Großaufträge bescheren deutscher Industrie kräftiges Plus - Rüstungsboom treibt Geschäft
Die Auftragslage der deutschen Industrie hat sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte überraschend deutlich verbessert. Das Neugeschäft wuchs im Juli wegen vieler Großaufträge aus dem Inland um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Das ist bereits der dritte Zuwachs in Folge. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legten die Bestellungen um 13,1 Prozent zu.
Die positive Entwicklung im Juli geht fast ausschließlich auf den Bereich des Sonstigen Fahrzeugbaus zurück, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören. Wegen eines außergewöhnlich hohen Volumens an Großaufträgen vor allem im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau hat sich der Auftragseingang in diesem Bereich zum Vormonat mehr als verdoppelt (+126,4 Prozent).
Die Auslandsaufträge fielen im Juli um 2,1 Prozent niedriger aus als im Vormonat. Dabei wuchsen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 12,1 Prozent, während die aus dem Rest der Welt um 10,1 Prozent zurückgingen. Die Inlandsaufträge stiegen um 9,1 Prozent. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Mai bis Juli um 2,9 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor, ohne Großaufträge sank er um 2,2 Prozent. „Die Großaufträge machen schon länger die Musik bei der Auftragslage, das Fiskalpaket lässt grüßen“, sagte der Chefvolkswirt der Bank HAL Bethmann, Alexander Krüger. „Festzuhalten bleibt aber, dass ohne Großaufträge wenig los ist.“ Gesunken sind im Juli die Einnahmen: Der inflationsbereinigte Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe lag 1,5 Prozent niedriger als im Vormonat.