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Großangriff gegen Iran? Trump riskiert schlimme Wirtschaftskrise

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Großangriff gegen Iran geplant? Trump riskiert Verschärfung der globalen Wirtschaftskrise

Von: Karsten-Dirk Hinzmann

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Vor den Midterms rasselt Trump mit dem Säbel gegen den Iran. Er hat viele Optionen, und deutsche Verbraucher haben bei einigen sehr viel zu verlieren.

Washington D.C. – „Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Trump den Befehl zum Militäreinsatz erteilt“, berichtet Zachary Cohen für den Sender CNN mit Bezug auf Quellen aus dem Pentagon. Im Verteidigungsministerium werde gemunkelt, die USA holen in ihrem Waffengang gegen den Iran zu einem größeren militärischen Schlag aus – sucht der US-Präsident nach einem Vorteil vor den Midterms? Am 3. November laufen die Zwischenwahlen für die beiden Kammern des US-Kongresses; Donald Trumps Republikaner und vor allem er selbst haben erheblich an Vertrauen verloren. Ein Last-Minute-Sieg im Iran könnte den US-Präsidenten in der Gunst der Wähler wieder nach vorn katapultieren.

Die Order müsste jetzt kommen, um die Wähler umzustimmen. Laut CNN hätten die USA genügend Truppen in der Region, um binnen 96 Stunden nach dem Marschbefehl losschlagen zu können. Im März dieses Jahres hatte die Weltmacht USA 50.000 Kräfte im Nahen Osten konzentriert – „rund 10.000 mehr als üblich“, wie die New York Times berichtet hatte. Der britische Independent hatte allerdings zur gleichen Zeit diese Zahl ins Verhältnis zu den Zielen gesetzt; mit ernüchterndem Ergebnis: „Das ist lächerlich. Um Erfolg zu haben, müsste Trump jedes einzelne Mitglied der US-Streitkräfte in den Iran entsenden – über 1,3 Millionen“, schrieb Independent-Autor Sam Kiley.

Planungen im Iran-Krieg: Als eigentlicher Unsicherheitsfaktor gilt aber vor allem Donald Trump

Als eigentlicher Unsicherheitsfaktor gilt aber vor allem Donald Trump. Laut „offiziellen Stellen“ wolle der US-Präsident mit dem nächsten Schlag bis nach den Zwischenwahlen warten – „mit weitreichenden Maßnahmen“, wie CNN schreibt. Allerdings sei noch alles offen, da Donald Trump in seiner Politik als wankelmütig beziehungsweise impulsgesteuert gilt und in der Vergangenheit im letzten Moment viel verworfen hätte von dem, was er kurz zuvor angekündigt hatte. Dennoch scheinen Pläne für verschiedene Szenarien vorzuliegen. „Ein hochrangiger Pentagon-Beamter erklärte gegenüber CNN: ,Das Ministerium ist eine Planungsorganisation, deren Aufgabe es ist, vom Präsidenten angeordnete militärische Optionen zu entwickeln und umzusetzen.‘“ Für James M. Lindsay dränge sich die Entscheidungsschlacht quasi auf.

„Nach fast neun Monaten Krieg mit dem Iran steht Präsident Donald Trump vor einer Entscheidung: den Konflikt mit Teheran eskalieren, einen Weg der Koexistenz finden oder alles beim Alten lassen“, schreibt der Analyst für den US-Thinktank „Council of Foreign Relations“. Wobei der darauf hinweist, dass Donald Trump scheinbar sogar unentschlossen sei, vor oder nach den Midterms loszuschlagen. Trumps Herausforderung bleibt vor oder nach der politischen Zäsur die gleiche: einen lange versprochenen Erfolg binnen kürzester Zeit „zu einem für die amerikanische Öffentlichkeit akzeptablen Preis zu erringen“, wie Lindsay formuliert. Sollte der US-Präsident das Thema aussitzen, risse er die gesamte Weltwirtschaft herunter. Damit hinge auch Deutschlands Schicksal an der Entscheidung, die jetzt ansteht.

„Sollte das Weiße Haus nach den Zwischenwahlen zu dem Schluss kommen, dass eine Energiekrise ein akzeptabler Preis für die Niederlage des Irans ist, werden die Verbraucher weltweit die Leidtragenden sein“

Wie immer die auch ausfiele. Die Spritpreise blieben hoch oder stiegen weiter, die Wirtschaft würde zusehends erlahmen. Der Druck von Hardlinern im eigenen Land beziehungsweise aus Israel steigt. Dabei scheint ausgemacht, dass Donald Trump mit allen seinen Optionen eher als Verlierer dastehen wird. Das jedenfalls behaupten Cole Bucy und Nate Swanson in einer aktuellen Analyse für das Magazin Foreign Policy: Jede Option verlangt enorme wirtschaftliche wie politische Kosten; keine der Optionen kann einen Regimewechsel garantieren. Für Bucy und Swanson gilt somit eine deutliche Eskalation als genauso möglich wie eine drastische Deeskalation – dass Donald Trump nämlich das Interesse am Iran-Krieg verliert, um seine letzten zwei Amtsjahre mit weniger umstrittenen politischen Zielen zu füllen.

