Großer Waldbrand im Hohen Venn: Evakuierung in Teilen von Monschau angeordnet
Wegen des enormen Waldbrands im belgischen Hohen Venn haben die Behörden eine Evakuierung in Teilen der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angeordnet. „Die aktuelle Entwicklung des Brandgeschehens im Hohen Venn erfordert eine sofortige Evakuierung folgender Straßenzüge in Kalterherberg: Ruitzhof und Geisberg“, teilte die Stadt Monschau auf ihrer Internetseite mit. Die Häuser seien sofort zu verlassen, hieß es. Eine Notunterkunft sei in der Sekundarschule in Simmerath eingerichtet worden. Betroffen seien 17 Häuser und maximal 30 Menschen. Im Osten Belgiens kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen einen Großbrand im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Besonders schwierig sind die Bedingungen wegen des vergleichsweise starken und ständig drehenden Windes, wie der belgische Innenminister Bernard Quintin dem Sender RTL am Sonntagabend sagte. Der Wind sei völlig unberechenbar und drehe sich im Laufe eines einzigen Tages einmal um 360 Grad. In welche Richtung sich das Feuer ausbreite, sei daher nicht vorherzusagen. Am Nachmittag gab es noch Zeichen der Entspannung Am Sonntagnachmittag hatte Quintin eigentlich mitgeteilt, dass Teile des Feuers unter Kontrolle gebracht werden konnten – darunter die Feuerfront, die sich auf die deutsche Grenzstadt Monschau zubewegt hatte. Bis zum späten Abend war man auch in Monschau davon ausgegangen, dass die Flammen nicht auf deutsches Gebiet übergreifen und Evakuierungen nicht nötig seien. Am Sonntagmorgen hatte die Feuerwehr bereits Teile ihrer Einsatzkräfte aus der grenznahen Eifelstadt abgezogen, wie Einsatzleiter Philipp Krüger sagte. Der Waldbrand im Osten Belgiens breitete sich am Sonntag zunächst in Teilen weiter in Richtung Nordrhein-Westfalen aus. Die Löscharbeiten gestalten sich den belgischen Behörden zufolge als schwierig. Das Gelände in Richtung deutsche Grenze sei besonders schwer zugänglich. Schwierige Löscharbeiten im Hohen Venn in Belgien Die Feuerwehr in Belgien kämpfte mit mehr als 250 Einsatzkräften gegen die Flammen, darunter Helfer aus dem ganzen Land und aus Deutschland. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib sagte der Nachrichtenagentur AFP, am Sonntag seien zudem zwei Löschflugzeuge aus Schweden eingetroffen. Zwei Hubschrauber aus Belgien und zwei aus den Niederlanden waren bereits im Einsatz. Die Hilfe aus der Luft ist im Hohen Venn entscheidend. Das Naturschutzgebiet besteht aus Torfflächen und Heideland, in denen schweres Gerät schnell einsinkt. Auch zahlreiche Landwirte in der Region leisteten Hilfe und brachten mit ihren Traktoren Wassertanks an die Einsatzorte. Der Waldbrand im Hohen Venn ist einer der größten in der Geschichte Belgiens. Er hat nach Angaben der belgischen Behörden mittlerweile bis zu 3000 Hektar erfasst. Das entspricht einer Fläche von umgerechnet fast 4200 Fußballfeldern. Brand in Hürtgenwald unter Kontrolle Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel waren nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen. Dieser Brand ist nach einem tagelangen Großeinsatz unter Kontrolle. Das hat Dürens Landrat Ralf Nolten (CDU) bekannt gegeben. Die Zahl der Einsatzkräfte sei deutlich reduziert worden. Ein Aufklärungshubschrauber mit Wärmebildkamera beobachte aber nach wie vor, ob sich die vereinzelten Glutnester auf dem Areal wieder entzünden. Zwei Löschhubschrauber blieben ebenfalls vor Ort. Das Hohe Venn liegt überwiegend in Belgien. Das eigentliche Naturschutzgebiet dort ist etwa 4500 Hektar groß. Der bis nach Deutschland reichende Naturpark Hohes Venn-Eifel misst rund 72.000 Hektar. Bewohner von Hürtgenwald dürfen zurück Die Lage im mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belasteten Hürtgenwald hatte sich am Sonntag weiter verbessert. Das gesamte betroffene Gebiet war mit einer Schneise von etwa drei Metern umgeben, sodass sich Flammen nicht weiter ausbreiten konnten. Verschont blieb der Ortsteil Hürtgenwald-Gey von den Flammen. Bereits am Samstagabend waren Bewohnerinnen und Bewohner des evakuierten Ortsteils in ihre Wohnungen und Häuser zurückgekehrt, wie eine Sprecherin mitteilte. „Stand Sonntagmorgen waren rund zwei Drittel der Betroffenen wieder vor Ort.“ Etwa 2000 Personen hatten das Gebiet in der Nacht zu Freitag verlassen müssen. Die Flammen waren bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt. Die genaue Brandursache ist weiter unklar. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. NRW-Innenminister Herbert Reul sieht die Verantwortung für den größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes bei unachtsamen Menschen. „Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend herumrennen und einfach irgendwas wegwerfen“, sagte Reul. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Am Samstag sagte er bei einem Besuch vor Ort: „Wir erleben das hier in dieser Art eines großen Feuers zum ersten Mal, aber wir erleben eben nicht zum ersten Mal diese Extremwetterlage.“ Diese hätte „auch was mit Klimawandel zu tun. Das wird nun ernsthaft keiner mehr leugnen.“ Das Land werde es „in Zukunft häufiger mit Extremwetterereignissen ganz unterschiedlicher Art zu tun haben“, sagte Wüst. Dies könnten Waldbrände sein oder etwa Starkregenereignisse. „Insofern sind Klimafolgenanpassungen und Klimaschutz weiter auf der Agenda.“