Große Haustechnik-Firma meldet Insolvenz an
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Erfurt (Thüringen) – Die Baubranche steckt in Deutschland in einer tiefen Krise und reißt viele Unternehmen mit sich. Jetzt hat es einen bedeutenden Arbeitgeber in Thüringen getroffen. Die in Erfurt ansässige Thor-Gruppe musste Insolvenz anmelden – vier Standorte und rund 800 Mitarbeiter sind von dem Schritt betroffen. Geschäftsführer Georg Steinberg auf BILD-Anfrage: „Wir schließen nicht, wir stellen uns neu auf.“ Der Spezialist für Gebäude- und Haustechnik-Montagen war durch „schwierige Bedingungen in der Bau- und Energiebranche“ in wirtschaftliche Schieflage geraten. „Marktturbulenzen durch das Heizungsgesetz, Verzögerungen bei Bau- und Modernisierungsprojekten, die Zinslage und vor allem extrem hohe Mobilitätskosten haben die strategische Neuausrichtung notwendig gemacht“, so Steinberg. Um alle Gesellschaften zukunftssicher aufzustellen, wurden Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht eingeleitet. So bleibe die Handlungsführung im Restrukturierungsprozess beim Unternehmen . Extreme Kosten für 200.000 Liter Treibstoff pro Monat Der Betrieb laufe zunächst uneingeschränkt weiter, alle Aufträge würden erfüllt, die Mitarbeiter behielten vorerst ihre Arbeitsplätze. Ihre Gehälter seien für die kommenden drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert. Betroffen von der Insolvenz sind vier der fünf Standorte in Erfurt, Heiligenstadt, Menteroda und Leinefelde-Worbis sowie 800 der insgesamt 1100 Mitarbeiter – davon rund 450 Leiharbeiter. Akademie für Quereinsteiger statt Leiharbeit Besonders schwer wurde das Unternehmen von den gestiegenen Benzinkosten getroffen: „Wir tanken monatlich rund 200.000 Liter Kraftstoff für unsere Flotte. Da spüren wir jeden Cent mehr an der Zapfsäule.“ Zudem sei das Konzept der Leiharbeit „politisch einfach nicht mehr gewollt“, sagt Steinberg. Für die Thor-Gruppe war dies bisher eines der Hauptgeschäftsfelder. Der Geschäftsführer: „Jetzt stellen wir uns strategisch neu auf, um gestärkt aus der Situation hervorzugehen.“ Der Fokus liege dabei auf dem Ausbau der hauseigenen Qualifizierungs-Akademie. „Hier schulen wir Quereinsteiger zu Fachkräften für Industrieunternehmen um“, so Steinberg. In nur fünf bis acht Wochen werden in Turbo-Programmen Handwerker ausgebildet. Etwa für die Montage von Klimaanlagen. Einer der Haupt-Kooperationspartner hierbei sei etwa Bosch. Laut Steinberg sollen die Umstrukturierung und Neuausrichtung des Unternehmens bis zum Ende des Jahres vollzogen sein. Wie viele der Arbeitsplätze erhalten werden können, werde vom Verlauf der Sanierung abhängen.