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Großbritanniens Premier Burnham: Lockerheit in der Downing Street

Welt

Gleich am ersten Tag brach der frischgebackene Premierminister Andy Burnham mit den verstaubten Traditionen. Das war das Erste, was den politischen Kommentatoren, den Journalisten und den X-Usern in Großbritannien auffiel. Statt wie sein Vorgänger Keir Starmer, der stets etwas steif am Rednerpult stand, hielt Burnham seine erste Rede vor der 10 Downing Street völlig frei: Kein Pult, keine Notizen, nur Inbrunst. Eine neue Lockerheit zieht in die Ten Downing Street ein. Solche Gesten zählen.

Burnham tritt sein Amt als neuer Premier in einer Zeit an, in der äußere Eindrücke oft wichtiger scheinen als Ergebnisse. Denn die Bilanz von Ex-Premier Starmer ist nach zwei Jahren objektiv betrachtet nicht so schlecht: Mehr Rechte für Arbeitnehmer, mehr Rechte für Mieter, mehr kostenlose Frühstücke für Kinder in Schulen, mehr kostenlose Kinderbetreuung, ein auf der internationalen Bühne wieder ernstzunehmendes, sich der EU annäherndes Großbritannien - um nur einige Punkte zu nennen.

Wut und Konflikte sind oft lukrativ

Nur hängen blieben andere: Die Fehltritte Starmers, der Schlingerkurs hier und da, der mangelnde Optimismus. Aufgebauscht und ausgeschlachtet von Medien, sozialen Netzwerken, Algorithmen und einem entrüsteten Westminster - Wut und Konflikt sind lukrativ. Starmer, fast demonstrativ trocken und bedacht, weigerte sich in der Regel, dieses Spiel zu spielen.

Burnham könnte besser darin sein. Der "König des Nordens", wie er mit Spitznamen heißt, hat selbst das ein oder andere populistische Bild zu bieten. Das etwa des elitären, snobistischen Westminsters, fernab der Lebensrealität des abgehängten Nordens. Allerdings liegt er damit auch nicht ganz falsch.

Sehnsucht nach Nahbarkeit

Schnelle, einfache Lösungen wird jedoch auch Burnham in Zeiten der Polykrise nicht parat haben, er wird mit denselben Herausforderungen wie Starmer und einem womöglich noch kürzeren Geduldsfaden der Briten kämpfen müssen.

Doch viele sehnen sich eben nach einem nahbaren Premier, der die alltäglichen Sorgen versteht, außerhalb Londons, wo die Gehälter nicht überproportional hoch sind, wo der Bus nicht alle zwei Minuten kommt, wo die Läden nicht 24 Stunden und sieben Tage die Woche aufhaben. Nach einem Premier, der ihre Sprache spricht.

Die Kultur der Entrüstung jedoch dürfte sich mit Burnhams versöhnlichem Plan - die Kommunen und Regionen zu stärken und so das ganze Land mit an den Tisch zu holen - nicht zufriedengeben.

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