Möglicherweise wird Trump die Entscheidung abgenommen oder wenigstens enorm erleichtert: Geheimdienste sprechen von einer zunehmenden Bedrohung gegen US-Personal: Laut CNN zögen die USA Diplomaten samt deren Familien aus mehreren Ländern ab – offenbar besteht der Verdacht von Anschlägen durch den Iran oder durch die mit ihm verbündeten Huthi-Rebellen. Bucy und Swanson skizzieren grob fünf verschiedene Szenarien, zwischen denen Trump wählen kann. Weitere verheerende Luft- oder Raketenangriffe beispielsweise auf die zivile iranische Energieinfrastruktur – wie sie jetzt möglicherweise zur Disposition stehen – sind nur eine davon; wenn auch die, für die die gesamte Welt bluten müsste:

Bodentruppen im Irak sind gefährlich: Die Hop-oder-Top-Lösung bringt Trump in die Zwickmühle

„Sollte das Weiße Haus nach den Zwischenwahlen zu dem Schluss kommen, dass eine Energiekrise ein akzeptabler Preis für die Niederlage des Irans ist, werden die Verbraucher weltweit die Leidtragenden sein“, schreiben die Autoren. Die nächst geringere Eskalationsstufe sehen sie in Bodentruppen; auch diese Option ist politisch schwer zu vermitteln. Einerseits würde jedes Opfer die USA an das Vietnam-Trauma oder an die Verluste im Irak erinnern, zweitens nimmt sich die Truppenpräsenz in den Irak-Kriegen gering aus im Vergleich dessen, was im deutlich größeren Iran vonnöten wäre – wie der Independent korrekt eingeschätzt hatte: Die USA bräuchten hunderttausende Infanteristen, um das Land zu kontrollieren. So schwer diese Option politisch zu verkaufen ist, so arg drängen Hardliner auf genau diesen Schritt. Die Hop-oder-Top-Lösung führt Trump in die Zwickmühle.

Laut Bucy und Swanson könnte Donald Trump auch die Opposition bewaffnen; eventuell kurdische Gruppen. Denen fehlt aber komplett die Struktur, und um diese herzustellen, fehlt den USA die Zeit. Selbst wenn dieser Weg Erfolg hätte, könnte statt eines Regimewechsels ein endloser Bürgerkrieg folgen. Dann hinge auch Europa in der Warteschleife um Ruhe in der Region. Wie James Lindsay für Foreign Policy behauptet, bestünde die hauptsächliche Frage darin, ob überhaupt und unter welchen Bedingungen, die USA mit dem Iran koexistieren können. Wenn ja, dann könnte Trump das Thema nach den Midterms finalisieren: Bucy und Swanson spekulieren auf einen Kommando-Einsatz gegen das iranische hochangereicherte Uran oder die Ölterminals. Letztere könnten dann gegen Lösegeld wieder abgegeben werden.

Israel gibt sich kämpferisch: Trump-Regierung sei „bereit, die Aufgabe zu Ende zu bringen“

Und das würde Trump einen Angriff auf das gesamte Territorium ersparen und Leben retten. Am wenigsten kriegerisch würde Trump mit einem Wirtschaftsfeldzug gleichermaßen gegen den Iran wie gegen China, das den Iran weithin unterstützt. Aggressive Wirtschaftssanktionen gegen China würden die Weltwirtschaft ebenso bedrohen, das wissen auch die USA. Insofern würde auch diese Option Deutschland mit in Richtung Bankrott ziehen – das globale Finanzsystem geriete in Unwucht. Militärisch wie wirtschaftlich bewegt sich Donald Trump also mit jeder Option und jeder Variation davon am Rand einer Niederlage. Der Preis für ihn für jede Entscheidung ist hoch.

Darüber hinaus hat sich Trump in eine Pattsituation manövriert, die der im Ukraine-Krieg ähnelt. Für die USA steht weniger die Straße von Hormus auf dem Spiel als vielmehr die Reputation als Weltmacht. Wenn sich Russland in der Ukraine verausgabt und die USA am Iran die Zähne ausbeißen, dann steigt China als Weltmacht aus den Trümmern empor. Dann hätte das Reich der Mitte sowohl wirtschaftlich als auch militärisch von beiden Kriegen profitiert. Donald Trump kann also kaum anders handeln, als die Kettenhunde gegen den Iran loszulassen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu jedenfalls ist davon überzeugt, wie ihn die Washington Post jüngst aus einer Rede einer Offiziersabschlussfeier der israelischen Verteidigungsstreitkräfte zitiert hat:

„Netanjahu fügte hinzu, dass Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen gesagt habe, die Vereinigten Staaten seien ,bereit, die Aufgabe zu Ende zu bringen‘ und würden dies nur mit der Hilfe Israels tun.“ (Quellen: Council of Foreign Relations, CNN, New York Times, Independent, Foreign Policy, Washington Post) (hz)

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