 220 kW/299 PS mit Allradantrieb für Sprintwerte (0-100 km/h) von 6,7 bis 8,4 Sekunden und Höchstgeschwindigkeiten von 160 (Peaq 60) und 180 km/h (Peaq 90 und 90x). Für ein E-Auto sind diese Spitzenwerte gut. Es könnte aber sein, dass sie manchem bisherigen Verbrenner-Kunden in diesem Segment zu niedrig sind.
Die Batterien haben eine Kapazität von 63 oder 91 kWh und ermöglichen Normreichweiten von je nach Ausführung maximal 456 bis 642 Kilometern. Mit Ladeleistungen von 160 beziehungsweise bestenfalls 199 kW schaffen sie es in 27 beziehungsweise 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent Batteriestand; an der 11-kW-Wallbox dauert eine Vollladung 6,5 oder 9 Stunden.
Mehr News:
Fazit: Schnäppchen mit einem stolzen Preis
Geschichte wiederholt sich doch. Auch bei Skoda. Denn 25 Jahre, nachdem die Tschechen mit dem Superb schon einmal das Establishment geärgert und die Hierarchie im Konzern durcheinander gebracht haben, proben sie jetzt auch bei den elektrischen SUV den Aufstieg.
Sie lassen VW und Cupra hinter sich und stehlen zumindest auf den ersten Blick manch einem Oberklasse-Modell die Schau. Man muss deshalb schon sehr genau hinschauen, wenn man die Unterschiede zu einem Mercedes EQE, einem BMW iX5 oder einem Audi Q6 ausmachen will. Selbst beim Preis wird der Abstand geringer.
Denn ja, ein Skoda, der erst bei knapp 50.000 Euro startet, ist eine starke Ansage für eine Marke, die immer stolz war auf attraktive Preise. Doch verglichen mit der wahren Konkurrenz ist auch der teuerste Elektro-Skoda noch immer ein verlockendes Angebot.